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@PBahners @florianklenk
(1) Alle Denkmäler, über die heute gestritten wird und die heute von Demonstranten auch der #BlackLivesMatter Bewegung angegriffen werden, wurden mit einer politischen Intention errichtet. Diejenigen, die sie aufgestellt hatten, wollten damit eine 1/n
bestimmte Erinnerung durchsetzen. Man darf in diesem Zus.hang daran erinnern, dass das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer (#Frauenwahlrecht kam in GB erst 1918, im Deutschen Reich 1919) nicht galt. Für den preuß. Landtag und bspw. auch im Ghzm. #Baden in den Kommunen 2/n
hatten die Stimmen je nach Steuerklasse ein ungleiches Gewicht. Demokratisch waren die Prozesse der Aufstellung also vor 1918 nur sehr selten. Eine demokratisches System darf aber heute frei entscheiden, wie es mit den Überresten (theoret. "Tradition") dieser vergangenen 3/n
#Geschichtspolitik umgehen will und kann zu anderen Schlüssen kommen. Das ist legitim und muss den gesetzlichen Weg einhalten. Also das genaue Gegenteil von "jakobinischem Fanatismus" und totalitärem Vorgehen.
(2) #PublicHistory hingegen, nur kurz klargestellt, 4/n
ist eine Teildisziplin der Geschichtswissenschaft. Sie hier im Kontext eines "permanent tagenden Gesinnungsprüfungsausschuss" abzuwerten, kann so nicht hingenommen werden, das leistet einer weiteren Wiss.feindlichkeit in der Öffentlichkeit Vorschub. Kaum vorstellbar, dass die 5/n
@faznet diese faktenfreien Diskurse befördern will, also lassen Sie diese Diffamierung!
(3) Als Nachhilfe, was "Public History" ist: sie ist die Antwort der #Geschichtswissenschaft auf die öffentlichen Auseinandersetzungen um Geschichte in der Gesellschaft. Sie untersucht 6/n
jede Form von Geschichtsdarstellung und Debatte um Geschichte, die sich an eine breite, nicht vorgebildete Öffentlichkeit richtet. Sie hinterfragt also die Debatten, Diskurse und Geschichtsdarstellung in den Medien. Ihr pauschal eine bestimmte politische Haltung zu 7/n
unterstellen, was ihre Bemerkung tut, das zeugt entweder von Unwissenheit- oder es ist einfach nur schäbig. Jede wiss. Disziplin muss sich das verbitten.
(4) Wie Historiker*innen, Philosoph*innen oder Politolog*innen auch dürfen sich auch die Vertreter der #PublicHistory zu 8/n
Wort melden und ihre Expertise einbringen, wenn ihr Untersuchungsgegenstand gerade verhandelt wird. Unsere wiss. Ergebnisse unterliegen aber den gleichen strengen Kriterien wie die aller anderen Disziplinen auch.
Wer #PublicHistory aber als abwertenden Begriff für 9/n
alle unliebsamen Kritiker einer rückwärtsgewandten #Geschichtspolitik verwendet, verwechselt Disziplin und Politik.
(5) Was die Debatte um #Denkmalsturz aber zusätzlich vergiftet, ist die Unterstellung, dass es den Gegnern eines bestimmten Denkmals um eine #Verdrängung 10/n
von Geschichte ginge oder um eine "absolute Herrschaft über das Vergangene" wie in "totalitären Systemen". Das verkennt außerdem, dass es sich hierbei um einen in einer Demokratie legitimen Protest gegen frühere Herrschaftssymbole und deren bewusste Inszenierung 11/n
im öffentlichen Raum handelt. "Totalitär" ist hier wirklich die falsche Wortwahl.
Aber warum diese scharfe Sprache? Wofür fürchten Sie sich?
Eine komplette Tilgung aller royalen Denkmäler hat bislang niemand gefordert, der nur annähernd ernst zu nehmen wäre. Und ist eine 12/n
lebhafte und öffentliche Debatte um den Stellenwert vergangener #Geschichtspolitik (die außerdem oft nicht demokratisch legitimiert war!) nicht dringend angebracht? Es befördert doch die Auseinandersetzung mit Geschichte, ist also gut für eine offene, demokr. Gesellschaft. 13/13
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