Friedemann Karig Profile picture
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Jan 21 9 tweets 2 min read
1: Ich empfinde generell die angestrengte Diskussion, ob und wie und wenn ja mit welchen Folgen "die Klimabewegung" sich vielleicht eventuell nächsten Donnerstag doch noch "radikalisieren" könnte, als wenig anderes als eine kognitive Dissonanzreduktion, ein Ventil für den Frust. 2: Weil alle anderen Ansätze bis jetzt frustrierende Sackgassen sind – warum hält Politik sich nicht an Gesetze (Paris), warum maximiert Industrie weiter zerstörerische Profite, warum erträgt die Mehrheit da schweigend? – arbeitet man sich am schwächsten Glied in der Kette ab.
Nov 11, 2022 5 tweets 2 min read
Sehen Sie hier eine Frau namens Maja Göpel @beyond_ideology, die einige hörenswerte Ideen zur Zukunft der Menschheit darlegt
(obwohl ein Mann namens Herbert Diess alle 1,7 Sekunden ein „ja“ oder „nein“ dazwischenplappert.) #lanz Überraschung: bei den anwesenden Männern Boris Palmer und Roman Pletter @RPletter (letzterer kritisierte ihn deutlich) hat er still zugehört.
Nov 10, 2022 5 tweets 1 min read
Gibt in der Sendung noch ein paar sehenswerte Szenen, zum Beispiel bei 37:50, als @rochel_carla in zwei Sätzen die Definition von "Erpressung" geraderückt und warum der Vorwurf fehlgeht (und dafür Kichern erntet). Lange nicht mehr so einen klugen Talkshowauftritt gesehen. Oder wie sie den Unterschied zwischen Zustimmung zur Protestform oder zu Inhalten erklärt. Oder die historische Wirkmacht von zivilem Ungehorsam. Die brisante Zeitebene. Die politische Ohnmacht ihrer Generation. Den Klimajournalismus als "Fußballbericht".
Nov 8, 2022 4 tweets 1 min read
Ob der Generalsekretär der UN dann bald auch bei der "Klima-RAF" mitmacht? Der Witz an dem ganzen Bohei der letzten Wochen ist ja, dass nichts an den Forderungen der disruptiv Protestierenden disruptiv oder "radikal" oder "extrem" wäre. Sie sind umsetzbar, gut informiert und anschlussfähig bis an die Spitze von globalen Institutionen.
Nov 4, 2022 4 tweets 1 min read
Die tieftraurige Ironie ist doch, dass die Bewegung, die sich unter persönlichem Risiko dafür einsetzt, dass mit der simplen Maßnahme Tempolimit Verkehrstote verhindert werden, sich unberechtigten Vorwürfen erwehren muss, Verkehrstote zu verursachen. Die zweite traurige Ironie ist, dass eine Bewegung für das Blockieren von Verkehr kritisiert wird, weil sie auf Politik einwirken will, die die existenziell dringende Reformierung des Verkehrs seit Jahrzehnten blockiert.
Nov 3, 2022 11 tweets 3 min read
Der traurige Fall der hirntoten Radfahrerin und der möglicherweise die Hilfe verzögernden Proteste ist ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen (und menschengemachte Medien) Informationen nicht neutral wahrnehmen und gewichten, sondern entlang eines bereits bestehenden Narrativs. Obwohl völlig unklar war, was genau passiert war, wurden die Aktivist:innen sofort heftig zu ihrer Schuld befragt. Nun scheint sich herauszustellen, dass der Protest wohl keine direkte, maximal indirekte Schuld an verspäteter Hilfe hatte. Unklar, was das medizinisch bedeutete.
Nov 3, 2022 4 tweets 2 min read
Wenn es besonders bedrückend wird, besonders heftig gestritten wird, hilft manchmal auch guter Journalismus. So wie dieser hier.
Sep 30, 2022 7 tweets 2 min read
Alles, was Putin heute gesagt hat, kann man als Befreiungsschlag einordnen, um innenpolitisch zu überleben. Seine Rede richtet sich nicht an die Welt, sondern seine eigenen Hardliner. Ihm Lügen und Hass vorzuwerfen ist wie einem Kindergärtner infantile Sprache anzukreiden. Wie viele Putins braucht es noch, damit so eine Rede nicht mit einem empörten Faktencheck von „Experten“ im Westen begegnet wird?
Jul 27, 2022 4 tweets 1 min read
Man muss irgendwie damit umgehen, dass der Chef der umfragenstärksten Partei Deutschlands eine unbelegbare „Zensurkultur“ problematischer sieht als die von „Öko-Lobbyisten“ bekämpfte, final bewiesene, heute schon täglich Menschen tötende Selbstzerstörung unserer Spezies. Man muss vor allem damit umgehen, dass ihn Millionen Menschen in diesem Land genau dafür wählen. Kontrafaktische Trotzpolitik hat auch hier Konjunktur, die sieht nur anders aus als anderswo.
Jul 27, 2022 8 tweets 2 min read
1: Wenn morgen Aliens landen um die Menschheit zu versklaven, gibt es übermorgen offene Briefe zu ihren Gunsten. Danach Interviews, Gastbeiträge, TV-Auftritte: "Debatte". Enorme diskursive Energie verschwindet im schwarzen Loch eines Vulgärpluralismus, der erlaubt, was erregt. 2: Das akute Problem unserer Aufmerksamkeitsökonomie: sie belohnt Amplituden in alle Richtungen. Zum guten&schlechten, redlichen&unredlichen, kompetenten&inkompetenten. Es gibt kaum negatives Kapital/Sanktionen, es gibt nur Gewinn&Rendite für teilnehmende Akteure&Medien.
May 30, 2022 19 tweets 4 min read
1: Es ist einer dieser „Aufreger“, den man erst ignorieren, dann durch genaue Betrachtung entschärfen will – der aber leider immer großer und hässlicher wird, je näher man hinschaut: Kanzler Scholz und der mögliche NS-Vergleich. 2: "Zeit, die lange zurück liegt, und Gott sei Dank" – ein Vergleich mit Hitlers SA? Trug braune Hemden. Die SS? Trug schwarz, war aber eher im Geschäftsbereich Terror tätig. Der schwarze Block? Noch nicht vorbei. Die RAF? Hat gebombt, nicht gestört. Alles nicht so optimal.
Apr 30, 2022 4 tweets 2 min read
„Es gibt in einer atomaren Auseinandersetzung eine Mitverantwortung für die angegriffene Seite“, „ungeheurer Druck der Ukraine“, wir haben „Verantwortung als Zeugen dieses Kriegs“: mir wird schlecht bei solchen Sätzen von einem Schriftsteller. tagesspiegel.de/kultur/edgar-s… Man kann nach einigen begleitenden Interviews feststellen: der offene Brief war noch die gemäßigte Version einer völligen Verirrung zwischen Anmaßung und Angstabreaktion. Was da in freier Rede kommt von Schwarzer, Kluge und Selge ist noch viel verlorener.
Apr 29, 2022 8 tweets 3 min read
Einer von vielen kaputten Sätzen: "Ein russischer Gegenschlag könnte so dann den Beistandsfall nach dem NATO-Vertrag und damit die unmittelbare Gefahr eines Weltkriegs auslösen."
In einem Satz von Waffenlieferungen zum Weltkrieg. Falsch auf allen Ebenen.
emma.de/artikel/offene… Entweder die Unterzeichner:innen wissen nicht oder sie verschwiegen bewusst, dass ein "Gegenschlag" auf Waffenlieferungen keinen "Beistandsfall" auslöst.
So oder so unverantwortlich (und sprachlich roh): "unmittelbare Gefahr eines Weltkrieges auslösen".
Wo soll man anfangen.
Apr 28, 2022 4 tweets 2 min read
SZ: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung.
Habermas: Ich nicht. „Nach 77 Jahren ohne Krieg“ - wie kommt es zu so einem ersten Satz? Im Ernst: Was meint das, in Deutschland? Ist hier aktuell Krieg? Oder in Westeuropa? Zählt der Rest der Welt 77 Jahre lang nicht? Image
Mar 16, 2022 10 tweets 2 min read
0: Weil angesichts der offensichtlichen Lügen der russischen Führung gerne fernpathologisiert wird, die Akteure seien "wahnsinnig", "irre" oder wenigstens krankhaft verblendet, vielleicht mal eine Liste der sehr rationalen Zwecke, zu denen solche Lügen taugen: 1: Kollektive "blaue Lügen" zur Konstitution einer Gruppe durch Komplizenschaft. Wer sie öffentlich reproduziert, macht sich vor Zeug:innen mitschuldig, kann aber auch auf Loyalität des eigenen Lagers zählen. Vgl. Putin und sein Sicherheitsrat zu Beginn des Krieges.
Mar 2, 2022 7 tweets 2 min read
Weil das auf allen Ebenen inzwischen üblich ist: ich finde es befremdlich, "Putin" als alleinigen Protagonist der militärische Aggression zu dämonisieren. Wie in "Putin führt Krieg" oder "Putin bombardiert". Er baut auf ein riesiges System aus Mittätern, Helfern, Nutznießern. Die russische Föderation und ihre Armee führen den Krieg. Putin mag zwar (noch) die alleinige Macht haben. Aber selbst er braucht den Rückhalt der Oligarchen und des Militärs, der Institutionen und Medien. Und er weiß auch Teile der Bevölkerung noch hinter sich.
Mar 1, 2022 11 tweets 2 min read
1: Jetzt hat sein ganzes Büro gekündigt. Aber wir müssen leider noch mehr über Gerhard Schröder reden. Er ist der Elefant im Raum, die Personifizierung eines kaputten Systems. Bei ihm beginnen die Fragen: Warum kündigen diese Leute erst jetzt? Wie konnte er sich so lange halten? 2: Zum Anfang: Wie kann jemand Bundeskanzler werden, der offenbar sehr wenig Scham hat? Oder hat er die erst im Amt verloren? War die Bundesrepublik zu seiner Zeit so eine brutale Macho-Kultur? Wenn ja, wie viel ist davon noch übrig? Wer wird heute mächtig und warum?
Feb 26, 2022 7 tweets 4 min read
1: Diese Woche etwas mehr zur aktuellen Episode Piratensender Powerplay mit @samelou. Wir sprechen über Putins "große" Rede von Montag, über mögliche Sanktionen, Arten von Krieg (militärisch, hybrid, politisch), unseren (sozial)medialen Umgang mit alldem. piratensenderpowerplay.podigee.io/93-neue-episode 2: Eine Stelle in der Rede war mir aufgefallen: Putin treibt die Selbstviktimisierung via einer geschickten exklusiven Enthüllung auf die Spitze. Russland werde angegriffen, nicht weil es falsch handelt, sondern schlicht weil es existiert.
[Quelle: spiegel.de/ausland/der-kr…] ImageImage
Dec 23, 2021 5 tweets 1 min read
Ernste Frage: Wenn eine halb so tödliche Variante, die fünfmal ansteckender ist, ein Grund zur Entwarnung oder Abwarten sein soll - Confirmation Bias oder Probleme mit Mathe? Und wie mit solchen „guten Nachrichten“ umgehen, die isoliert betrachtet natürlich welche sind, aber bei 10 Mal mehr Fällen auch „50% weniger Hospitalisierungen“ schon 5 mal mehr ergeben und die Krankenhäuser schon 2 Mal mehr nicht schaffen?
washingtonpost.com/world/europe/o…
Dec 22, 2021 7 tweets 4 min read
Last Minute Buchempfehlung für späte Schenker wie mich (1):

Christiane Stenger: „Lassen Sie Ihre Zeit nicht unbeaufsichtigt.“

Wie entsteht überhaupt Zeit in unserem Gehirn, warum „haben“ wir immer zu wenig davon, wie viel Zeit bleibt uns wirklich noch?
campus.de/buecher-campus… Last Minute Buchempfehlung (2):

Hildegard Knef: „Der geschenkte Gaul“

Schlicht das beste Buch, was ich dieses Jahr gelesen habe. Traurig, lustig, brutal, sprachlich virtuos durch Krieg, Ruinen, Hollywood.

ullstein-buchverlage.de/nc/buch/detail…
Dec 21, 2021 4 tweets 1 min read
Hahaha, es geht dann doch immer irrer: jetzt sind manche MPs beleidigt, weil Wieler und das RKI nicht bitteschön so empfiehlt, wie man gerne beschließen möchte? Was für eine Geldverschwendung für wissenschaftliche Politikberatung. spiegel.de/politik/deutsc… Man könnte stattdessen Argumente gegen die RKI-Empfehlung vorbringen, gibt sicher welche, aber so ist es ein halber Streisand, mehr Aufmerksamkeit auf sich selbst gelenkt, Klasse.