Sara Schurmann Profile picture
Journalistin, Autorin und Klimajournalismus-Trainerin | Mitgründerin Netzwerk @klimajourno | Erkläre #ClimateEmergency + Lösungen | Kolumnistin @tonline

Sep 10, 2020, 10 tweets

Liebe @ARD_Presse, noch vor einigen Wochen hätte ich die Forderung von @KlimaVor8 selbst zurückgewiesen. Ich konnte die Mahnungen von Aktivist:innen nur bedingt nachvollziehen, es gebe nicht genug Berichterstattung zur #Klimakrise.

Seit den Protesten von #FridaysforFuture bekommt das Thema größere Aufmerksamkeit und viele der Berichte sind gut informiert. Aber im medialen Gesamtbild behandeln wir die Klimakrise weiterhin wie ein Problem unter vielen.

Und genau als das scheint auch Christoph Schmidt, geschäftsführender Redakteur für das #ARD-Vorabendprogramm, die Klimakrise zu betrachten: als Angelegenheit einer "parteiischen Interessensgruppe".

Das ist eine fatale Fehleinschätzung.

Die Klimakrise betrifft uns alle, immer stärker, immer schneller. Dennoch behandeln wir sie nicht wie etwas, das unser weiteres Leben akut bedroht. Wie Berichterstattung dann aussehen kann, haben wir in der #Coronakrise gesehen.

Seitdem mir bewusst ist, wie sehr die globale Erwärmung mein eigenes Leben - und das aller anderen Menschen - in den nächsten 5, 10, 20, 30 Jahren beeinflussen wird und wie akut die klimatische und ökologische Krise bereits ist ...

... - seitdem ist es auch nach klassischen journalistischen Gesichtspunkten eindeutig für mich, dass wir noch immer zu wenig und vor allem nicht greifbar genug über die Krise berichten.

Viele von uns Journalist:innen ist nicht klar, was die #Klimakrise mit unserem eigenen Leben zu tun hat. Und weil wir es uns nicht klar machen, können wir es auch unserem Publikum nicht realistisch aufzeigen.

Länger ausgeführt habe ich das in meinem offenen Brief @uebermedien:

uebermedien.de/52582/journali…

Unterstützt wird er von mehr als 150 Journalist:innen und Menschen aus vielen verschiedenen Ländern, die ganze Liste hier:

medium.com/@mail_30953/jo…

Auch wenn wir Berichte von Kolleg:innen immer wieder kritisch hinterfragen, vertrauen wir grundsätzlich darauf, dass wichtige Themen schon ihren angemessen Platz in unserem pluralistischen Mediensysten finden. Wir können uns nicht vorstellen, dass wir kollektiv etwas übersehen.

Wenn wir unseren Job richtig machen und realistisch über das Ausmaß der Krise berichten würden, müssten #Klimavor8 den ganzen Aufwand gar nicht betreiben. Das ist keine Einmischung in journalistische Arbeit – es weist uns nur auf eine Lücke hin. Eine gewaltige+gefährliche Lücke.

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