Martin Gommel Profile picture
Ich habe chronische Depressionen und schreibe bei @krautreporter über psychische Gesundheit, weil ich es fucking leid bin, dass wir Betroffene belächelt werden.
🇫🇷 Yewa 🎭😷💉💉💉 Profile picture 1 added to My Authors
Aug 11 11 tweets 2 min read
Den wichtigsten Satz, den ich in der Psychotherapie hörte, sagte die Stationspsychologin, als ich 2012 in der Psychiatrie war:

„Herr Gommel, nutzen sie die Wut, solange sie klein ist“.

Dieser Satz ist heute genauso relevant, wie damals. Denn ich verstand zwei Dinge.

Ein 🧵 1. Wut kann man nutzen

Mein Leben lang war Wut ein Gefühl, das ich nicht haben wollte. Ich dachte, Wut sei toxisch und würde zu nichts Gutem führen. Dass Wut einen positiven Wert habe und ich sie sogar nutzen könne, schockierte mich.
Aug 8 18 tweets 3 min read
Die besten Sätze, die Menschen in der #Psychotherapie hörten – ein 🧵

Letzte Woche habe ich hier auf Twitter danach gefragt – und bekam über 1000 Antworten. Dies ist ein Auszug – manche Antworten wurden der Lesbarkeit halber redigiert. Bevor wir einsteigen: Psychotherapie ist ein dynamischer Prozess, der sich über Wochen und Monate hinziehen kann. Psychotherapeut:innen sind keine Magier, die „den einen“ Satz sagen, und dann ist alles super. Therapie ist Arbeit. Genesung ist Arbeit.
Jul 15 18 tweets 3 min read
Was du tun kannst, wenn dein Kind von anderen Schüler:innen im Sportunterricht gemobbt wird

Ein Leitfaden für Eltern.

[Thread!] Mobbing bedeutet, dass dein Kind immer wieder zur Zielscheibe für die Sticheleien und Provokationen der Mitschüler:innen wird. Mobbing kann verbal und physisch stattfinden, zermürbt Betroffene – und fällt eindeutig in die Aufsichtspflicht und Verantwortung der Lehrkraft.
Jul 11 8 tweets 2 min read
Was #Mobbing in der Schule nicht ist:

In diesem kurzen Thread werde ich mit vier falschen Annahmen und Irrtümern aufräumen.

Denn nur die Wenigsten wissen, was hier tatsächlich passiert. 1. Mobbing ist kein Konflikt. Wir haben es hier nicht mit Meinungsverschiedenheiten oder alltäglichen Reibereien zwischen Schüler:innen zu tun.
Jun 29 11 tweets 2 min read
Wenn du in deiner Kindheit von Mitschüler:innen gemobbt wurdest, lies das: 1. Es war nicht deine Schuld. Auch, wenn du abgespeichert hast, dass du zu dick, dünn, braun, anders, dumm, langsam, schwarz, (you name it) warst:

Das war eine Lüge.
Mar 7 8 tweets 2 min read
Vor drei Wochen habe ich meinen Kita-Job an den Nagel gehängt, um einer Depression vorzubeugen. Und so langsam bin ich fertig mit der sozialen Arbeit. 2004 absolvierte ich die Ausbildung, 2022 denke ich: Ihr könnt mich mal. [Thread] Ich habe minderjährige Geflüchtete betreut, Schulsozialarbeit gemacht, in einem Kinderheim gearbeitet, in einem Schülerhort und in einer Kita mein Bestes gegeben. Und ÜBERALL arbeitete ich mit Kolleg:innen, die sich mitten im Burnout befanden.
Mar 7 7 tweets 1 min read
Jetzt ist es soweit: Ich starte einen Foto-Newsletter!

Jeden Montagmorgen um 8 Uhr zeige ich Dir, wie ich die Welt durch meine Kamera sehen – fern von Kitsch, Klischees und Blümchenbildern.

Hier kannst du ihn kostenlos abonnieren:
steadyhq.com/de/martin-loes… Was Dich erwartet: Ich fotografiere jeden Tag draußen auf der Straße – und in meinem Newsletter schreibe ich über die Geschichten hinter meinen Aufnahmen. Ab und zu schicke ich auch ein Foto, das nichts geworden ist und erkläre Dir, warum.
Feb 20 10 tweets 2 min read
Wovor Schüler:innen #Angst im Sportunterricht hatten. Ein Thread.

(Kürzlich habe ich eine Umfrage dazu gemacht. Über 5000 Menschen haben geantwortet.) Ein Sportlehrer verlangte, dass wir Mädchen zwischen 16 und 18 uns auf einem Sportplatz im Freien umziehen. Bei Verweigerung drohte man uns mit einer Sechs.

– Silvana
Jan 19 12 tweets 2 min read
10 Sätze, die Menschen vor Jahren in der #Psychotherapie hörten – und heute noch darüber nachdenken:

[Vor drei Tagen habe ich nach diesen Sätzen gefragt und bekam über 300 Antworten. Eine kleine Auswahl:] „Wer in Therapie geht ist nicht schwach. Die Schwachen bleiben in ihrem Teufelskreis hängen. Die Starken gehen in Therapie, und holen sich Hilfe.“
Jan 3 7 tweets 2 min read
Auf Insta und Twitter sehe ich öfter Posts von sogenannten #notjustsad-Aktivist:inen, die eine (!) depressive Episode überstanden haben und die Krankheit als Geschenk ettikettieren. In ihrem unreflektierten Eifer erklären sie das Mindset Betroffener zum Problem. Nicht selten bieten sie sich als Depressions-Expert:innen an und posaunen in ihren Beiträgen hinaus, wie sie ihre Krise mit purer Dankbarkeit bewältigt hätten. Sie seinen unfassbar froh über diese „außergewöhnliche Erfahrung“. Soweit, so weird. Doch dann machen sie einen Fehler.
Aug 19, 2021 6 tweets 2 min read
Meiner Erfahrung nach glauben viele Menschen, dass #Depressionen eine Art »Ich hab‘ ne Krise«-light sind.

Sie unterschätzen, dass die Krankheit das Leben eines bislang aktiven und glücklichen Menschen komplett zum Stillstand bringen — und dann in Grund und Boden verwüsten kann. Deshalb reagieren sie irritiert, wenn eine Person keine Kraft dafür hat, sich zu duschen, eine Tasse Kaffee zu kochen oder etwas Frisches anzuziehen. Sie *können* es nicht nachvollziehen — und reagieren entsprechend.
Aug 8, 2021 11 tweets 2 min read
Es kostet mich ein bisschen Mut und Überwindung, das zu schreiben – aber jetzt ist es soweit:

Warum ich darüber nachdenke, ein Leben lang #Single zu bleiben.

Ein Thread über Depressionen und Partner:innenschaften. Letztes Jahr fiel mir etwas merkwürdiges auf. Immer, wenn meine Depressionen ausbrechen, bin ich in einer Beziehung. Die letzten drei Episoden war ich gleichzeitig frisch verliebt – und jedes Mal landete ich in der Psychiatrie.
Aug 7, 2021 6 tweets 1 min read
1/ Es ist Samstag, 16.49 Uhr. Du hast die ganze Woche auf dem Bau durchgearbeitet und seit gestern Abend 20 Stunden geschlafen. Du öffnest die Augen, versuchst aufzustehen, bemerkst aber zu Deinem Schrecken »ACH DU SCHEISSE« dass Du Dich besten Willen nicht rühren kannst. 2/ Du hast um 19 Uhr ein Treffen mit Freund:innen, jedoch ist Dir das völlig egal, weil Du einfach nur weiterschlafen willst. Einkaufen wolltest Du auch — egal. Deine Freundin anrufen — »AUF KEINEN FALL«: Deine Knochen fühlen sich an wie dreißig Tonnen harter Zement.
Jul 8, 2021 9 tweets 2 min read
Liebe Leute, wir müssen reden. Denn es gibt Menschen, denen mein permanentes, offenes und verletzliches Schreiben über meine Krankheit, Depressionen auf die Nerven geht. Und wisst ihr was? Ich don't give a Fuck. Denn ich verfolge ein Ziel: [Thread!] (1/9) Wenn wir WIRKLICH wollen, dass mehr Menschen sich trauen, offen über ihre Krankheit zu schreiben, dann müssen wir etwas dafür tun. Denn diese Gesellschaft wird sich nicht alleine verändern. Die Stigmatisierung psychisch kranker ist IMMER NOCH ein Problem. (2/9)
Jul 8, 2021 9 tweets 2 min read
Ja, der Lockdown war schlecht für die psychische Gesundheit. Aber: Es wäre schlimmer gewesen, es nicht zu tun. Das schreiben Dirk Richter und Lucy Foulkes im Guardian (Thread) #mentalhealth (1/9) Die Auswirkungen der Lockdowns auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung wurde zur Monition für Lockdown-Kritiker und -Gegner weltweit.
„Auf den ersten Blick wären weniger harte Maßnahmen offensichtlich besser für unsere kollektive psychische Gesundheit gewesen.“ (2/9)
Aug 23, 2020 18 tweets 4 min read
Arschlöcher und die #Psychiatrie: Ein Plädoyer gegen die permanente Stigmatisierung psychisch Kranker in 17 Tweets (1/17): Liebe Leute, ich habe es satt, permanent auf eine Linie mit Menschen gebracht zu werden, die sich wie Fanatiker*innen oder Arschlöcher verhalten – oder schlicht und ergreifend Nazis sind. (2/17)
Jul 21, 2020 6 tweets 2 min read
Depressionen haben nichts mit Selbstdisziplin zu tun.

Wir sind nicht zu faul.
Wir sind nicht zu bequem.
Wir tun nicht so, also ob.

Wir sind krank.
Manchmal innerlich tot.
Wir sind #notjustsad. Die Hauptsymptome sind:

1. Gedrückte, depressive Stimmung: Die Depression ist charakterisiert durch Stimmungseinengung oder bei einer schweren Depression das „Gefühl der Gefühllosigkeit“ bzw. das Gefühl anhaltender innerer Leere.
Jul 10, 2020 19 tweets 3 min read
1/ Hey. Ich möchte reden. Denn ich habe keine fucking Lust mehr, leise zu sein. Ein Thread in 18 Tweets aus der Perspektive eines Menschen mit chronischen #Depressionen. 2/ Wir Depressiven tragen in uns das Vorurteil, dass wir anderen zu viel sind, dass wir anstrengend sind. Wir wissen, dass unsere Krankheit auch unser Umfeld betrifft, doch wir hören oft: Es reicht jetzt auch wieder. Reiss Dich zusammen.