Ein kleiner Thread zu E-Mail Signaturen als Tool des #changemanagement s👇TL;DR: Wenn eine Einrichtung es nicht schafft eine E-Mail-Signatur zu entwickeln, die für alle funktioniert & auch von allen verwendet wird, kann sie auch ihr Leitbild in Ablage P legen.
E-Mail Signaturen sind auf dem ersten Blick furchtbar langweilig. Die wenigsten werden sagen, dass sie unwichtig sind, aber wenn man anfängt mit Leuten darüber zu reden, spricht man auch schnell über die ganzen anderen & wichtigeren Sachen, die noch erledigt werden müssen.
Die Entwicklung von E-Mail Signaturen eignet sich gut im Kontext allgemeiner Veränderungsprozessen - nicht als Visitenkarte, sondern als Metapher für die Ordnung, in der wir gemeinsam arbeiten (wollen) und als Reizthema in Umgebungen, in denen keine klaren Strukturen herrschen.
Signaturen sagen nicht nur etwas darüber aus wer ich bin, sondern auch wer Wir sind (Einrichtungsbezeichnung), wie ich zum Wir stehe (Einrichtungsplatzierung), wo in diesem Wir ich mich befinde (Positionsbezeichnung) und wie ich in Bezug zu anderen stehe (Einheitlichkeit).
Darüber hinaus haben Signaturen natürlich auch eine ästhetische Dimension und sind letztlich elementar für die Corporate Identity. Das ist ein separates Thema. Hier geht es eher um die Entwicklung von Signaturen als kritisches Moment der Organisationsentwicklung.
Dass Signaturen mehr sind als Visitenkarten, zeigt sich am besten in der Diskussion um die konkrete Ausgestaltung. Ich war bislang bei jeder Signaturentwicklung aufs Neue überrascht, wie sehr sich dieser Prozess in die Länge ziehen kann und wie viele Personen sich zu Wort melden.
Übrigens wie bei Farbgebungsdiskussionen: Erst ist es scheinbar allen egal, dann fängt eine Person an zu diskutieren und auf einmal packen alle ihre Lieblingsfarben aus und können NicHT meHr mIt iRgeNdeInER ALTeRrnAtiVe LEhehebeN!!!!
Der Grund dafür ist simpel: weil die Signatur im Alltag keine wirkliche Relevanz für uns hat, halten wir Änderungen nicht für notwendig (sonst hätten wir sie ja selbst bereits vorgenommen) - wenn aber andere darüber bestimmen, wie wir uns darstellen, gehen wir in die Defensive.
Signaturvorgaben sind zwar idR rigide, können aber durchaus individuelle Ausprägungen abbilden. Vermutlich denken deswegen viele Leitungspersonen, dass man sich ja nur einmal etwas Schlaues ausdenken und es nach unten kommunizieren muss. Mission accomplished!
In Orgs mit komplexen Hierarchien ist solches top-down Vorgehen grundsätzlich zum Scheitern verurteilt - es gibt einfach zu viele Befindlichkeiten. Diese Befindlichkeiten sind der Grund, weswegen sich Signaturen prima als Instrument der Organisationsentwicklung einsetzen lassen.
Reibungen sind für die Organisationsentwicklung zunächst einmal nicht schlecht - sie deuten ja darauf hin, dass etwas nicht so gut läuft. Man darf sie nicht überstrapazieren aber ohne sie geht es nicht. & damit alles gut funktioniert, müssen alle Reibungspotenziale auf den Tisch.
In großen Orgs kann alleine das Vorhaben, eine einheitliche Signatur zu definieren schon eine Provokation darstellen. Das ist vor allem dann lustig, wenn die Org bereits so etwas wie ein Leitbild hat, es also vermeintlich geschafft hat eine gemeinsame Vision zu entwickeln.
Sehr wichtig auch: Positionsbezeichnungen - denn über Positionsbezeichnungen wird in Organisationen selten im großen Kontext gesprochen. Sie werden idR zugewiesen/übernommen. Ob jemand als Assistenz, Sekretär oder Sachkraft bezeichnet wird, macht aber für viele einen Unterschied.
Warum soll ich mich nur der Einheitlichkeit der Organisation willen "Sekretär" nennen, wenn ich jahrelang "Assistenz" war - die Frage ist berechtigt und sollte auf keinem Fall übergangen werden. Warum auch: Es gibt sehr gute Antworten darauf.
Oder anders: Ich habe über Jahre eine hübsch bebilderte Signatur für meinen Lehrstuhl gebastelt. Sogar mit Bildern drin! Und die will mir jemand wegnehmen? Ich bin natürlich empört! Wo ist der Mehrwert?
Was ich sagen will: Einheitliche Signaturen sind gut für die Organisation - den Einzelnen nehmen sie aber Ausdrucksräume. Wie bei jeder Form der Organisationsentwicklung muss es am Ende darum gehen diesen Menschen zu vermitteln, weswegen die Veränderung auch für sie sinnvoll ist.
Signaturen bieten Identifikationsflächen, die der Wertschätzung an die individuelle Arbeit Rechnung zu tragen können. Nicht durch platte nominelle Aufwertungen wie "Facility Manager" etc. sondern durch Selbstdarstellungen, die wir selber als sinnhaft betrachten.
Der klare Weg zur Signatur ist daher wichtig: der Entwicklungsprozess muss begründet werden, er muss die Betroffenen einbinden und er muss zeitlich begrenzt sein, damit am Ende nicht alle wahnsinnig werden.
Die Revision von Signaturen ist am Ende immer auch eine Revision der persönlichen Verortung: Wo stehe ich? Wie passe ich hier rein? Welche Bedeutung habe ich? Oder ganz allgemein: Was mache ich hier?
Wenn wir am Ende des Tages gute Antworten auf die Fragen finden, hat etwas so scheinbar unbedeutendes wie die Signatur, etwas sehr Wichtiges hervorgebracht: Verständnis für die eigene Arbeit im Kontext der Organisation.
• • •
Missing some Tweet in this thread? You can try to
force a refresh
. Ich lese gerade dt Curricula des GU, die ja einen guten Blick darauf geben, was es da so für Zielvorstellungen gibt. Hierzu mein Thread.
Vorweg einen kurzen Verweis auf einen Text von Andreas Körber, der mich überhaupt dazu gebracht hat mir die Curricula anzuschauen: pedocs.de/volltexte/2012…. Hier schaut er sich die Curricula von Hamburg und Niedersachsen an.
Nun ist ja bald/bereits Schulanfang & ich lese Texte, die aufrechnen wie viele Monate die Kinder lerntechnisch bereits hinterherhinken. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir aufhören über "die Kinder" zu sprechen und mal die Diversität der Betroffenen in den Blick nehmen. 1/x
Von der aktuellen Lage sind nicht "die Kinder" betroffen, sondern bestimmte Kinder, die unter aktuellen Bedingungen ERHEBLICH schlechter lernen können als andere: Kinder aus Familien, bei denen die Eltern lerntechnisch nicht unterstützen können und Kinder ohne Hardware für HS 2/x
Das sind in der Regel diejenigen, die ohnehin schon erhöhten Förderbedarf haben. Wenn die jetzt nicht gesondert behandelt werden, wird die Leistungsschere noch größer, also sie ohnehin bereits ist. 3/x
Der Artikel ist von Elisabeth Heinemann und @janinefunke und wirft einen sehr optimistischen Blick auf die Erfahrungen mit Corona, denn im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Unis die Digiralisierung der Lehre gewuppt haben.
Der Artikel attestiert der klassischen Hochschullehre bereits vor #COVID19 ein Auslaufmodell gewesen zu sein, wobei sich das im Artikel mE vor allem auf rein oder vornehmlich einseitige Formate bezieht.
Habe in den letzten Wochen mit Lehrenden und Personen aus dem Wissenschaftsmanagement unterschiedlicher Unis über ein weiteres #Onlinesemester gesprochen. Kein repräsentative Umfrage, aber ein paar sehr einhellige Meinungen. Thread 👇
Erstmal die schlechten Nachrichten: das #Onlinesemester hat Kapazitäten gefressen - bei Lehrenden, Studierenden und im Management. Ist für mich schwer zu sagen, wer krasser betroffen war - wir wurden unterschiedlich getroffen. Meine Tendenz ist: die Studis traf es am Heftigsten.
Das liegt vor allem an der wirtschaftlichen Lage. Für viele Studierende die jobben ist von einem Tag auf den anderen ohne Aussicht auf Perspektive die Finanzierung weggefallen. Hinzu kommt, dass Kurse teilweise stark unterschiedlich aufgebaut wurden. Flexibilität an allen Enden.
Nochmal als Überlegung aus meinem gestrigen Thread: was wäre, wenn die Produktion von Frontalkursen massiv ausgebaut würde. Gäbe es Bestrebungen weniger Dozent*innen zu beschäftigen? Bestimmt. Aber es wäre grundfalsch. Was sich ändert, ist das Tätigkeitsprofil nicht die workload.
Folgendes Szenario: Das Land Niedersachsen entschließt sich an allen Universitäten Online-BWL-Kurse anzubieten. Der Kurs "Mikroökonomik I" wird 15x produziert. Nun kommt das Bildungsministerium auf die Idee, dass hier vieles doppelt ist und 5 Produktionen auch genügen.
Wenn man die Umsetzung mal außen vor lässt, stellt sich die Frage, wie man sinnvoll mit der Frage der Redundanz umgeht - denn auch wenn sich die Kurse in Duktus und Inhalt unterscheiden gibt es natürlich Redundanz.
Die Aufzeichnung von Kursen wird von einigen Lehrkräften gefürchtet. Das Bedenken: Unileitungen könnten aufgezeichnete Kurse zur Kürzung von Mitteln einsetzen. Nicht ganz unberechtigt, aber rückwärts gedacht. Ein kleiner Thread #Digitalisierung
Das Horrorszenario in Kürze: die "Einführung in die spanische Sprachwissenschaft" wird 1x aufgezeichnet - danach ist das Lehrdeputat überflüssig, Stunden werden gekürzt. Möglich, dass Hochschulleitungen so denken, aber es wäre gleichzeitig auch sehr, sehr dumm. Here´s why:
Zunächst mal müssten sich Universitäten eingestehen, dass Frontalkurse schon immer redundant gewesen sind - es gibt bestimmt einige, auf die das zutrifft, aber sicher auch viele, bei denen das eben nicht der Fall ist.