Tendenzen #PKS2021
1. Anzeigen im polizeilichen Hellfeld gehen erneut zurück trotz Höchstand Bevölkerungszahl!
2. Analoge Deliktsbereiche sinken
3. Digitale Deliktsbereiche steigen (teils massiv)
& meine eigenen Hypothesen dazu im #Thread:
1. Wenn es keine großen Legalisierungen gab (bekanntlich nicht)&Anzeigewahrscheinlichkeit gleich bleibt, müsste mehr Bevölkerung auch mehr Fallzahlen in der PKS bedeuten. Jedoch dürfte es keinen Rückgang um fast 1 Mio. Fälle letzten 5 Jahre (ca. 15%) geben. Hypothese-->
2.1 Analoge Delikte wie Einbruchsdiebstahl & Co sinken, auch da die Menschen immer mehr Zeit im Netz verbringen. In dieser Zeit ist die Wahrscheinlichkeit der Begehung analoger Delikte einfach niedriger = PKS Zahlen sind aber etwa 95% analoge Delikte, Fallzahlen sinken daher
2.2 Diese Situation ist durchaus angenehm, da die Gesellschaft häufig PKS Zahlen unreflektiert als Kriminalitätszahlen wahrnehmen:(. Sinkende Fallzahlen sollen suggerieren sinkende Kriminalität. Das lässt sich gut darstellen. Hier greift auch die Präventivwirkung des Nichtwissens
2.3 Denn bei digitalen Delikten ist die Dunkelzifferrellation -das Verhältnis von stattgefundenen/angezeigten Delikten- massiv schlechter als bei analogen. Wer zeigt schon eine Phishing Email/aktuell Smishing Angriffe an? Es ist Normalität (#digitalekriminalitätstransparenz)
2.4 Je nach digitalem Delikt und Studienlagen, ist kaum jemand bereit diese anzuzeigen. Dies führt mit zu dem Gefühl der Unrechtskultur im Netz (#Brokenweb) & es hält gleichzeitig die polizeilichen Fallzahlen bei digitalen Delikten niedrig (Dunkelfeld könnte man nicht bearbeiten)
2.5 So weist die PKS das Tatmittel Internet seit Jahren bei etwa 280-320.000 Delikten aus, also ca. 5-7% aller angezeigten Delikte (5,3 Mio 2020). Nun könnte man auf den Gedanken kommen die Ressourcen entsprechend ins Digitale zu verlagern und dem Unrechtsgefühl zu begegnen
2.6 Also 15% des Personals (nach der letzten mir bekannten Studie waren es nur 1%) für den digitalen Raum einzusetzen. Diese würde das Gewaltmonpol stärken (nicht Betreiber), Polizei ansprechbar machen und damit zu steigenden Anzeigeraten führen (Lüchow-Dannenberg Syndrom).
3.1 Dies würde aber zu weiter steigenden PKS Fallzahlen bei digitalen Delikten führen, und würde bedeuten, dass man jährlich keine sinkenden sondern steigenden Fallzahlen präsentieren müsste. Das Hellfeld würde steigen, aber das Dunkelfeld würde sinken und damit ...
3.2 das Gefühl der Rechtsfreiheit. Dies würde aber bedeuten, dass auch die Polizeiarbeit im Netz Nutzerfreundlicher werden muss, keine "auf diesen Account keine Anzeige" (was ich zweifelhaft finde), keine 16x Internetwachen (sondern nur eine zentrale Stelle), digitale Streifen
3.3 vielleicht gar eine Kinderonlinewache um die Hemmschwelle für Kinder für Anzeigen bei Missbrauch und Co gering zu halten? Es gäbe viele gute Ansätze. Es würde aber auch grundlegende Reformen sowohl im Recht (örtliche Zuständigkeit, Reform Legalitätsprinzip), der Ausstattung
3.4 als auch in der Struktur und Studium erfordern z.B. #Medienkompetenz bei allen Angehörigen der Sicherheitsbehörden in Deutschland. Es muss aber die Bereitschaft geben, dass auch umzusetzen,ggf. in einer grundlegenden digitalen Polizeistrategie, sehe ich bisher nicht.
4.1 Der eine oder andere hat vielleicht den RTL Beitrag zu #Cybergrooming gesehen und war erschrocken. Manche haben vielleicht auch gedacht, ist das keine Aufgabe der Sicherheitsbehörden? Ja ist es, warum also nicht Ressourcen investieren, damit viele Polizisten täglich 24/7 sog.
4.2 Scheinkindoperationen - also als Kinder unterwegs sind - im Netz durchführen, und wenn es bedeutet dass man dann zigtausend Fälle hat? (RTL 3 Schauspieler, 3 Tage ca. 500 Fälle, x10, x100 Tage?). Ich habe es nie verstanden warum das so nicht angegangen wird?
4.3 Wer sich für diese Themen / Hypothesen / Schlussfolgerungen interessiert, ich habe das im Februar in der #Kriminalistik in einem Artikel zur #digitalekriminalitätstransparenz ausgearbeitet und veröffentlicht. Es war mir wirklich wichtig, das auch mal zu formulieren.

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3 Jul 20
Im Rahmen meiner Dissertation hatte ich auch kriminalpolitische Thesen zur besseren Bekämpfung von
#Cybergrooming und digitalen Sexualdelikten formuliert, da das Thema gerade hoch aktuell ist, wollte ich einige Punkte davon mal im Thread vorstellen (also etwas länger ;)) 1/11
2/11 Wir brauchen in der kriminalpolitischen Debatte eine einheitliche Definition von Cybergrooming. Mein Vorschlag: "...das onlinebasierte Einwirken auf ein Kind zur Einleitung oder Intensivierung eines sexuellen Missbrauchs" (bald sexueller Gewalt)
3/11 "Erweiterung des strafrechtlichen Schutzrahmens auf Jugendliche" Jugendliche berichten in Studien wesentlich häufig von #Cybergrooming Konfrontationen als Kinder. Cybergrooming erfasst strafrechtlich aber nur Kinder. Warum sollten nicht auch Jugendliche geschützt werden?
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