„Kevin S. und Jana L. sind nicht umsonst gestorben. Sie sind körperlich nicht mehr, aber sie werden bis in alle Ewigkeit in unseren Herzen leben,“ sagte İsmet Tekin, Besitzer des Kiez-Döner. Er und sein Bruder Rıfat sagten nach der Pause als Zeugen im #HalleProzess aus. Thread 👇
Rıfat Tekin, der zum Zeitpunkt des Anschlags im Kiez-Döner arbeitete, sah den Attentäter kommen und wie dieser versuchte, einen Sprengsatz in den Laden zu werfen. Als der Attentäter dann auf den Laden schoss, habe er sich hinter die Theke geduckt.
Rıfat Tekin berichtete weiter, dass er nichts habe sehen können und nur mehrfach eine Person „Bitte nicht!“ habe rufen höre. Da der Angreifer ihm zu dem Zeitpunkt den Rücken zudrehte, nutzte er die Chance zur Flucht. Er rannte hinaus und rief seinen Bruder İsmet an.
Rıfat Tekin sagte, dass auch seine Familie gelitten habe. „Ich war ja schließlich vor Ort und mir hätte auch etwas passieren können.“ Die Zukunft könne er nicht sehen.„Aber wir wollen hier bleiben. Wir wollen uns weiter für die Bürger*innen dieses Landes einsetzen.“ #HalleProzess
Nach seinem Bruder sagte İsmet Tekin aus. Er hatte kurz vor dem Anschlag den Laden verlassen und befand sich unweit des Kiez-Döners, als sein Bruder ihn informierte. Er sei zurück gerannt, alles habe sich „ausgeschaltet“ und der Weg zurück wäre ihm "wie 10.000 Meter" vorgekommen.
İsmet Tekin berichtete weiter, dass er nach dem Schusswechsel des Attentäters mit der Polizei und dessen Flucht in den Kiez-Döner gegangen sei. Dort habe er Kevin S. hinter dem Kühlschrank entdeckt, wollte helfen, konnte aber nur noch den Tod feststellen. #HalleProzess
İsmet Tekin nahm Bezug auf die Aussage des Vaters von Kevin S. im #HalleProzess heute morgen. Die Aussage "habe ich nicht ausgehalten, es war zu schmerzhaft". Eltern sollten so etwas nicht erleben müssen. "Niemand hat es verdient, auf so eine Art und Weise zu sterben."
İsmet Tekin ist erst kurz vor Beginn des #HalleProzess zur Nebenklage zugelassen worden, vorher hatte der GBA gesagt, der Attentäter habe ihn nicht umbringen wollen: "Es ist mir sehr schwer gefallen, dass der Generalbundesanwalt mich nicht als Nebenkläger anerkennen wollte.“
İsmet Tekin: „Ich frage mich, warum solche Vorfälle seit Jahren immer wieder passieren und nicht verhindert werden. Ich bin mir sicher, dass der deutsche Staat, wenn er sich dieser Dinge ernsthaft annimmt, dass er das lösen kann.“
İsmet Tekin: „Zwei Monate vor dem Vorfall wollte ich die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Aber danach hat es für mich keinen Unterschied mehr gemacht. Solange ich dunkle Haare, dunklen Teint habe, macht es keinen Unterschied, ob ich einen deutschen Pass habe oder nicht.“
İsmet Tekin: „Ich habe großherzige Menschen kennengelernt. Ich möchte der Opferberatung danken und der Kiez SoliGruppe, den Menschen, die sich seit solidarisch gezeigt haben. Und allen, die uns aus der Ferne unterstützt haben, möchte ich im Namen der Familie Tekin danken.“
Der Verteidiger des Angeklagten, RA Weber, unterbrach die Aussage von İsmet Tekin, er würde vom Verfahren abschweifen und wäre kein Nebenkläger. RA Özata, Vertreter von İsmet und Rıfat Tekin: Webers Verhalten sei beschämend, er solle Akten lesen, denn İsmet Tekin ist Nebenkläger.
İsmet Tekin wandt sich am Ende an den Angeklagten: „Sie haben nicht gewonnen, Sie haben auf ganzer Linie versagt. Mein Bruder lebt, ich lebe, wir werden nicht weggehen, wir werden unseren Laden nicht aufgeben. Und wir werden Kevin und Jana nicht vergessen.“ #HalleProzess
Der #HalleProzess wird morgen (16.9.) um 9:30 Uhr fortgesetzt. Wieder werden Überlebende des antisemitischen und rassistischen Anschlags von #Halle als Zeug*innen aussagen.
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