heute soll es zunächst darum gehen, wie teils drastische Bestandseinbrüche bei #Insekten mit #Lichtverschmutzung zusammenhängen. Ein klein wenig werde ich auch auf andere Organismen eingehen.
Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt hier ist mein langer 🧵zum #Insektensterben
TL;DR: es ist komplex, nicht alle Studien finden Rückgänge. Angesichts unserer riesigen Wissenslücken zum Thema #Insekten sollte uns das aber auf keinen Fall beruhigen
Im Allgemeinen werden die gemessenen starken Rückgänge bei der (Flug)insekten-Biomasse & den Individuenzahlen hier bei uns in DE vor allem mit 2 Faktoren in Zusammenhang gebracht: Landnutzungsänderung (zB wenn aus 🌳🌲 & 🌿🌼 🏬🏢🏡werden) & Intensiverung der Landwirtschaft
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Das ist sicherlich für viele Arten und Insektengruppen richtig, die nachgewiesenen Belastung durch Pestizide und Überdüngung ist teilweise erschreckend hoch, siehe Artikel von @lingenhoehl in @spektrum über eine aktuelle Nachfolgestudie der Krefelder
Intensive Landwirtschaft & Flächenverbrauch sind also ohne Zweifel wichtig um Rückgänge bei Diversität & Biomasse von #Insekten (und anderen Organismen) zu erklären. Diese 2 Faktoren machen aber eben auch nur einen Teil der Story aus
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... oder wie es Wagner und Kolleg*innen 2021 in @PNASNews formuliert haben: Insekten sterben den "Tod durch 1000 Schnitte" pnas.org/doi/10.1073/pn… ($)
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@PNASNews ein Faktor der für Rückgänge einzelner heimischer Insektenarten wichtiger sein kann als Pestizide & Habitatverlust: eingeschleppte Arten wie der Asiatische Marienkäfer. Der verdrängt zum Teil die verwandten einheimischen Arten, siehe Artikel @tonline
da wird's wieder komplex: in den Tropen etwa mit ihrem bisher relativ stabilen Klima kann #Klimawandel in einzelnen Ökosystemen der Hauptfaktor für #Insektensterben sein, siehe die bereits erwähnte Studie von Lister & Garcia
In Mittel- und Nordeuropa hingegen haben wir bei vielen #Insekten|arten den Effekt dass der #Klimawandel ihnen dabei hilft nach der letzten Eiszeit zurückzukommen in Gebiete wo sie während der letzten Warmzeit vor ~120k Jahren schon heimisch waren
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Auch das wurde gestern im 🧵 schon erwähnt, Beispiel Breitenbachstudie in Hessen 👇
Es gilt also wieder: es ist kompliziert. Zunahme an Artenvielfalt ist ja eigtl was Gutes, kann bei gleichzeitiger Abnahme der Biomassen durchaus negative Effekte im Ökosystem haben, beispielsweise wenn Nahrung für Vögel und Amphibien fehlt
@adrianbliss Zunächst: #Lichtverschmutzung bedeutet für viele Tiere dass während wichtiger Aktivitäten wie der Nahrungssuche oder Wanderungen die Orientierung erschwert & gleichzeitig versch Risiken, zB durch Fressfeinde, erhöht werden. Nicht alle leben gerne mit dem höheren Risiko
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Forscher aus Südafrika haben 2014 gezeigt, dass sich die Zusammenstellung der Nahrung bei bestimmten 🦇🦇 stark verändert, wenn künstliches Licht im Spiel ist. Es werden dann mehr Nachtfalter gefressen die in der Dunkelheit vor den 🦇🦇 geschützt sind
#Lichtverschmutzung greift also in die Orientierung und das Verhalten verschiedener Insekten ein und verändert es. Ein paar dieser Arten bzw Insektengruppen, die man als gut untersuchte Lichtverschmutzungs-Modellorganismen nennen kann, zähle ich im Folgenden auf:
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Eine wichtige Gruppe lichtempfindlicher #insekten sind bspw die Leuchtkäfer oder auch "Glühwürmchen" (Familie Lampyridae). Bei ihnen ist vor allem die Partnerfindung erschwert, wenn es durch #Lichtverschmutzung zu hell ist
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@silent_sparks forscht zu Leuchtkäfern an der Tufts University in den USA. 2021 hat ihre Gruppe einen Übersichtsartikel zu Ökotourismus mit Schwerpunkt Leuchtkäfer veröffentlicht. Hier eine kurze Zusammenfassung bei @spektrum
@silent_sparks@spektrum Eine andere Gruppe von #Insekten die auch besonders anfällig für #Lichtverschmutzung ist sind Eintagsfliegen. Die leben monate- oder teilw sogar jahrelang als aquatische Larven. Den Adulttieren bleiben dann nur wenige Tage zur Partnersuche & Eiablage
In der kurzen Zeit haben die Tiere 2 Probleme: Zuerst stört künstliches Licht den Partner zu finden. Dann verwechseln die Weibchen beleuchtete glatte Asfaltflächen mit Wasser so dass die Eier am falschen Platz abgelegt werden (Studie von Szaz et al)
Eine weitere Gruppe gut untersuchter #Lichtverschmutzungs-Modellorganismen sind Dungkäfer. Bei diesen gibt es Arten die sich an der Milchstrasse orientieren können wie ein Team um Marie Dacke 2013 herausfand
@CurrentBiology Als letztes Beispiel für eine Gruppe von #insekten die von #Lichtverschmutzung betroffen sind möchte ich die Arbeit der Gruppe von @evaknop hervorheben. Eva beschäftigt sich schon lange mit den Effekten von künstlichem Licht auf nächtliche Bestäuber
@CurrentBiology@evaknop (Bestäuber sind hierbei eine so genannte funktionelle Gruppe, im Sinne ihrer Funktion im Ökosystem und nicht eine Verwandschaftsgruppe wie Art, Familie oder Ordnung, aber das nur nebenbei de.wikipedia.org/wiki/Taxonomie…)
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In einer ganz aktuellen Arbeit haben Eva und ihr Team auch zeigen können, dass künstliches Licht in der Nacht sogar die Bestäubungsleistung der #insekten am Tag reduzieren kann.
Ich hoffe ich konnte einen kleinen (& interessanten) Einblick geben zu dem was schon über die Auswirkungen von #lichtverschmutzung auf #Insekten bekannt ist
In einem letzten 🧵 (ab heute Abend oder evtl Morgen) wird zum Abschluss noch unser Projekt @AubeNews vorgestellt
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Hier jetzt also der angekündigte 🧵 zum #Insektensterben. Es wird lang & komplex, das schon mal als Disclaimer. Vermutlich wird der Thread auch erst morgen fertig.
Was man schon sagen kann: das Nichtstun der Regierung, das @DIEZEIT 2017 prominent angeprangert hat, ist vorbei
Ich möchte zum Beginn auch klarstellen: das #Insektensterben hängt mit #Lichtverschmutzung und somit auch dem thematischen Anlass #DarkSkyWeek zwar zusammen, aber es wird in diesem 🧵kaum Thema sein. (🧵zum Zusammenhang kommt später
Wichtig für die Einordnung der Diskussionen rund um's #Insektensterben: Auch wenn erst der viel zitierte Artikel des Entomologischen Vereins Krefeld (10/2017 in @PLOSONE veröffentlicht) dem Thema in DE eine breite Öffentlichkeit verschafft hat wurde schon vorher dazu geforscht
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Habt ihr schon mal in den Nachthimmel geschaut & dabei gemerkt dass man dort wo wenig künstliches Licht (z.B. Strassenlaternen) vorkommt viel mehr Himmelskörper wahrnehmen kann als mitten in einer beleuchteten Stadt?
Tatsächlich war #Lichtverschmutzung schon ab der einsetzenden Industrialisierung und der später fortschreitenden Elektrifizierung ein schon lange bekanntes Problem vor allem in der Astronomie (siehe bspw Artikel aus @ScienceMagazine von 1973 jstor.org/stable/1735054)
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Wissenschaftler und Hobbyastronomen haben daher 1988 die 'International Dark-Sky Association' @IDADarkSky gegründet um die Aufmerksamkeit für das Problem #Lichtverschmutzung zu steigern und Maßnahmen zum Schutz des Nachthimmels zu ergreifen.
In meiner Doktorarbeit habe ich die Biosynthese und Sekretion von Abwehrstoffen in Sonnenblumen untersucht & ihren Nutzen für den Pflanzenschutz evaluiert.🌻Auf dem Bild seht ihr das Blatt einer 5 Wochen alten Sonnenblume unter UV-Licht. Woher kommt das schöne Leuchten?✨1/9
Auf dem Blatt wurden Wassertropfen (je 0.05 mL) verteilt. Nur in den Tropfen auf der rechten Seite sind Pilzporen des Erregers "Phakopsora pachyrhizi" enthalten. Die Sonnenblume reagiert schon nach 6 bis 12 Stunden nach Behandlung mit der Produktion fluoreszierender Stoffe! 2/9
Es ist eindeutig, dass die Pflanze diese Phytochemikalien als Reaktion auf den Pilz an die Oberfläche schafft. Durch Analyse des Tröpfchen-Inhalts kam ich schnell auf ihre Identität: Es waren zwei verschiedene Cumarine, die bekannt für ihre antimikrobielle Wirkung sind.⚔️ 3/9
Wozu braucht es Pflanzenschutz?🌽Es ist wichtig, dass wir gerade in turbulenten Zeiten & angesichts der klimatischen Veränderungen unsere Versorgung sicherstellen. Aber wie kann Landwirtschaft produktiv, vielfältig, krisensicher & umweltverträglich zugleich sein? Let's see. 1/10
Wir haben gestern besprochen, dass Züchtung und Wahl der richtigen Sorte (≠ Art😋) die Grundlage für eine robuste Pflanzenproduktion ist. Außerdem sind Standort, Boden und Nützlingsförderung unfassbar wichtig in der "Prophylaxe" einer wachsenden Pflanze. 2/10
Aber was, wenn das nicht ausreicht? Immer häufiger sehen wir (durch Umweltbedingungen und Anbausysteme begünstigte) Ausbrüche von Krankheiten auf unseren Feldern. Und wenn die Inzidenz auf dem Acker steigt, können unsere Pflanzen leider kein "social distancing" betreiben. 3/10