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Robin @robin_urban
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Das hier wird ein Thread, in dem ich meine #Therapeutensuche dokumentiere - etwas, an dem ich seit Jahren scheitere. Ich hoffe mich dadurch zum Durchhalten zu motivieren, möchte aber auch Außenstehenden zeigen, was für eine Zumutung das für psychisch Kranke ist. #notjustsad
Ich möchte das seit Monaten wieder angehen (insgesamt war es bisher ein ziemlich beschissenes Jahr für mich), aber weil ich das alles schon zur Genüge kenne, konnte ich mich bisher dazu leider nicht aufraffen.
Kurz zu mir: Mir wurde mit 20 Depression und 1 Anpassungsstörung diagnostiziert von einem Neurologen. Der überwies mich damals in eine psychosomatische Klinik. Ich wurde nach 8 Wochen entlassen, aber leider hat sich niemand um eine Nachsorge/ambulante Therapie gekümmert.
Ich selbst habe das jahrelang nicht geschafft. Ich hatte einige sehr niederschmetternde Erstgespräche, die mir jegliche Kraft raubten, es weiter zu versuchen. Erst über 9 Jahre (!) später schaffte ich es, tatsächlich einen Therapieplatz zu bekommen.
Leider war das nicht die Therapieform, die ich haben wollte und mittendrin wurde ich an einen anderen Therapeuten verwiesen, mit dem ich überhaupt nicht klar kam, weshalb ich die Therapie schließlich abbrach. Das ist jetzt auch schon wieder zweieinhalb Jahre her.
Mein aktueller Versuch führte mich erst zu meinem Hausarzt, der mir eine Überweisung schrieb, die mir einen akuten Bedarf bescheinigte. Damit sollte ich bei der Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung anrufen.
Die ist dafür da, zeitnah (= innerhalb von 4 Wochen) Termine zu vermitteln. Als das eingeführt wurde, galt das erst nur für Fachärzte, aber nicht für Therapeuten. Das hat sich inzwischen geändert. Jedenfalls hat mir mein Arzt das so gesagt und so steht es auch auf ihrer Website.
Die habe ich mir gestern angesehen und mich furchtbar aufgeregt, weil daraus hervor ging, dass ich, was die Auswahl des Therapeuten angeht, praktisch KEIN Mitspracherecht habe. Ich habe trotzdem eben angerufen - und kann seitdem nur noch hysterisch lachen.
Nach 15 Minuten Warteschleife wurde ich an eine Mitarbeiterin durchgestellt. So lief das Gespräch:

"Hallo. Ich rufe an, weil ich gerne einen Termin für eine Psychotherapie hätte."
"Haben Sie eine Überweisung?"
"Ja."
"Was steht denn auf Ihrer Überweisung unter "Überweisung an"?"
"Na... Überweisung an Psychotherapeut."
"Ah, Psychotherapie also." - WTF? - "Ja, da können wir Ihnen gerne eine Liste mit Therapeuten in Ihrer Nähe schicken, die Sie mal anrufen können."

Was. Ich meine... WAS.
Ich HABE diese Liste bereits. Die kriegt man von jedem Hausarzt und sie steht ONLINE. Warum soll ich mir die ZUSCHICKEN lassen? Was heißt das eigentlich - doch nicht etwa PER POST??? Und warum rufe ich dort überhaupt an, wenn die mir eh nur sagen, dass ich SELBER ANRUFEN SOLL?
Nochmal: Die Aussage meines Hausarztes war: "Ich schreibe Ihnen eine Überweisung, die einen akuten Bedarf bescheinigt, damit rufen Sie bei dieser Nummer an und die vermitteln Ihnen dann einen Termin." Und dann kommt die mir SO. Was zur Hölle?
Ich: total verwirrt. Das sage ich ihr.
"Haben Sie schon selbst angerufen?"
"Ja, mehrmals, wenn auch nicht aktuell."
"Nun, dann machen Sie das und wenn Sie dann nichts finden, helfen wir Ihnen. Wir suchen dann aber im Umkreis von 30km, deshalb versuchen Sie es lieber selbst."
"Ich dachte, dafür wär dieser Service da - damit SIE das für mich tun?"
"Nein, wir vermitteln erst, wenn Sie keinen bekommen. Dann suchen wir für Sie einen Beratungstermin."
"Entschuldigung, ich will keinen Beratungstermin, sondern suche einen Therapieplatz."
"Nein, ZUERST gibt es einen Beratungstermin, DANN erst kommt es zur Therapie." - Als würde ich das verdammt noch mal nicht wissen. Aber das ist trotzdem nicht das, was mir erzählt worden ist.
"Und ihr könnt mir dabei NICHT helfen?"
"Nein, erst müssen Sie selbst anrufen."
"Und das ist ohnehin besser, weil wir wie gesagt in 30km Umkreis suchen und Sie den dann nehmen müssen."
Ich saß da und dachte: Wofür ist dieser Service da. WOFÜR, zur Hölle.
Zumal das nicht stimmt. Wenn ich alle Therapeuten auf meiner Liste anrufe und überall Absagen kassiere, KANN ICH GEHEN, ZU WEM ICH WILL, also auch zu einem Therapeuten OHNE KASSENZULASSUNG und DIE MÜSSEN MIR DAS BEZAHLEN - weil der Bedarf ja OFFENSICHTLICH NICHT REICHT.
(So zumindest die Theorie - in Wahrheit verschleppen die Kassen solche Anträge auf Kostenübernahme gerne oder lehnen sie ab, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind.)
Das ganze Gespräch über war die Mitarbeiterin enervierend professionell, als wäre der selbst nicht klar, was die da für einen Unsinn erzählt. Und als wäre es völlig egal, dass es hier zufällig um mein Überleben geht. Ich kann nämlich nicht mehr. Ich kann echt nicht mehr.
Aber natürlich kann sie nichts dafür. Das sagte ich ihr auch. Aber auch, dass dieser ganze beschissene Service dann völlig redundant ist. Das ist, als würde ich bei einem Pizzaservice anrufen + die sagen mir, dass sie mir ein Rezept schicken. Oder den Weg zum nächsten Supermarkt.
Fragen, die ich leider nicht gestellt habe:

1. Wenn man mich zu einem Therapeuten 30km weiter schickt, übernimmt meine Krankenkasse die Kosten für den Fahrtweg?
2. Läuft das genauso ab, wenn man einen Termin bei einem Facharzt will? (Erfahrungsberichte erwünscht)
Ich habe dann aufgelegt. Offensichtlich haben die mir nichts, aber auch GAR NICHTS zu bieten, was ich nicht selbst leisten kann bzw. muss. Obwohl meine Krankheit es mir fast unmöglich macht, mich selber darum zu kümmern. Ich dachte, um mir DAS abzunehmen... dafür wären die da.
Als hätte ich es geahnt, habe ich mir gestern die Therapeutenliste bereits ausgedruckt und mir die markiert, die für mich in Frage kommen - heißt für mich: Therapeuten, die eine sogenannte tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie anbieten.
Das ist neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie eine von 3 Therapieformen, die von der Kasse übernommen wird. Als ich damit fertig war, sind etwas über 20 Therapeuten übrig geblieben, deren Telefonsprechzeiten ich dann noch alle ergoogelt habe.
Das wird jetzt meine Aufgabe für die nächste(n) Woche(n): diese gesamte Liste abzutelefonieren. Obwohl die Sprechzeiten mit meinen Arbeitszeiten kollidieren oder so früh sind, dass ich kaum Hoffnung habe, das zu schaffen, oder so kurz, dass ich vermutlich eh nicht durch komme.
Und wenn ich durch komme, werden sie vermutlich keinen Platz für mich haben. Ich hoffe, dass sie mir das dann wenigstens schriftlich bescheinigen, denn mit genug Bescheinigungen steigt die Chance, dass man mir einen Therapeuten ohne Kassensitz bezahlt.
2 Therapeuten kann ich heute noch erreichen, falls die online hinterlegten Zeiten stimmen. Zu 4 Therapeuten habe ich überhaupt keine Telefonsprechstundenzeiten gefunden. Die werde ich heute noch alle anrufen. Bis dahin ist hier erstmal Ende. Aber ich halte euch auf dem Laufenden.
So. Weiter geht die #Therapeutensuche mit dem Abarbeiten der Liste. Es fing direkt super an. #notjustsad
An der Stelle noch der Hinweis, dass ich mal an einer Telefonphobie litt. Ich hatte unfassbare Probleme, selbst wenn ich mir nur eine Pizza bestellen wollte. Das habe ich mir ganz allein abtrainiert. Aber in solchen Momenten kommt es wieder ein Stück weit hoch.
Was natürlich auch am Grund des Telefonats liegt. Ich habe einfach schon zu viele erfolglose Versuche gehabt, um da an etwas anderes zu glauben. Das fühlt sich natürlich schon beschissen an, bevor ich überhaupt wähle. Ich brauche jedes Mal eine Weile, um mich darauf einzustellen.
THERAPEUT 1:

Ging nicht ans Telefon, obwohl er Sprechstunde haben sollte bis 18 Uhr. Ich habe es viermal probiert, aber keine Antwort bekommen. Nicht mal ne Bandansage. Das muss ich also nächste Woche wieder probieren -.-
THERAPEUT 2:

Die Nummer, die auf der Liste stand, war nicht vergeben. Ich musste also die richtige Nummer googeln. Ich ließ ewig klingeln, bis eine Sprechstundenhilfe ranging.
"Ich wollte nach einem Therapieplatz fragen."
"Oh... das macht die Frau Doktor momentan nicht mehr."
"... okay... ihr steht allerdings noch auf der Liste... Stand November 2018..."
"Jaaa... trotzdem."
"Und das ändert sich auch nicht mehr?"
"Ähm. Nein, wahrscheinlich nicht."
"Okay. Könnt ihr mir das wenigstens schriftlich bescheinigen? Also dass ihr für mich keinen Therapieplatz habt?"
"Ähm. Nein, das machen wir nicht."

Tja. Damit kann ich den ersten Namen von meiner Liste streichen. Das ging schnell.
Und ich habe nicht mal eine Bescheinigung, die mir bei einem Antrag auf Kostenübernahme nützlich sein könnte. Ich frage mich eh, ob die meisten anderen dazu überhaupt bereit sind. Und wenn, ob ich die dann persönlich einsammeln gehen muss.
Ansonsten standen nur noch 4 Therapeuten, zu denen ich keine Sprechstundenzeiten gefunden habe auf dem Plan. 2 hatten eine Bandansage mit Zeiten, eine ist in Urlaub und eine hatte nur ihre Handynummer hinterlegt - da habe ich mich nicht getraut, um die Zeit anzurufen.
Stand also momentan:

1 Therapeut erreicht, 1 definitive Absage.

Morgen muss ich den ganzen Tag arbeiten, also werde ich nicht anrufen können (sowas kann ich auch nicht mal eben in der Pause erledigen). Es geht also am Montag weiter. Stay tuned.
Jetzt dachte ich, ich könnte ja vor der Arbeit noch bei zweien anrufen, weil ich mir anscheinend unbedingt schon morgens die Laune versauen möchte oder so. #Therapeutensuche #notjustsad
Die erste Therapeutin hat geänderte Sprechzeiten - da kam ich also nur bis zur Bandansage.

THERAPEUTIN 3 ist voll. Sie führen auch keine Warteliste mehr. Zu voll, bis oben hin.

Aber ich darf vorbei kommen und mir eine Absage schriftlich geben lassen. Ist das nicht schön.
Stand: 2 Therapeuten erreicht, 2 definitive Absagen.
Ich bin gerade echt motiviert (das ist allerdings kein *schönes* Gefühl - eher sowas wie "Ich will unbedingt erfahren, wie viele Absagen ich kassiere und wie abgefuckt das System wirklich ist"), aber am Wochenende kann ich ja nix machen. Mailadressen haben die meisten ja nicht 🙃
Am Montag geht es erst weiter, aber ich mache mir jetzt schon Gedanken darüber, ob ich es schaffe, früh genug aufzustehen. Das wird wieder ein elender Kampf mit mir selbst. Das ist so unendlich schwer für mich aufgrund meines Tagesrhythmus.
Das ist übrigens meine Liste mit Telefonsprechzeiten. Totales Chaos (und ne furchtbare Schrift, sorry).
Wollt ihr mal was witziges hören? Ich musste die ganzen Zeiten ja selber googeln. Dabei habe ich mir die Therapeuten auch ein bisschen angesehen, falls sie ne Website hatten. Drei davon haben mir ziemlich gut gefallen. Aber das ist natürlich völlig egal.
Eigentlich sollte es ja so sein, dass man sich den Therapeuten wählt, der am besten zu einem passt. Aber die Realität sieht so aus, dass man den nimmt, der gerade frei ist. Beziehungsweise frei genug, um einen auf die Warteliste zu setzen. Was dann monatelange Wartezeit bedeutet.
Ich habe mir die Therapeuten markiert, die mir gut gefielen und bei zumindest einer habe ich vor, ein bisschen zu betteln - was auf ihrer Website stand hat mich SEHR angesprochen - aber meine Hoffnung, genau dort angenommen zu werden, tendiert gegen Null.
Das ist auch so ein Aspekt bei der ganzen Sache, der gerne vergessen wird. "Okay, es war ein Kampf, aber wenigstens hast du jetzt einen Therapieplatz!" - Ja. Aber nur in den seltensten Fällen den, den man wirklich haben will.
Toll, es ist Montag - die #Therapeutensuche geht weiter. #notjustsad
Ich wollte mir gestern Abend den Wecker stellen, um die frühen Sprechstundenzeiten mitzunehmen, aber als ich um 3 Uhr immer noch nicht eingeschlafen war, habe ich den Plan verworfen. Letztendlich bin ich doch um Punkt 8 Uhr von selbst wach geworden. Ein kleines Wunder.
Bei THERAPEUTIN 4 wartete eine Überraschung auf mich. Ich war auf eine sofortige Absage eingestellt. Stattdessen fragte sie mich, ob mir vormittags oder nachmittags lieber wäre (als könnte ich da ernsthaft Ansprüche stellen) und gab mir schließlich einen Termin. AM MITTWOCH.
Ich: baff. Ich hätte mit so ziemlich allem gerechnet, nur nicht mit sowas.

Das Problem ist... sie hat mir eigentlich nicht gefallen. Sie klang sehr jung und unsicher. Ich dagegen brauche jemanden, der erfahren und selbstbewusst ist, glaube ich.
Klar werden das jetzt einige lesen und denken "Orr, dann hat die Tussi Glück und jammert trotzdem". Aber sorry - ihr würdet auch nicht zu einem Hausarzt gehen, der euch unsympathisch ist, obwohl es da in 90% der Fälle nur um ne Erkältung geht.
Eine Depression dagegen ist eine potentiell tödliche Krankheit. Da hätte ich gerne schon jemanden als behandelnden Therapeuten, bei dem ich nicht sofort ein schlechtes Gefühl habe.
Schöne Überleitung zu THERAPEUT 5. Dieser Mensch hat tägliche Sprechzeiten zwischen halb 9 und 9. Der Wahnsinn. Und ich muss leider sagen, dass er am Telefon einfach nur unhöflich war. Als ich mich nach einem Termin erkundigte, gab er dann auch ein entnervtes Seufzen von sich.
Dann sagte er mir, dass er gerade nicht in der Stadt ist und ich deshalb morgen nochmal anrufen soll. Als wäre es nicht schon purer Zufall gewesen, dass ich heute früh genug wach war, um ihn zu erreichen. Ich bin auch nicht sicher, ob ich das wirklich nochmal versuche.
Die Sprechstundenhilfe von THERAPEUTIN 6 war dagegen nett. Helfen konnte sie mir trotzdem nicht wirklich. Die Frau macht keine Erstgespräche mehr, sondern nur noch einmalige "Orientierungsgespräche", weil die Wartezeit auf einen Therapieplatz bei ihr ein Jahr beträgt. EIN - JAHR.
Ich habe mich trotzdem mal für ein Orientierungsgespräch vormerken lassen. Das ist dann immerhin schon Ende Januar -.- Den Termin muss ich vorher nochmal bestätigen, sonst verfällt er.
Bei THERAPEUT 7 hörte ich das gleiche wie bei Nummer 2: Er macht das aktuell nicht mehr. Das geht übrigens deshalb, weil beide Therapeuten außerdem Internisten sind. Ich weiß ganz ehrlich nicht, wieso man sich so eine doppelte Ausbildung überhaupt antut.
Aber bei der momentanen Situation würde ich vermutlich auch lieber als Hausarzt arbeiten als therapeutisch zu arbeiten.

Es stellte sich dann heraus, dass ich bei einer Gemeinschaftspraxis gelandet war. Die Sprechstundenhilfe wollte mich für eine andere Therapeutin vormerken.
Die steht allerdings nicht auf meiner Liste, weil sie nur Verhaltenstherapie anbietet. Ein weiterer Therapeut, den ich auch noch anrufen wollte (THERAPEUT 8), gehörte aber auch dazu, nimmt aber niemanden mehr auf.
Ich fragte wieder, ob sie mir eine schriftliche Absage geben könnten, aber auch hier bekam ich nur die Antwort, dass sie sowas nicht machen. Am Ende freute ich mich lediglich darüber, dass ich mir einen sinnlosen Anruf gespart habe.
Als letztes rief ich wieder bei THERPEUTIN 1 an, die beim ersten Mal ja nicht rangegangen war. Dort wurde ich dann tatsächlich auf eine Warteliste aufgenommen. Aber auch hier beträgt die Wartezeit ein ganzes Jahr.
Das war dann der Moment, in dem ich anfangen musste zu heulen. Hat überraschend lange gedauert.

Der letzte Therapeut, den ich heute anrufen wollte, ging nicht ran.
Momentaner Stand also:

1 Termin für ein Erstgespräch
1 Termin für ein einmaliges Orientierungsgespräch
1 Platz auf einer Warteliste
1 Bitte um Rückruf (was ich vermutlich nicht mache)
4 Absagen

Das Schlimme Ich sehe mir diese Liste an und denke: "Wow, besser als erwartet."
Das war extrem anstrengend und ich habe wirklich überhaupt keine Lust, jetzt 10 Stunden arbeiten zu gehen. Aber muss ja. Im Gegensatz zu Leuten wie Jens #Spahn versuche ich, meinen Job zu erledigen.
#Therapeutensuche heute bisher ein absolutes Desaster. #notjustsad
Heute standen vier Therapeuten auf dem Plan. Spoiler: Bisher habe ich drei abtelefoniert und keinen einzigen erreicht. Der erste (ich zähle jetzt nur noch durch, wenn ich wirklich mit ihnen gesprochen habe) hatte zwar Sprechstunde, ging aber nicht ran.
Ich betone das mit der Sprechstunde extra so, weil die anderen beiden geänderte Sprechzeiten hatten, womit ich natürlich nicht rechne, wenn ich die aktuellen Sprechzeiten ERST LETZTE WOCHE GEGOOGELT HABE.
Besonders gefallen hat mir daran, dass zwei dieser drei Therapeuten die Sprechstunden reduziert haben - auf jeweils 2x30 Minuten die Woche.

Und da drängt sich mir ja doch eine Frage auf.
Letztes Jahr haben die Krankenkassen beschlossen, dass jeder Therapeut mit Kassenzulassung 200 Minuten in der Woche für eine "Telefonsprechstunde" bereit halten soll. Diese darf er allerdings auch an seine Sprechstundenhilfe abwälzen. Ich war kein Fan der Regelung.
Davon abgesehen, dass auf diese Weise auch Menschen ohne therapeutische Kenntnisse plötzlich in die Position kommen, entscheiden zu können, ob ich tatsächlich Hilfe brauche oder nicht, fand ich, dass ihnen so außerdem Zeit genommen wird für echte Therapiestunden.
Aber wenn ich mir das jetzt so ansehe... lediglich eine Stunde die Woche telefonisch erreichbar zu sein ist eine absolute Zumutung. Zumal ja jetzt illegal. Vielleicht will da jemand Geld sparen für eine Praxishilfe. 140 Minuten die Woche bezahlen... Würde man ja arm von werden.
Dass man dann nicht mal in dieser sehr kurzen Zeitspanne erreichbar ist oder "gerade nicht in der Stadt" oder was auch immer... dazu muss ich wohl nichts mehr sagen. Bei allem Verständnis für #TherapeutenamLimit... ein bisschen Service MUSS halt sein.
Außerdem fiel mir gestern Abend eine weitere Sache auf. Ich habe jetzt schon zweimal die Auskunft bekommen, dass der Therapeut "das aktuell nicht macht" - obwohl beide noch auf der aktuellen Therapeutenliste vom November geführt werden.
Jetzt frage ich mich: Belegen solche Therapeuten nicht die ohnehin viel zu knapp bemessenen Kassensitze - oder müssen sie sie abgeben? Ich fürchte nein. Was sagen denn @DAKGesundheit, @AOK_Gesundheit und @BARMER_Presse dazu?
DAS würde ich wirklich mal gerne wissen.

Jetzt versuche ich gerade, noch den vierten Therapeuten für heute zu erreichen - danach muss ich dann auch schon zur Arbeit hetzen. Das macht natürlich besonders Spaß.
Halleluja! Durchgekommen! Aber auch THERAPEUTIN 9 hat keinen Platz für mich, nicht mal auf der Warteliste. Sie hätte mir einen einmaligen Termin anbieten können, aber kein richtiges Erstgespräch, weil sie keine Patienten mehr aufnehmen kann.
Sie meinte, die Leute, die jetzt bei ihr mit der Therapie anfangen, hätten IM FEBRUAR ihr Erstgespräch gehabt. Das ist doch einfach nicht zu fassen.

Auch sie wollte mir keine schriftliche Absage geben - sie meinte, das mit der Erstattung würde auch so gehen.
Allerdings wäre das momentan allgemein "schwierig" - und sie drückt mir alle Daumen.

Mit diesem guten Gefühl kann ich dann ja jetzt arbeiten gehen. Ich werte es schon als Erfolg, dass ich wenigstens EINE Person heute noch erreicht habe.
Das ist alles wirklich sehr, sehr anstrengend.
Wenn ich richtig gezählt habe, habe ich übrigens bisher schon 21 Anrufe geführt - auch wenn das vielleicht falsch formuliert ist, da nur bei 8 Anrufen auch jemand abhob.

Und ich bin mit meiner Liste noch nicht mal zur Hälfte durch.
#Therapeutensuche geht weiter und die fuckt mich heute so richtig ab. #notjustsad
Heute hatte ich viele Therapeuten auf dem Zettel, aber direkt die ersten beiden gingen nicht ran, OBWOHL sie Sprechstunde hatten. Besonders bei einem hat mich das wahnsinnig aufgeregt, weil er später am Morgen nur ZWANZIG MINUTEN Sprechzeit hat.
Ist es zuviel verlangt, wenigstens ZWANZIG MINUTEN lang am Telefon zu sitzen? Wieso bekommt man einen Kassensitz, wenn man diesen grundlegenden Service nicht leisten kann? Ey, wie gesagt, ich hab Verständnis für überforderte Therapeuten, aber trotzdem!!!
Ich habe dann noch die Therapeutin angerufen, die nur eine Handynummer hinterlegt hat, und da lief ne Bandansage, so dass ich jetzt immerhin die Sprechzeiten kenne.
Bei THERAPEUTIN 10 meldete sich die Sprechstundenhilfe. Auch hier ist alles voll. Ich solle im Februar wieder anrufen, da könnte man mich VIELLEICHT auf die Warteliste setzen. Ihre Chefin ist nämlich auch Medizinerin und macht das nach Feierabend, deshalb ist so wenig Platz.
Was für ein schönes Hobby das ist! Nach Feierabend noch ein bisschen rumtherapieren! Ich gehe stark davon aus, dass die Dame trotzdem einen vollen Kassensitz besetzt. Damit wäre sie schon die dritte Therapeutin, die das eigentlich nur nebenbei oder halt gar nicht macht.
Ich seufzte innerlich und fragte standardmäßig, ob sie mir eine schriftliche Absage geben könnten. Standardantwort: "Nein, sowas machen wir nicht." Und weil ich in einer Reply gefragt wurde, WIESO die das nicht machen, gab ich die Frage an die Sprechstundenhilfe weiter.
Die Antwort war köstlich.

"Also 1. weil Sie bei uns nicht Patientin sind." - Äh... JA. Wäre es anders, bräuchte ich ja die beschissene Absage nicht!

"Und 2. gibt es von der kassenärztlichen Vereinigung eine EWIGLANGE Liste mit Therapeuten, die Sie ja vorher fragen können."
Ich teilte ihr freundlich mit, dass ihre Chefin bereits die 10. Therapeutin ist, mit der ich telefoniere, und erklärte ihr, dass ich die Absage halt gerne hätte für die Krankenkasse.
"...Wieso?"
"Für einen möglichen Kostenerstattungsantrag."
Das verstand die Dame nicht.
Ich erklärte ihr - ICH, die Patientin, IHR, der fucking SPRECHSTUNDENHILFE - dass es möglich ist, zu einem Therapeuten ohne Kassenzulassung zu gehen, wenn ich keinen mit Kassensitz finde, und die Krankenkasse die Kosten dafür übernimmt.

"Davon habe ich ja noch nie gehört."
"Das geht auch nicht - die Krankenkassen bezahlen Therapeuten mit Kassensitz."
In der Zwischenzeit war der Ton der Frau um einiges schärfer geworden, weil ich sie offensichtlich nervte. Aber das war einfach mehr, als ich stumm hinnehmen konnte.
Ich: "Nein, das stimmt nicht" - und erklärte es ihr NOCHMAL.
Sie glaubte mir offensichtlich nicht. "Das kann ich mir nicht vorstellen. Sie können ja auch nicht erwarten, jetzt sofort einen Termin zu bekommen."
"Ähm. Ich erwarte das gar nicht, aber ich habe es bisher erst auf eine Warteliste geschafft, also..."
Sie erklärte mir dann leicht überheblich, dass ich ja auch in die nächste Tagesklinik gehen könnte, da würde ja auch ambulante Therapie stattfinden.
Ich fand das megafrech von ihr, mich einfach an die Tagesklinik zu verweisen, als wäre das nicht ein gewaltiger Unterschied, der mein ganzes Leben auf den Kopf stellen würde, fragte aber sicherheitshalber nochmal nach, ob sie tatsächlich meint, dort gäbe es ambulante Therapie...
Im Sinne von einstündigen Sitzungen jede Woche. Die Antwort war ein arrogantes "Ja."

Da hatte sie mich dann erwischt. Das wusste ich nämlich nicht. Deshalb verabschiedete ich mich, aber weil ich mir das absolut nicht vorstellen konnte, rief ich sofort in der Tagesklinik an.
Um es kurz zu machen: Nein, so etwas machen sie NICHT. Wusste ich's doch!!!

Ich habe überlegt, ob ich bei der Tussi wieder anrufen solle, um ihr zu sagen, dass sie Scheiße erzählt, aber stattdessen habe ich lieber ein bisschen geheult.
Kurz darauf war es Zeit, THERAPEUTIN 11 anzurufen, die auch tatsächlich ranging. Mein erster Eindruck war: Oh mein Gott, die hat die selbe Stimme wie meine Stiefoma. Aber wenigstens hatte ich sie am Telefon. Aber das ist leider nicht besonders gut gelaufen.
Positiv: Sie war die erste, die mich über meinen bisherigen Behandlungsverlauf ausfragte. Auch, wann ich meine letzte Therapie abgebrochen hatte. Ich: "Das ist schon länger als 2 Jahre her."
"Ah, Sie wissen das also" - nach einer Therapie ist man nämlich 2 Jahre gesperrt.
bzw. natürlich NICHT, die KKs können sich ja nicht einfach weigern, aber es ist wesentlich schwieriger, in diesen 2 Jahren eine Genehmigung zu bekommen. Aber das betrifft mich ja nicht. Trotzdem tat sie so, als würde das alles total verkomplizieren.
Sie ließ sich lang und breit darüber aus, wie schwierig das momentan alles sei, weil so viele Leute Therapieplätze haben wollten, und machte direkt klar, dass 50 Stunden mit ihr auf gar keinen Fall drin sind. Sie könnte kurzfristig auch nur ein Kennenlerngespräch anbieten...
... das sei aber KEINE Zusage zur Therapie.
Ich war inzwischen schon nicht mehr besonders angetan von der Frau, wollte den Termin aber trotzdem. Kurz vor Weihnachten ist der. Sie wollte mir dann erklären, wo ich parken kann, also sagte ich ihr, dass ich kein Auto hab.
"Sie kommen also mit dem BUS? Nee, dann lassen wir das mal."
Ich: baff. "Äh, ich gucke grade nach der Straße..." - und gab die Adresse bei Google Maps ein. Tatsächlich eine halbe Stunde zu fahren mit dem Bus, aber mein Gott, was soll ich denn sonst machen?
Ich hatte den Eindruck, dass sie nur einen Grund suchte, um mich loszuwerden, und laberte ohne Komma. Als ich sie höflich unterbrechen wollte, schnarrte sie: "Nein, Sie hören mir jetzt zu!"
Irgendwann kam ich doch zu Wort und sagte ihr, dass eine halbe Stunde Bus echt wenig ist im Vergleich zu den 30km, die ich auf mich nehmen müsste, wenn ich einen Termin über die kassenärztliche Vereinigung bekäme. Das sah sie ein.
Zwischenzeitlich war mir allerdings beim Betrachten der Adresse der Gedanke gekommen, dass ich bei der Frau tatsächlich schon mal ein Gespräch HATTE - auch wenn es 6 Jahre her ist. Und sollte das stimmen, würde ich zu ihr AUF GAR KEINEN FALL gehen.
Warum, muss ich euch später erzählen, weil ich jetzt gleich meinen Termin habe bei Therapeutin 4. Ich werde berichten :(
So, es geht weiter. Also... vor ein paar Jahren (5, 6 oder 7, kA) war ich schonmal soweit, nach Therapeuten zu suchen und habe es damals immerhin zu drei Terminen gebracht. Die eine Therapeutin war super, hatte aber keinen Platz für mich, der zweite Therapeut war...
... komplett durch, beleidigte mich während des Gesprächs und hatte im Wartezimmer Sektenzeitschriften liegen. Über den wollte ich mich damals sogar offiziell beschweren bei der Ärztekammer oder wer auch immer dafür zuständig ist, aber haha, depressionsbedingte Antriebslosigkeit.
Und dann war da noch die dritte Therapeutin. Ein Träumchen. Ich hatte meine Überweisung verloren, als ich bei ihr ankam, was für sie ein mega Drama war, woraufhin ich bei ihr als "chaotisch" abgestempelt war. Als sie hörte, dass mein Stiefvater und meine Mutter...
nicht verheiratet sind, hielt sie DAS für den Grund für meinen angeblichen chaotischen Charakter (denn "nicht verheiratet" war für sie wohl Synonym für "ungeordnete Verhältnisse"). Es war auch unmöglich, sie von diesem Gedanken wieder abzubringen.
Außerdem verbot sie mir, zu viele ihrer Kleenex zu benutzen, weil sie sonst nicht mehr genug für ihre Gruppentherapie hat (hat da jemand vergessen einzukaufen? Klingt doch irgendwie CHAOTISCH, ne???) und wollte ich außerdem zu genau dieser Gruppe drängen, obwohl ich nicht wollte.
Wir verabredeten damals einen Folgetermin, aber ich war ihr wohl zu anstrengend, denn sie sagte den Termin ab - indem sie einen Brief schrieb und an meine Heimatadresse, sprich MEINE MUTTER schickte.
Das übrigens, weil sie sich meine Nummer nicht richtig aufgeschrieben hatte (mhmhm, bisschen CHAOTISCH, könnte man sagen), obwohl es laut ihr natürlich meine Schuld war, als ich sie anrief und sie wegen des Briefs zur Rede stellte.
So. Diese Therapeutin wohnte im selben abgelegenen Ortsteil wie die Frau, die ich heute Mittag an der Strippe hatte. Das sah ich aber halt erst, als ich ihre Adresse bei Google Maps eingab. Ich glaube, es ist nachzuvollziehen, dass ich zu DER nicht mehr gehen will.
Aber ich war mir halt nicht SICHER. Ich dachte, ich hätte damals die Liste alphabetisch abgearbeitet, aber sie kommt ziemlich weit hinten. Aber alles andere passt. Der Wohnort, diese überhebliche Art, dieses dumme Gelaber. Trotzdem... soll ich einen Termin auf Verdacht ablehnen?
Mir ist dann die Idee gekommen, dass ich einfach schon vorher zu der Adresse gehen und mir das Haus ansehen kann, dann wüsste ich es sicher. Deshalb habe ich mir den Termin geben lassen. Obwohl sie mir unsympathisch war, ob sie nun die Therapeutin von damals ist oder nicht.
Als letztes probierte ich es heute zweimal bei einer anderen Therapeutin. Da ging schließlich ihr Mann ran und sagte mir, dass seine Frau nur montags Sprechstunde hat. Er gab mir dann aber ihre Mailadresse. Endlich eine Möglichkeit, mich per Mail zu melden - ich fasse es nicht.
Es hätte noch ein paar andere Therapeuten heute Sprechzeiten gehabt, aber die sind alle mit meinem Termin bei THERAPEUTIN 4 kollidiert - die Frau, die ich Montag anrief und die mir tatsächlich einen Termin für MITTWOCH gab. Ich war ja eher skeptisch bei ihr.
Sie klang halt so, naja... unsicher und wenig durchsetzungsfähig. Als ich sie sah, verstärkte das meinen Eindruck noch. Sie hat auch wirklich eine etwas piepsige Stimme.

Aber ansonsten... war das Gespräch eigentlich gut.
Sie schien mitfühlend, aber nicht so herablassend mitLEIDIG wie mein letzter Therapeut, bei dem ich mir wie ein kleines Kind vorgekommen bin. Irgendwie ruhig und kompetent. Und, naja... nett. Es ist unglaublich, wie viele Therapeuten total unfreundlich sind.
Ich musste ihr natürlich erstmal so ziemlich alles erzählen und das war sehr anstrengend, aber sie schien mich Ernst zu nehmen und mich nicht zu verurteilen und überhaupt. UND: Sie bestätigte meine Einschätzung, dass eine Verhaltenstherapie tatsächlich für mich nichts wäre.
Außerdem fand sie es gut, dass ich versuchen will, eine Kur zu beantragen. Das habe ich in diesem Thread gar nicht erwähnt - der Gedanke kam mir vor ein paar Tagen. Hatte ich hier drüber geschrieben:
Fazit also... ich bin noch nicht hundertpro sicher, ob sie wirklich etwas für mich ist (oder ob sie mich überhaupt will 😐), aber ich habe jetzt erstmal einen neuen Termin für in zwei Wochen.
Ich hätte schon nächste Woche einen bekommen, aber da bin ich nicht da, weil ich eine Freundin in Kiel besuchen gehe. Das hätte ich anders gelegt, wenn ich das gewusst hätte, aber damit konnte ich jetzt wirklich nicht rechnen. Dann eben in zwei Wochen.
Ich werde aber trotzdem nicht wieder den Fehler machen und bis dahin einfach gar nichts mehr unternehmen, sondern weiterhin meine Liste abarbeiten. 10 Therapeuten sind noch übrig. Könnte ja immerhin sein, dass ich ein Backup brauche.
Wie krass wär das bitte, wenn ich die ganze blöde Liste anrufe und darüber öffentlich schreibe, um so ein bisschen zu zeigen, wie krank dieses System ist... und dann hat eine Therapeutin einfach innerhalb von 2 Tagen Zeit für mich.
Aber andererseits ist es halt die einzige von bisher ELF Therapeuten, die mir ÜBERHAUPT einen Termin gegeben hat mit Aussicht auf mehr. Trotzdem wird das sicher irgendjemand lesen und denken "Na also, funktioniert ja doch alles."
Naja. Direkt nach meinem Termin ist meine Mutter gekommen, um mir bei meinem Kurantrag zu helfen. Das ist auch so ne Sache. Selbst sie musste Ewigkeiten für das richtige Formular suchen, obwohl sie fast 40 Jahre Sachbearbeiterin bei einer Krankenkasse war.
Ohne sie hätte ich da überhaupt nicht durchgeblickt. Jedenfalls gehe ich damit morgen zu meinem Hausarzt um zu hören, was er von der Idee hält. Da er mir selber auch schon einen Klinikaufenthalt empfohlen hat, wird es da wohl keine Probleme geben.
Alles in allem heute also den ganzen Tag eigentlich mit nichts anderem beschäftigt als mit meiner Behandlung. Und da kann ich wohl froh sein, dass ich nur Teilzeit arbeite und nur drei Tage die Woche arbeite. Wie man das alles mit einer Vollzeitstelle hinkriegen soll... kA.
Ich werde jetzt meine Liegestütze machen und danach einen halben Liter Eis inhalieren. Ich bin so wahnsinnig müde m(
Weiter geht die #Therapeutensuche. Heute ein wenig lustlos, weil mich das alles inzwischen sehr, sehr müde macht. #notjustsad
Erst einmal war ich heute morgen bei meinem Hausarzt, um ihn nach einer Kur zu fragen. Das nötige Formular hatte ich dabei und umstandslos nahm er es entgegen, um es direkt auszufüllen. Dabei bin ich davon ausgegangen, dass ich es dalassen muss, um es später wieder abzuholen.
Während er damit beschäftigt war, erzählte ich ihm von meiner bisherigen Therapeutensuche. Ihn schien das ebenfalls ziemlich aufzuregen und als ich ihm erzählte, was mit der kassenärztlichen Vereinigung gelaufen ist, fiel ihm alles aus dem Gesicht. Das machte ihn stinksauer.
Überhaupt ließ er sich ziemlich ausschweifend über die Gesamtsituation aus und meinte, dass selbst die Hausärzte inzwischen darunter leiden. 10% seiner Arbeit bestehe momentan darin, Leuten irgendwie Klinik- oder Facharztplätze zu vermitteln.
Gleichzeitig machte er mir wenig Hoffnung, dass der Antrag durchgeht. "Die wollen für Sie ja kein Geld ausgeben. Wie es Ihnen geht ist denen auf gut deutsch ja scheißegal."
Bezüglich meiner Chancen sehe ich das alles ein bisschen anders, aber halt wirklich nur, weil meine Mutter mir hilft und die alle Tricks kennt. Außerdem ist Winter und die meisten Leute wollen im Winter nicht in Kur, weil es ihnen zu kalt ist -.- Es gibt also freie Plätze.
Beim Ausfüllen hat er immer wieder Dinge gesagt wie "Wir dürfen das nicht ZU schlimm darstellen, sonst sagen die, dass Sie in die Psychiatrie sollen". Ich bin mir richtig konspirativ vorgekommen.
Als er dann aber auch noch sagte, dass ich diese Probleme mit der Therapeutensuche öffentlich machen soll, damit die Leute erfahren, wie abgefuckt das alles ist, musste ich einfach nur lachen 🤣🤣🤣
Letztendlich waren wir in 15 Minuten durch und er gab mir das Formular direkt wieder mit. Witzige Sidenote: Ärzte bekommen 28,44€ für das Ausfüllen eines solchen Formulars. Das steht da sogar drauf.
Es ist schön, dass das geklappt hat. Die Therapeutensuche lief dagegen heute wirklich mies. Schon wieder bin ich bei zwei Therapeuten nicht durchgekommen, obwohl die Sprechstunde haben sollen. Das sind die gleichen, bei denen ich es schonmal probiert habe.
Den einen habe ich inzwischen ACHTMAL angerufen. ACHTMAL. Einmal, um zu hören, dass sich seine Sprechzeiten geändert haben und siebenmal innerhalb der Sprechzeiten, wo ich mir dann eine Bandansage anhören musste, die mir sagte, dass ich außerhalb der Sprechzeiten anrufe.
Man sitzt da um viertel nach 12 und muss sich anhören, dass die Sprechzeiten zwischen 12 und halb 1 liegen. Da fühlt man sich dann schon ein bisschen verarscht.
Ich bekam gestern eine Reply, die um Verständnis warb: Es könne ja sein, dass die Leute eine Telefonanlage haben, die nicht anzeigt, dass gerade besetzt ist. Das sollte mich wohl trösten. Aber das tut es nicht. Und ich habe dafür auch kein Verständnis.
Wir reden hier nicht von High-Tech, sondern von einem verdammten TELEFON. Wie schwer kann es sein, sich eine Anlage zu besorgen, die ein simples BESETZT-Zeichen sendet? Ich meine, das ist doch Standard, oder nicht???
Und selbst, wenn das aus irgendeinem Grund komplizierter sein sollte als ich mir das vorstelle... nee, sorry, wenn man eine Praxis führt, muss man doch in der Lage sein, das Ganze so einzurichten, damit die Patienten wissen, was Phase ist. Also wirklich!!!
Aber weiter mit THERAPEUT 13 (THERAPEUT 12 war die Dame, bei der ich mich per Mail melden sollte). Natürlich nix frei. Er führt auch keine Warteliste, denn die Entscheidung darüber, ob ich bei ihm Therapie machen darf, fällt erst in der einmaligen therapeutischen Sprechstunde.
Und DAFÜR stehe ich jetzt auf der Warteliste. Praktisch die Warteliste für die Warteliste. Das ist doch unglaublich.

Das gesamte Gespräch war allerdings auch komisch. Er fragte mich ziemlich viel ab über meine Krankheitsgeschichte, was ja erstmal positiv ist.
Aber bezüglich mögliche Therapie war er halt wirklich ungnädig. Er empfahl mir die Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung (haha) und als ich ihm erklärte, dass er schon die 13. Person ist, bei der ich es versuche, ist er völlig unnötig bissig geworden.
Er meinte, die Leute machen sich gar keine Vorstellungen davon, wie ein Therapeut arbeitet. Das wär ja nicht so wie bei einem Hausarzt, der jeden Tag 100 Patienten hat. Ein Therapeut sieht jede Woche die selben Patienten und das für 25 oder 50 Wochen, je nach Therapielänge.
Als würde ich das nicht wissen. Anscheinend habe ich da irgendeinen sehr empfindlichen Nerv getroffen. Sein Ton blieb zwar nett, aber ich kam mir trotzdem ein bisschen runtergeputzt vor.
"Ich weiß das ja und das ist ja auch nicht Ihre Schuld. Das Problem ist, dass es zuwenig Kassensitze gibt."
"Da stimme ich Ihnen zu, aber weder Sie, noch ich werden daran was ändern können."

Hm. Das werden wir ja sehen, Herr Doktor. Das werden wir ja sehen.
Davon ab HASSE ich solche Sprüche. Das ist so fatalistisch. Da gefällt mir die Haltung meines Hausarztes doch viel besser. Offensichtlich.

Er fragte mich dann noch, wann ich zeitlich am besten könne - morgens oder mittags. Mittags, antwortete ich. "Ja, das wollen ALLE!" Pfft.
Bei THERAPEUT 14 sah es terminlich ganz ähnlich aus. Auch er führt keine Warteliste mehr. Ich könnte frühstens in 4 Monaten mit einem Termin rechnen, aber nur, wenn ich zeitlich flexibel bin. Da ich keine Ahnung habe, wie ich dann werde arbeiten müssen, war mir das alles egal.
Er meinte, er meldet sich, aber wenn das in 8-10 Wochen nicht passiert ist, soll ich mich nochmal melden. Zu dem Zeitpunkt war ich schon wieder einfach nur erschöpft. Ich habe sogar aufgehört, nach schriftlichen Absagen zu fragen. Bringt ja eh nix.
THERAPEUTIN 15 ist eine von den dreien, die mir besonders gut gefallen haben. Sie scheint auch einen guten Ruf zu haben. Deshalb hat es mich nicht überrascht, von der Sprechstundenhilfe zu hören, dass nichts mehr frei ist und sie mich auch nicht auf die Warteliste setzen kann.
Die Art, wie diese Frau mit mir sprach, entnahm ich, dass sie das geübt hatte. Sie klang distanziert und kalt wie ein Roboter und ratterte eine Standardantwort runter. Vermutlich muss man sich selbst innerlich abtöten, wenn man so viele hilfesuchende Menschen abweisen muss.
Sie meinte dann, ich solle es im Januar nochmal probieren. Dass ist ja auch so etwas, was ich einfach nicht verstehe. Denken die, die Situation ändert sich in ein paar Monaten? Wollen die einfach nur sehen, ob ich verzweifelt genug bin? Ist man nur dann würdig oder therapiefähig?
Genau das hat mich bei meinen bisherigen Versuchen immer so entmutigt. Es hat schon so viel Kraft gekostet, überhaupt anzurufen und dann kriege ich als Antwort nur, dass ich es nochmal probieren soll? Kein Wunder, dass ich das nie gemacht habe. Gar nicht konnte.
Ich glaube, eine klare Absage wäre mir da fast lieber. So eine Scheiße ist doch nichts halbes und nichts ganzes. Und im Prinzip auch nichts anderes als eine Warteliste zu führen, nur mit dem Unterschied, dass die Arbeit auf die Weise am Patienten hängen bleibt.
In einer halben Stunde hat noch ein letzter Therapeut für heute Sprechstunde, dann bin ich durch für heute. Ich fühle mich auch durch. Macht alles wirklich keinen Spaß. Ich bin da jetzt schon seit einer Woche dran mit überwältigenden Misserfolg. Es ist so unendlich frustrierend.
Ja.
Ich habe die Wartezeit genutzt, THERAPEUTIN 12 eine Mail zu schicken. Es liest sich wie eine verdammte Bewerbung. Und sowas zu schreiben wie "Ich wäre sehr froh, wenn Sie mich wenigstens auf die Warteliste setzen könnten" finde ich sehr bitter. Bin gespannt auf die Antwort.
Weiter mit THERAPEUTIN 16. Sie klang nett und wollte meine Krankengeschichte wissen. Sie meinte zwar auch, dass bei ihr frühestens nächstes Jahr was frei wird, gab mir aber einen "Kennenlerntermin", damit ich sehen kann, ob ich überhaupt zu ihr will. Der ist in 2 Wochen.
Was ja tatsächlich ein ziemlicher Glücksfall ist. Was mir allerdings nicht so gefallen hat: Sie schien schon bei diesem Telefonat mich so ein bisschen Richtung Antidepressiva drängen zu wollen. Ich will das aber nicht mehr. Ich bin immer noch zufrieden mit meinem Elontril
Aber kA, wie Ernst ihr das ist. Ich habe gelesen, dass es Therapeuten geben soll, die ohne gleichzeitige medikamentöse Behandlung sich weigern, überhaupt was zu machen. Ich glaube aber nicht, dass das immer so sinnvoll ist. Und die Rumprobiererei frisst auch scheißviel Energie.
Damit steigt die Zahl meiner Termine, die tatsächlich zu einer Therapie führen könnten, auf 2. Plus einer, den ich vermutlich absage, weil ich die Therapeutin vermutlich schon kenne und dort nicht hin will. Von 16 Therapeuten und nach inzwischen fast 50 Anrufen. Fünfzig.
Grade hat meine Mutter angerufen. So schön es ist, dass sie mir bei dem Kurantrag hilft, mischt sie sich schon wieder viel zu sehr ein. Es geht sie schlicht nichts an, was der Arzt auf den Befund geschrieben hat. Ich rede mit meiner Mutter nicht über meine Krankheit.
Sie hat damals den Kennenlerntermin abgesagt bei der psychosomatischen Klinik. Obwohl ich damals schon volljährig war. Und gestern, als ich ihr ein bisschen von der Therapeutensuche erzählt habe, kamen wieder nur so Sprüche wie "ist halt so" und "wieso regst du dich so auf?"
Weil man sich ja nicht aufregen und laut werden und sich beschweren darf. Weil Contenance alles ist. Und man ja nicht streitet. Man muss "diplomatisch sein". Sprich: Fresse halten. Selbst wenn man beleidigt und gedemütigt und gemobbt wird. "Einfach ignorieren".
An der Stelle höre ich mal lieber auf :/ Ich versuche, morgen noch eine Therapeutin in meiner Pause zu erreichen, die mir wirklich total gut gefallen hat. Die hat auf ihrer Website sowas stehen wie, dass Wut, sinnvoll eingesetzt, gut ist.
Praktisch genau das Gegenteil von dem, was man mir mein ganzes Leben eingetrichtert hat. Vermutlich hat mich das deshalb so angesprochen. Wenn ich wütend bin, fühle ich mich wenigstens nicht depressiv. Dann spüre ich Energie, die ich sonst nie habe. Aber das darf ich ja nicht.
Jetzt habe ich mich selbst in ein Loch manövriert, Top 👍 Aber vielleicht findet es ja der ein oder andere informativ. Wenn ich sonst schon nichts kann, dann kann ich wenigstens gnadenlos offen sein.
Es ist allerdings irgendwie witzig, den ganzen Thread zu lesen und zu sehen, wie ich am Anfang noch so ein bisschen steif war, zwischendrin immer genervter wurde und jetzt bei emotionaler Erschöpfung angekommen bin
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