#Twitterbeobachtung

Prof. @mikrowie reflektiert, dass (ich verkürze) Schulen hätten offen bleiben können...
...wenn... und weil... Vorschläge unterbreitet waren, wie das in der Pandemie hätte umgesetzt werden können.
1/
"Das RKI habe immer Empfehlungen abgegeben, mit denen man den Betrieb in Schulen und Kitas hätte laufen lassen können, wenn auch unter Anstrengung."
2/

presseportal.de/pm/9377/5425358
Die Twitterlautstarken (Initiativen, User, Medien, Politik) lesen genau bis "hätten offen bleiben können" und hauen in die Tasten: "wir (vom moderaten Maßnahmenkritiker bis zum Hardcoreschwurbler) hatten Recht."

Für genaueres Lesen/Zuhören/Reflektieren und Zurückblättern
2/
reichen weder Frustrationstoleranz noch Lese- und Vernetzungskompetenz.

Schauen wir mal...

@mikrowie empfahl immer wieder Infektionsschutzmaßnahmen (Maskenpflicht, Teststrategie etc.) für Kitas/Schulen. Er sprach sich für die Impfung aus, sobald sie für Kinder verfügbar
3/
war. Grob zusammengefasst hätte es mit diesen (und den immer wieder an die Lage angepassten) Anstrengungen gelingen können, die Schulen deutlich länger offen zu halten (retrospektiv!). @mikrowie beklagte sicher IMMER WIEDER, das die Empfehlungen des @rki_de für Kita/Schule
4/
NICHT umgesetzt würden, um sie infektionsarm UND offen zu halten ⬇️
5/

spiegel.de/panorama/bildu…
Conclusio: die Kitas/Schulen in dieser Pandemie in den versch. Phasen so lange wie möglich offen zu halten, war an sachliche Bedingungen geknüpft, die Kinder & Jugendliche schützen, das Infektionsgeschehen in Kita/Schule gering halten & für eine zügige Impfung sorgen sollten.
6/
So hat @mikrowie Recht, wenn er sagt, Kitas und Schulen hätten offen gehalten werden können... WENN...!

Das ist keine neue Erkenntnis, sondern war den größten Teil der Pandemie zentraler Diskussionsgegenstand, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass wir zum Zeitpunkt
7/
der Diskussion nicht sicher wissen konnten, ob das gelingt. Die Verfechter nahmen es an. Man hat es aber politisch/gesellschaftlich nicht gemacht. Jetzt wissen wir es (aus der Pandmie gelernt), die Beurteilung erfolgt naturgemäß retrospektiv.
8/
Exkurs 1:
Ab 2020 bildeten sich verschiedene Initiativen, die sich - auch angelehnt an das @rki_de und weitere Fachleute - für Infektionsschutzmaßnahmen an Kitas/Schulen stark machten, Begleitkonzepte vorlegten, Petitionen schrieben, für flexible Teilhabemöglichkeiten von
9/
#Schattenfamilien plädierten, Politiker kontaktierten, Medien informierten, in politischen Ausschüssen vortrugen, für Lufthygiene kämpften, Impfkampagnen anregten...
...um Schulen infektionsarm UND offen zu halten.
10/
Stellungnahmen hochrangiger und beachteter Gremien und Fachleute (u.a. der Expertenrat der Bundesregierung)
thematisierten den unzureichenden Infektionsschutz und die Auswirkungen auf Kitas und Schulen.

Exemplarisch zur Erinnerung ⬇️
11/

lw.uni-leipzig.de/wilhelm-wundt-…
Auch hier: Fassungslosigkeit auf allen Ebenen, dass diese Vorschläge von gar nicht bis unzureichend und sehr zögerlich (und damit die Chance auf max. Effekt vertan) umgesetzt wurden.
12/
Exkurs 2:
Ebenfalls sehr bald nach Ausbruch der Pandemie bildeten sich Initiativen, die sich in Ministerbüros und große Redaktionen immer wieder Zutritt verschafften, Klagen anstrengten, Politiker auf Parkplätzen abfingen, um sich instagram-wirksam als scheinbaren Gesprächs-
13/
partner der Politik zu inszenieren, Demonstrationen organisierten (tw. im Zusammenschluss mit politisch bedenklichen Gruppen), um für bedingungslos offene Schulen ohne irgendwelche NPIs und gegen die Impfung für Kinder zu streiten. Kitas und Schulen sollten OHNE Infektions-
14/
schutzmaßnahmen offen sein als gäbe es keine Pandemie.

Das ist nicht das, mit dem man angesichts @mikrowie s Reflexion mit Blick zurück nun "Recht hat(te)". 🤷
15/
Exkurs 3:
Coronaleugner, VT, Reichsbürger...
(Ich erspare meinen Lesern die inhaltliche Ausgestaltung.)

Auch diese können wohl schwerlich für sich in Anspruch nehmen, "Recht" im Sinne @mikrowie s Argumentation gehabt zu haben 🤷
16/
Prof. @mikrowie s Reflexionen überraschen nicht. Sie sind stimmig mit einer kontinuierlich am Pandemieverlauf (der durch politische/gesellsch. Reaktionsweisen beeinflusst wird, die abhängig von Erkenntnissen der Forschung und aufgrund der neuen Situation als Szenarien
17/
diskutierten Verlaufsmöglichkeiten sind) orientierten unbeirrten Politikberatung.

Der laute Aufschrei "wir hatten Recht", der impliziert, dass jemand anderes (Wieler? Merkel? Spahn? Drosten? "die Politik", "die Wissenschaft"? Lauterbach?...) Unrecht hatte und nun seine
18/
Fehleinschätzung revidieren würde, greift nicht, da der zweite Teil, die Bedingungen für das Offenhalten negiert werden. Damals wie heute.

Recht hat(te) in diesem Fall einer: Prof. Wieler. Damals (schützt die Schulen, damit sie offen bleiben können) wie heute (wir hätten die
19/
Schulen offen halten können, wenn wir sie geschützt hätten).

Die politischen Entscheider wählten einen anderen Weg, über den sie bislang nur unzureichend & den Kern ignorierend reflektiert haben.

Wir sollten in Zukunft besser sein und Kitas/Schulen pandemiesicher denken.
20/20
Nachsatz aus aktuellem Anlass:

@mikrowie hat natürlich auch den Effekt von "Schulschließungen" (als Maßnahme der Kontaktreduzierung für viele Menschen) hinsichtlich der Infektionsausbreitung dargestellt. Sie sind ein Mittel zur Eindämmung.

Die Frage ist, ob man dieses
21/
Mittel gebraucht hat oder andere NPIs in Kitas/Schulen gereicht hätten (u.a. das sind die Anstrengungen, von denen er sprach).

Wenn man anderen Mittel nicht wollte, brauchte man es halt. Zudem brauchte man es auch zu einem Zeitpunkt, zu dem man nicht nur keine anderen Mittel
22/
wollte, sondern schlicht keine anderen HATTE.

Kontext ist nicht Jedermanns Sache, wenn es doch nur um pers. Diskreditierung geht (die Rache im Kampf um die Deutungshoheit).
23/23

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Jan 16
Wie schützt man zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie einen dementen hochvulnerablen Bewohner eines Pflegeheimes?

Man macht vorher einen Bürgertest und trägt eine Maske. Alle, auch Kinder. Im besten Fall sind alle geimpft. Man hat nicht das kleinste Symptom. Keiner.
1/
Der Bewohner trägt übrigens keine Maske. WIR schützen IHN, er kann das mit der #Eigenverantwortung nicht mehr so richtig...

...und dann liest man
2/
auf Twitter Leute, die Maske und Tests usw. jetzt dann auch in Heimen/KH/Arztpraxen etc. abschaffen wollen. So schnell wie möglich, damit sie selbst (!) nie und nirgendwo mehr an die Pandemie oder das Virus gemahnt werden. Und faseln was von Eigenverantwortung.

Und wenn er
3/
Read 4 tweets
Jan 10
Twitter-Beobachtung:
Offensichtlich gehen viele davon aus, dass es kaum noch SARS-COV2 Nicht-Infizierte gibt (mit entsprechendem Hintergrund, gegen Maßnahmen zu sein und/oder Vorsichtige - im besten Fall nur- auszulachen).
Wie kommt man zu dieser "Meinung"?

Und - machen wir
1/
das bei anderen Viren auch so? Wer nicht infiziert ist/sich nicht infizieren möchte, wird dem Spott preisgegeben?

Lachen wir die aus, die in einem heftigen Erkältungswinter, einer schweren Influenzawelle NICHT flach liegen (sondern die Arbeit auffangen)?
Lachen wir die aus,
2/
die einen Besuch absagen, weil sie sich eine schwere Erkältung NICHT leisten können?
Lachen wir die aus, die sich nach dem Klo die Hände waschen, weil sie NICHT ein süßes kleines Norovirus mit nach Hause nehmen wollen?

Machen wir uns lustig über die vielen Flyer, Sendungen,
3/
Read 5 tweets
Dec 30, 2022
Eine Frage, die mir leider seit drei Jahren von Verfechtern der "focused protection" oder GBD oder ähnlicher "Konzepte" des Pandemiemanagements unbeantwortet geblieben ist:

Wie hätten die vulnerablen Personen "geschützt" werden können, die NICHT in Heimen leben?
1/
Also die 96% der über 65-Jährigen, die in ihrem eigenen Zuhause leben, in Familien, Partnerschaft oder allein, die einkaufen gehen, mit der Bahn fahren, zum Arzt müssen.
Also die, die aufgrund ihres Alters (+ ggf. Vorerkrankungen) als Risikopatienten im Sinne der STIKO gelten.
2/
Also die, die häusliche Pflege in Anspruch nehmen dürfen/müssen, von Angehörigen (meist jünger, im Arbeitsleben und mit Kindern) oder von Pflegediensten.
3/

destatis.de/DE/Presse/Pres….
Read 11 tweets
Dec 29, 2022
As expected, weil man guten Gewissens davon ausgehen kann, dass der größte Teil der Bevölkerung die Pandemie seit 3 J. durchaus verstanden hat und die Hybris der lauten wenigen "wir-sind-aber-die-meisten-und-wollen-sofort-alle-Maßnahmen-abschaffen"
1/

zeit.de/politik/deutsc…
durch einfache Befragungen entlarvt ist. Sehr erfreulich.

Interessant ⬇️
Maskenpflicht ÖPNV
👉 52% GEGEN sofortiges Ende der Maskenpflicht im ÖPNV, 41% dafür
👉 27% FÜR Auslaufen der Maskenpflicht im ÖPNV erst im Laufe 2023
👉 25% FÜR Maskenpflicht im ÖPNV für ganz 2023
2/
Isolationspflicht
👉 60% GEGEN sofortiges Ende der Isolationspflicht, 32% dafür
👉 29% FÜR Auslaufen der Isolationspflicht im Laufe 2023
👉 31% FÜR Beibehaltung der Isolationspflicht mind. bis Ende 2023
3/
Read 7 tweets
Nov 26, 2022
@alena_buyx @ethikrat Liebe Frau @alena_buyx und alle Mitglieder des @ethikrat ,sehr begrüßenswert. 👍
Ich bitte allerdings darum, mit dem Begriff "vulnerabel* nicht inflationär umzugehen, sondern ihn dort zu lassen, wo er hingehört: zu den vorerkrankten, chronisch erkrankten und behinderten
1/
@alena_buyx @ethikrat Kindern und ihren Familien #Schattenfamilien und den Familien, in denen Sorgeberechtigten vulnerabel sind. Diese Familien sind in der Pandemie übersehen, die Kinder ignoriert, die Bedarfe unberücksichtigt.

Nur sehr wenige Politiker:innen oder Personen des öffentl. Lebens
2/
@alena_buyx @ethikrat haben diese Gruppe im Fokus. Dafür gebührt Dank @GoeringEckardt , @ninastahr , @beerenstark , @martinhabersaat und (wenigen) anderen mehr.

Ist das nicht für einen @ethikrat ein wichtiges Thema? Wo, wenn nicht dort, müsste diesen Familien (endlich) die notwendige
3/
Read 19 tweets
Nov 26, 2022
Schöne Ausführungen zu Maske in Öffis. Danke, @CzypionkaThomas auch für die realistische (!) Erwähnung "Vulnerabler", das ist selten.

Spannend: wenn in Öster. gesagt wird, keiner sonst hat mehr Maske in Öffis... und in D haben wir das gleiche Argument des "Sonderwegs"...
1/
Mhhh... " in meiner Klasse muss niemand um 8 ins Bett, alle, ALLE anderen dürfen bis Mitternacht am Handy spielen, nur ich nicht, dieser "familiäre Sonderweg" 🥳..."

Wieso machen erwachsene Menschen das? 🤔

Eine Ergänzung für D, ich weiß nicht, ob ihr das "Argument" auch
2/
habt: in Öffis steckt man sich nicht an, weil ja dauernd die Tür auf und zu geht und gelüftet ist (in eigenen Worten wiedergegeben).
Stelle ich mir besonders effektiv auf diesen Plätzen hier ⬇️ vor

Ich verstehe dieses krampfhafte "auf-2019-zurück-wollen" einfach nicht.
3/
Read 5 tweets

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