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@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden Nun ja. Die Frage, was Schulbücher "sind" lässt sich sicher nicht pauschal und für alle Zeiten beantworten. Dafür haben sich sowohl die Funktionen von Geschichtsunterricht als auch die Methoden und die Nutzung der Medien dabei zu sehr verändert. Aber auch dabei kann man .../2
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 1/... natürlich nicht von einer jeweils einzigen Funktion von Schulbüchern und gleichschrittiger Veränderung in jeweils eine Richtung ausgehen. Auch über den tatsächlichen Grad und die konkreten nutzungformen weiß man nicht allzu viel. Jüngst hat Christoph Kühberger (SBG) .../3
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 2/... dazu geforscht und publiziert. Demnach ist zumindest für Ö das Schulbuch in G immer noch "Leitmedium" - also auch durchaus oft benutzt. Was das aber konkret heißt, hängt sehr vom Buch und dem Unterricht ab. Daher mit aller Vorsicht:
1. Traditionell präsentieren .../4
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 3/... Schulbücher in G in D zunächst eine Darstellung ("Autorentext"), die durch Quellen und andere Materialien sowie Methoden- und Kompetenzseiten aufgelockert ist und zu denen Aufgaben gegeben werden. Diese Aufgaben haben -- auch angesichts der geringen Planbarkeit - oft .../5
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 4/... mehr den Charakter von Leistungsaufgaben (mit eher engem Lösungsraum) als von offenen Lernaufgaben - obwohl es auch das immer wieder gibt. Sie bewegen sich zumeist auch im Rahmen der präsentierten und verfügbaren Darstellungen. Die den Schüler*innen dabei abverlangten .../6
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 5/... eigenen Aktivitäten zielen somit zumeist auf Bestätigung und Differenzierung der im Autorentext gegebenen Deutungen, kaum aber auf Kontrastierung und Reflexion derselben.
2. Die Entwicklung vom "stofforientierten" Buch - sei es als autoritative Darstellung ohne .../7
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 6/... jegliche Aufgaben bzw. allenfalls mit zur Wiedergabe in eigenen Worten auffordernden Überprüfungsfragen über die kurzfristige Phase des (fast) reinen Arbeitsbuches mit breitem und durchaus multiperspektivischem Angebot an Quellen (die zumeist aber sehr zu eine enge .../8
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 7/... Fragestellung zugeschnitten waren ("Fragen an die Geschichte"; H.-D. Schmid) zum "kombinierten Lern- und Arbeitsbuch" mit Autorentext, Quellen- und Aufgabenteil sowie Methodentrainings hat nicht unbedingt dazu geführt, dass die Themen und die Darstellungen darin grund-.../9
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 8/... sätzlich kontrovers angelegt wurden. Für die Sek II. gibt es durchaus einige Bücher, die grundlegend auf problemorientierte Kurse ausgelegt sind. In der Sek I aber bleibt trotz gelegentlicher Längsschnitte und Methodenseiten der chronologische Durchgang das Zentrum. /10
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 9/... Dieser aber ist bei aller Modernisierung noch zumeist eine Darstellung. Diese fällt inbei vielen Themen inzwischen deutlich kritischer aus und auch oft multiperspektivisch -- wenn auch zumeist vornehmlich auf Quellen unterschiedlicher Beteiligter bezogen, seltener auf.../11
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 10/... kontroverse Historiker-Darstellungen. Die Darstellungen vollziehen mehrfach auch Umbewertungen mit, so etwa der Kreuzzüge von eurozentrischen Heldentaten weg zur a) problematisierten Gewaltgeschichte einerseits und einer Kombination tatsächlicher fruchtbarer "Kultur .../12
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 11/... kontakte und vertaner Chancen dazu andererseits.
Was aber kaum bzw. nicht systematisch stattfindet, ist eine Orientierung des GU an geschichtskulturellen Diskussionen und historiographischen Kontroversen. Das gibt es immer wieder als Projekte v.a. für die Oberstufe. /13
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 12/... eine grundsätzliche Befähigung von Schüler*innen zur Teilhabe an einer grundsätzlich strittigen und in ständiger Neubewertung befindlichen Geschichtskultur ist ein Desiderat.
In diesem Sinne sind Geschichtsschulbücher noch immer so etwas wie "nationale Autobiogra- .../14
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 13/... phien" (Jacobmeyer), die zwar nicht mehr einfach eine ungebrochen nationale "staatlich mandatierte" Deutung vorgeben, aber doch noch den Grundtenor, den Rahmen der historischen Selbstverständigung setzen. Sie bilden (auch nicht ganz verwunderlich) gesellschaftliche .../15
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 14/ Debatten mit einiger Verzögerung ab und integrieren sie in ansonsten tradierte Darstellungen. Eine wesentliche Frage dabei ist, inwiefern sie die Lernenden als Mitglieder einer als letztlich homogen unterstellten Gesellschaft ansprechen, bzw. explizit Diversität von .../16
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 15/... Erfahrungen und Perspektiven antizipieren und von dorther Pluralität in der Befassung mit pluraler Geschichte ermöglichen und befördern.
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 16/ Dass Schulbücher auf die gegenwärtigen Debatten explizit vorbereiten würden, vermag ich somit nicht zu sehen. Dass sie wesentliche in diesen Debatten angesprochene Gegenstände und Probleme thematisieren, schon. Aber es kommt dann eben auf die Thematisierung an, d.h. .../18
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 17/... auf die Intentionen, die aufgeworfenen (und - was wichtiger ist: angeregten eigenen) Fragen, die Aufgabenstellungen etc.
Worauf es aber auch ankommt, ist das "Image" von Schulbüchern. Soll heißen: Es geht nicht nur darum, was sich (vor dem Hintergrund von Bildungs- .../19
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 18/ bzw. Rahmen- oder Lehrplänen) Verlage und Autor*innen jeweils denken und was Lehrpersonen daraus machen, sondern auch darum, was Eltern und Schüler*innen von Schulbüchern erwarten bzw. als was sie sie begreifen -- und auch darum, was sie von GU erwarten.
Etwas überzogen.../20
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 19/... formuliert: Wenn (solange?) die Erwartungshaltung an GU ist, dass dort immer (zumindest am Ende) eine richtige Aussage über Vergangenes herauskommen muss, dass Ambivalenz und Ambiguität, bzw. (wichtiger:) perspektivische Pluralität nicht erwarten und honoriert .../21
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 20/... werden, so lange also Schüler*innen und Eltern meinen, dass man selbst bei problemorientiertem und kontrovers angelegtem Unterricht für die Arbeit (Klausur etc.) letztlich "mit dem Buch lernen" kann - so lange kann der GU kaum zum historischen Denken in Komplexität .../22
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 21/... befähigen.
Noch etwas überzogener: Wenn es mehr Schulgeschichtsbücher sind (also Bücher für die Schule, die Geschichte erzählen) und weniger Geschichtsschulbücher - also Bücher über die Natur der Domäne Geschichte (incl. Geschichts- und Erinnerungskultur- und .../23
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 22/... -politik), dann wird diese Erwartung bedient.
Ich will gar nicht sagen, dass diese Erwartung völlig sinnlos und obsolet ist. Ohne Darstellungen wird es nicht gehen -- aber es wäre doch wohl hilfreich(er), wenn diese entweder unterschiedliche Positionen (u. Wertungen).../24
@juergenzimmerer @logge_hh @NicoNolden 23/... ausführen und wirklich kontroverses Material dazutun, und/oder auch deutlich unterschiedliche Perspektiven _aus_ die jeweiligen Fragen abbilden und eröffnen.
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