Heute mal ein längerer Thread zu BEGUTACHTUNGEN, am Bsp. DFG-Antrag – einem zugegeben kleinen Seitenaspekt von #IchbinHanna, der aber schnell zum Kern der Sache führt. (1/13)
Wiss. Mitarbeiter*innen im Mittelbau sollen, in der Idealvorstellung des @BMBF_Bund, zur Finanzierung der eigenen Stelle (!) ab einem bestimmten Punkt Drittmittel einwerben, z.B. bei der DFG. (2/13)
Man soll also einen Antrag von ca. 20 S. einreichen. Der wird unter Qualitätsaspekten begutachtet. Die Mittel fließen im Bewilligungsfall für die Dauer des beantragten Forschungsprojekts, z.B. 3 Jahre, und kommen letztlich aus dem Bundeshaushalt. (3/13)
Nun benötigt die DFG, um über einen Antrag zu entscheiden, fast 1 Jahr – im Forschungsbetrieb eigentlich viel zu lang. Warum nicht schneller? Weil das Zahlenverhältnis Mittelbau/Profs einfach nicht mehr stimmt. (4/13)
Anträge stellen alle, aber als Gutachter werden zu ca. 90% Profs herangezogen. (Bräuchte nicht so sein, hilft aber, die spezif. dt. Fiktion zu aufrechtzuerhalten, es gebe eine 6-jährige Qualifizierungsphase NACH der Promotion, in der man forschen lernt.) (5/13)
Faktisch haben die Profs für Gutachtertätigkeiten aber keine Zeit, winken oft ab, wenn die DFG sie anfragt, oder schieben das Schreiben des Gutachtens endlos vor sich her. Und das ist nur logisch. (6/13)
Denn wenn alle Anträge schreiben, aber nur <20% der Schreibenden auch als Gutachter*innen in Frage kommen, und dabei dann >70% der Anträge abgelehnt werden (was oft einen geänderten Folgeantrag nach sich zieht), dann sind es eben zu viele Anträge pro mögl. Gutachter*in. (7/13)
Denn selbstredend sind die wenigen Profs, die wir haben, aufgrund ihrer relativen Seltenheit ohnehin schon überlastet durch all die Funktionen im Wissenschaftsbetrieb, die nur sie ausfüllen können – oder dürfen. (8/13)
Abhilfe schaffen ginge so: 1. Durch Änderung des #WissZeitVG erfahrene Forscher*innen im System halten, die als Gutachter*innen in Frage kommen. (9/13)
2. DFG-Budget reduzieren. Und von dem eingesparten Geld, 3., neue Tenure Track (TT)-Professuren schaffen. – Die Zusatzkosten dieses Vorschlags wären: Null. Gemacht wird es trotzdem nicht. Stattdessen nimmt das @BMBF_Bund *zusätzliches* Geld in die Hand, … (10/13)
… schafft damit 1.000 TT-Professuren (was hinten und vorne nicht reicht; es bräuchte viele zehntausende, wenn nicht noch mehr), prahlt damit, als hätte es ein Problem gelöst, und schiebt im Übrigen alle Verantwortung auf Länder und Hochschulen (ausgerechnet!). (11/13)
Nun sind Begutachtungen nur ein winziger Ausschnitt der Hanna-Gesamtsituation. Aber egal welchen Ausschnitt man betrachtet, die Schlussfolgerung ist m.E. immer dieselbe: (12/13)
Wir brauchen ein @BMBF_Bund, das sich dafür interessiert, wie das schon im System befindliche Geld sinnvoller ausgegeben werden kann. Erst dann kann es allmählich besser werden für #IchbinHanna
Quelle für die 90%: S. 1 in dfg.de/download/pdf/d… (recht alt, lasse mich gerne über etwaige Besserungen belehren)
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