#SozialeAnsteckung
Chuang
Soziale Ansteckung
und anderes Material zum mikrobiologischen Klassenkampf in China
Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von WRKSHP, 2021/2022
Wir kolportieren sicherlich eine Binsenwahrheit die
besagt, dass die Produktionsweise (zumeist, jedoch nicht ausschließlich, seine herrschende Klasse) ihre eigenen Staaten erschafft. Aber sie erschafft sie nicht nach Belieben. Stattdessen, erzeugt sie diese unter gegebenen Bedingungen, die aus der Vergangenheit
herrühren, mit einem Material, das aus den Kontingenzen der Kultur und Geographie geborgen wurde. Dieses Material wird in einem bereits vorhandenen intellektuellen Kontext zusammengesetzt, durch den sie für jene, ausgestattet mit der Macht,
weitreichende Veränderungen in der Governance* vorzunehmen, verfügbar gemacht werden.[9] Heutzutage ist der intellektuelle Kontext global, jedoch nicht homogen. Ebenso war die Globalisierung europäischer Handlungsweisen des Staatswesens – und
der durch kapitalistische Imperative in ihrer Entwicklung ausgeübte <europäische> Einfluss – ein zufälliges Ergebnis gewesen, die Imperialismus und Kolonialisierung anstießen, keine logische Notwendigkeit. Die unterschiedlichen materiellen
Herausforderungen für den Kapitalismus und eine zu unterscheidende intellektuelle Genealogie <Ideengeschichte>, aus der geschlussfolgert werden muss, vorausgesetzt, gibt es allen Grund zu erwarten, dass der Staat der zur Zeit in China erbaut wird, in
bestimmter Hinsicht, ohne Vorbild sein wird, sogar während seine fundamentalen Funktionen die selben bleiben.
Im Folgenden nun beginnen wir, mit der Erforschung Feinheiten der Staatsbildung, die von der plötzlichen Katastrophe erhellt worden sind: Wie die Partei ihre Macht-Organe vor Ort mobilisiert als Reaktion auf die Pandemie und wie diese Mobilsisierung selbst
mangelhaft war und ein durchgängiges Unvermögen demonstrierte, das allein durch die Beteiligung von millionen Freiwilliger übewunden werden konnte. All diese Mechanismen – die in einer Serie von Original-
Interviews, in unseren eigenen persönlichen Erfahrungen und durch untergeordnete Darstellungen der Quarantäne ermittelt wurden - erzeugen die wirkliche Entfaltung der Macht seitens des Staates.[10]
[9] Von hier an ist der Prozess ein experimenteller und evolutionärer: Reformen der Governance werden in bestimmten Arealen vorab durchgeführt (oftmals entwickelt als provisorische Reaktion auf irgendwelche lokalen Probleme) und nur dann woanders ausgeweitet,
falls und sobald sie sich als funktional erweisen, die grundlegenden Bedingungen der Akkumulation zu erhalten oder für die Überwindung von Grenzen des stetigen Wachstums. Sogar dann gibt es keine Garantie dafür, dass eine jegliche Umstellung irgendwo anders so
übernommen wird, da die Auswahl aus einer Vielzahl ähnlich adäquater Optionen dabei von zahlreichen Kontingenzen abhängig ist.
[10] Das in Interviews und in persönlichen Erfahrungen gesammelte primäre Material ist zumeist städtisch, obgleich es durch zweitrangige Informationen über ländliche Gebiete ergänzt wurde. Es umfasst Erfahrungen, die in Wuhan selbst gemacht wurden und in verschiedenen anderen
wichtigen Städten Chinas (alle groß und zumeist küstennah) und enthält grob eine gleichmäßige Repräsentation chinesischer und ausländischer Befragter – mit einer disproportionalen Anzahl aus Wuhan. Das bedeutet, dass jeglicher Bias der
Bevölkerungsstichprobe unsere grundlegende These, dass die Krisenreaktion willkürlich war und das tief liegende Unvermögen seitens des Staates zum Vorschein brachte, in ihr Gegenteil verzerren wird: Eine Eindämmung wurde am gründlichsten in Wuhan und
Beijing durchgeführt, strikter in Großstädten und am strengsten gegenüber Ausländern und Bewohnern Wuhans. Wären mehr Befragte aus ländlichen Gebieten und kleinen Städten inkludiert worden, wären die
Inkonsistenzen und die Ineffektivität der Maßnahmen wahrscheinlich noch stärker betont worden.
* Anm.d.Ü.: Der Begriff der Governance wird von Chuang selbst später noch ausdifferenziert (s. S. 126) und von dem Begriff der Regierung unterschieden. Wir übernehmen ihn als im deutschen Diskurs eingeführt – mit der allgemeinen Konnotation der Führung und
Steuerung, nicht gleichbedeutend mit der Exekutive, d.h. bereits eine Richtungsvorgabe des Regierungshandelns beinhaltend, die auch Kräfte, die nicht administrativ sind – sog. "gesellschaftliche Gruppen" – impliziert. Weitere Implikationen wie der
Rückzug des Staates aus seinen sozialstaatlichen Aufgaben und die Thesen für einen "Community Kapitalismus" können wir hier nicht besprechen.
Hashtag #Rojava und kurzkommentierte/s links/Material:
Ausschnitt aus der Graphic Novel _Their Blood Got Mixed: Revolutionary Rojava and the War on ISIS_ (Abb.) mit der Erwähnung von Bookchin, pmpress.org/index.php?l=pr…;
The picture shows the "lumbung" project mission statement with art as ecosystem. This "ecological system" of aesthetics seems to have borders, a framing which selects, which divides, marks "good states" and "bad states", good capitalism versus bad capitalism. The official state
of Indonesia must have been integrating a dutch power technique - anti-Semitism and the figure of the outcast, some "anti-Chinesism" - into its state craft in a post-colonial period. Another argument dealing with the concept of the "global south" as an inhomogeneous construct.
Notiz: Schormann, der Posten der Generaldirektrorin der #Documenta hatte oder hat eine Funtkion der Meta-Kuratorin. Der Charakter der Ausstellung, in Projektionen dem situierten Publikum eine politisierte Ästhetik zu vermitteln, mit dem Effekt der Schwächung
wirklicher politischer Bewegungen wird sich nicht ändern. Denn die politisierte Kunst (Ästhetik = ästhetische Produktion in Theorie und Praxis) hat ihr grundlegendes Format der "Ausstellung", das Exponieren und das symbolische Handeln, das
Spektakel, an die These des globalen Südens gekoppelt, einen Topos, der inhomogen die ex- und neo-kolonialisierten Länder umfasst. Welches _Politische_ (als Begriff des "Agens" poltisch Handelnder in den etablierten und doch exploitierten Szenen 1. der Kämpfe
Wie sich die Kapitalseite die Ökonomie denkt: Als Einheit für die Profitlogik, als Getrenntes für die Profitlogik. Ähnlich den Säulen Rudolf Steiners (Geistesleben, Rechtsleben, Wirtschaftsleben) ist jedes Subjekt für sich privater Haushälter, _in Wirklichkeit Verkäufer
seiner Arbeitskraft für "die Wirtschaft_, und nur in der Wirtschaft, wenn er nicht privat ist, also lohnarbeitet. Diese Aufteilung in Konsument und Produktion kann die reale Relation von Reproduktion und Reproduktion nicht erfassen, muss beide gegeneinanderstellen. Produktion
produziert Ware, und vom Lohn kaufen "Privathaushalte" diese Ware für die Reproduktion ihrer _Kraft zu arbeiten_. Die PR-Abteilung der Seite Kapital stellt beide wie gleichwertige Budgets dar.
"Volk" und "Mitte", bei Aly ein Defizit-Komplex? Oder Kategorien, die den Verlust von "Mitte"
...Mitte...
im "Volk" mit sich selbst rückbindend logisieren? Das wäre dann Tautologie, etwas, das aus sich selbt heraus erklärt wird, d.h. ohne Differenz und Prämisse, die schon bestätigt wäre durch sich selbst. "Der Untergang des Abendlandes" Oswald Spenglers und dessen Kulturen,