Warum ich gegen Sanktionen in der Grundsicherung bin:
Sanktionen prägen immer das gesamte System.
Sanktionen definieren "Fehlverhalten" und lenken es in "gewünschtes Verhalten".
Die Norm gestaltet dabei derjenige, der über die entsprechende Macht verfügt.
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In der Grundsicherung ist das "Fehlverhalten" aus psychosozialer Sicht häufig kein Fehlverhalten. IdR lassen sich gewichtige Gründe finden.
Das "gewünschte Verhalten" hingegen kann aus psychosozialer Sicht mittel- bis langfristig fatale Folgen für den Menschen haben.
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Die Strafe für "Fehlverhalten" fällt dabei gravierend aus.
Sanktioniert zu werden bedeutet: Flaschen sammeln, andere um Hilfe bitten, Verschuldung, weniger Essen oder sogar Stromsperren bzw. Wohnungsverlust, es bedeutet Scham, Wut, Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Angst.
3/
Sanktionen in dieser Härte sind ein hervorragender Nährboden für dysfunktionale Bewältigungsstrategien und psychische Erkrankungen.
Besonders betrifft das Menschen, die schon zuvor innerhalb von Macht- und Angstsystemen zB Traumafolgestörungen erlitten haben.
4/
Warum Sanktionen auf das gesamte System wirken, kann man sich vorstellen wie einer Schule. Wenn der Prügelstock auf dem Pult liegt, beeinflusst das das Verhalten aller Schüler und Lehrer. Der Prügelstock erlaubt und erfordert das Angstsystem - und kein Kooperationssystem.
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Deswegen werden wir das System "Hartz IV" erst überwunden haben, wenn wir auf Kooperation, gute Beratung & Vermittlung, Menschenverstand, Beziehung setzen - statt auf Strafe und Sanktion.
#Buergergeld #HartzIV #Sanktionen #IBA
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@threadreaderapp unroll
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