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Das #noZPS und ein Foto

Das ZPS hat den Regeln für erfolgreiche Marketingkampagnen folgend immer wieder gleiche Bilder und Textbausteine verwendet (wobei die Texte immer wieder neu kombiniert wurden).
Hier sieht man einen Frame aus dem Promotion-Video zur Kampagne.
Die dort gezeigten Bilder und Buchseite/-Einband wurden zu Vorder- und Hintergrundgrafiken der verschiedenen Websites.
Dazu gehört auch das Bild links oben, als Hintergrundgrafik eingebunden.
Im Aufbau der derzeitigen Website web.archive.org/web/2020011219… liegt das Bild zwischen zwei Textblöcken. Auf diese Weise wird das Bild zu einem Teil des Gedankenflusses zwischen beiden Texten.
Der erste Textblock mit dem Titel "Die Verbrannten liegen überall" endet mit folgenden Worten: " In 175 der Proben fanden sich Hinweise auf menschliche Überreste. Die ungewollten Unruhestätte, von der Welt völlig vergessen, vom deutschen Staat nie gesucht, von der Öffentlichkeit
verdrängt. Es gibt Tausende davon. Seit einem Dreivierteljahrhundert hätte man nach ihnen suchen müssen."

Unter dem Bild folgt der Textblock mit dem Titel "Der Damm bei Harmense". Damit ist das Bild ganz offensichtlich ein Kommentar zum ersten Textblock.
Tatsächlich könnte man meinen, da suchen drei Leute nach etwas, so wie das ZPS fordert, nach den Gräbern zu suchen. Vielleicht haben die Abgebildeten eine Grube ausgehoben, um nach erkennbaren Leichenteilen zu suchen.
Eine Bildersuche führt nach Belgien, dann nach Polen. Dort
ist es beliebt bei Nationalisten, die in der Debatte um das Vehalten einiger Polen nach 1945 eine Diffamierung ihrer Nation sehen. Sie zeigen es, weil links oben ein Rotarmist zu erkennen ist, und haben es sogar im Postkartenformat.
Die Postkate zeigt mehr, als das ZPS sich mit einem Foto des Buchbandes aus dem Frame des Videos gegönnt hat. Wir sehen den Hintergrund, die Personen befinden sich in der Nähe, aber außerhalb der Einzäunung des Lagers Auschwitz-Birkenau. Es ist nach der Befreiung, wie der
Rotarmist zeigt.
Was genau machen die Personen auf dem Bild, die nach Interpretation des ZPS nach Gräbern suchen?
Der Man in der Mitte, möglichweise auf einem Brett hockend, mit einer Schüssel an der Wasseroberfläche, die er mit links hält, während die rechte Hand am Schüsselrand
entlang streicht. Wäre es ein Video, wir würden ein Geräusch hören. Und das Geräusch würde Erinnerungen an unsere Kindheit, in der wir alle mal den Goldgräber spielten.

Ja. Was wir sehen, ist die Suche nach Gold.
Werden Leichen verbrannt, bleibt zurück, was nicht verbrennen will oder kann. Knochen. Implantate. Goldzähne.
Es gehörte zu den fürchterlichen Aufgaben des Sonderkommandos, in der frischen Asche nach Goldzähnen zu suchen. Das Deutsche Reich brauchte Geld, auch wenn das nicht
Verbrannte unveräußerlich zum Toten gehört. Nicht alle wurden gefunden, und so begann die "schwarze Archäologie" durch die "Friedhofshyänen", wie die Grabräuber von Imke Hansen in "Nie wieder Auschwitz" genannt werden.
Imke Hansen liefert uns auch den Beleg für die furchtbare Vermutung, wenn wir Seite 91 aufschlagen. Die Bildunterschrift lautet: "Rotarmisten außerhalb des Zauns von Birkenau auf der Suche nach Gold" (klicken).
Sie schreibt:
"Zur Verwüstung des Lagergeländes trugen auch Grabräuber maßgeblich bei, im Polnischen »Friedhofshyänen« genannt, welche die Massengräber und Aschefelder nach Goldzähnen und anderen Wertsachen durchsuchten. Einer der ersten Mitarbeiter des Museums, der ehemalige
Häftling Stanisław Hantz, berichtete: »Der Kampf mit den Friedhofshyänen war eine furchtbare Sache. Sie gruben in den menschlichen Überresten nach Kostbarkeiten«.73 Sein damaliger Kollege Henryk Porębski beobachtete, dass die »Goldsucher« ganze Schichten von Erde und Asche
abtrugen, sodass sich die Oberfläche des Geländes wesentlich veränderte."

Und weiter heisst es:
"Die Behörden waren sich des Problems durchaus bewusst, wie aus einem Schreiben des zuständigen Krakauer Wojewodschaftsamts an das Ministerium der Öffentlichen Verwaltung vom
September 1945 hervorgeht.79 Der Krakauer Wojewode berichtete, dass in Birkenau Leichen ausgegraben und ihnen die Goldzähne aus den Kiefern gebrochen würden, wobei unter den Plünderern auch Angehörige der Roten Armee gewesen seien.80 Selbst der Ministerrat befasste sich mit
dem Thema. Während einer Sitzung im Februar 1946 hieß es über Birkenau, »dass die Leute dort herumlaufen und die Asche auf der Suche nach Gold durchsieben«.81 Kriminelle Aktivitäten wie diese beschränkten sich nicht auf das Gelände innerhalb des Zauns, sondern betrafen alle
Felder, auf denen Asche aus den Krematorien vermutet wurde, ja sogar das Flussbett der Sola, in welche die deutschen Besatzer ebenfalls Asche und nicht vollständig verbrannte Überreste geschüttet hatten."
Nun haben wir einen Eindruck davon, was das Bild zeigt: Grabräuber, die nach Gold aus den Zähnen der Ermordeten suchen.

Wie schrieb das ZPS?
"Seit einem Dreivierteljahrhundert hätte man nach ihnen suchen müssen."

Dan kommt das Bild. Aber dort sucht niemand nach Gräbern. Und auf diese Weise wird man nie nach Gräbern suchen.
Ich weiss nicht, was das ZPS mit diesem Bild bezweckt. Ich weiß nicht, welchen Zusammenhang sie zusammenfantasieren. Und wenn ich ehrlich bin: Ich will es gar nicht wissen.

Dank an @wumpatz11, der das Bild im Band von Imke Hansen fand.
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