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Aug 20, 2021, 16 tweets

Wenn man über die #Coronapandemie spricht kommt man nicht wirklich drum rum, die Rolle der #FPÖ in Österreich zu betonen. Dennoch bitten mich immer mehr Journ@s, dass ich bei Interviews doch lieber nichts zur FPÖ sagen solle. Das ist schwierig: ein #Thread 🧵

Wir haben im Rahmen des Austrian Corona Panel Projects #ACPP viele Analysen gemacht & alle zeigen ein ähnliches Bild. Hier z.B. die große Unterstützung der #FPÖ-Wähler*innen für die #Demonstrationen gegen die Maßnahmen.

Oder hier: Der große Anteil an #Verharmloser*innen unter den den FPÖ-Wähler*innen. 1/4 der FPÖ Wähler*innen ist auch nach mehr als 1 Jahr Pandemie noch immer der Meinung, dass das Coronavirus weniger gefährlich wäre als die Grippe.

Oder natürlich hier: Der große Anteil an #Impfskeptiker*innen unter den #FPÖ-Wähler*innen. 36% wollen sich noch immer "eher nicht" oder "gar nicht" impfen lassen. Dennoch sind mit 53% schon eine Mehrheit der FPÖ-Wähler*innen geimpft.

Wenn man diese Dinge betont und dabei auch betont, dass es wichtig ist, dass hier Verantwortung übernommen wird, dann wird man groß angeschaut. Oder eben, man wird darum gebeten, das doch bitte nicht anzusprechen. Sonst bekomme man viele negative Zuschriften.

Das sind aber keine zufälligen Funde. Das sind Resultate einer Rhetorik & Ideologie, die Misstrauen in politische & wissenschaftliche Institutionen sät. @nielsmede & @mss7676 haben es den "wissenschaftsbezogenen Populismus" getauft.

journals.sagepub.com/doi/full/10.11…

Siehe dazu auch unseren Coronablog:
viecer.univie.ac.at/en/projects-an…
Oder unser Paper zu Populismus und COVID-19 Verschwörungstheorien:
tandfonline.com/doi/full/10.10…

Aber das hat natürlich nicht erst mit der #Coronapandemie begonnen. Gehen wir z.B. zu einer #AUTNES Befragung vom Mai 2019. Im Schnitt lehnen 78% der Bevölkerung Falschaussage "#Impfungen verursachen #Autismus" ab. Bei FPÖ-Wähler*innen sind es nur 69%.

Die Aussage "Ich habe großes Vertrauen in die #Wissenschaft und #Forschung" bekommt in der Gruppe wiederum am wenigsten Zustimmung.

Vor der Pandemie waren die Unterschiede zwischen der FPÖ und anderen Parlamentsparteien kleiner, aber sie waren schon da. Seit Anfang der Pandemie hat die FPÖ ganz klar gewusst diese #Wissenschaftsskepsis weiter auszuschöpfen und verstärkt zu betonen.

Und klar gibt es auch FPÖler*innen, die das Virus ernst nehmen & geimpft sind. Einige schreiben mir stolz Mails um mir zu erklären, wie falsch meine Aussagen daher wären.

Und klar gibt es auch Wähler*innen der anderen Partei, die verhaltensauffällig sind. Ich spreche hier ja nicht von deterministischen Absoluten...

Allerdings sehe ich nicht ein, warum man diese spez. Verantwortung der FPÖ als Partei, die ihre Wähler*innen am ehesten erreichen kann, nicht weiter betonen sollte. Insb. da diese Zusammenhänge bestehen bleiben, auch wenn z.B. für Alter, Geschlecht und Bildung kontrolliert wird.

Genauso wenig verstehe ich die ganzen "Hot-Takes", man müsse jetzt verstehen, wer die "Grün-affinen" wären, die sich nicht Impfen lassen. Empirisch ist diese Gruppe der wiss.-skeptischen "Linken" einfach nicht relevant. Zumindest nicht relevanter als bei anderen Parteien.

Daher werde ich die #Verantwortung dieser Partei weiter betonen. Sie ist nicht der einzige relevante Faktor in dieser Pandemie aber sie ist mitunter einer der wichtigeren... /Ende

Alle Zahlen zu Corona in diesem Thread hier haben sich auf die Wahlentscheidung 2019 bezogen. Nimmt man z.B Impfbereitschaft & die Wahlabsicht 2021 her, schaut es sogar düsterer aus.

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