Die politische Rechte scheut sich davor, eine Utopie zu formulieren. Ständig die dystopischen Prognosen bei der Herrschaft des politischen Gegners rauf- und runter zu zitieren weckt keine Sympathiepunkte. Es reicht nicht auf Dauer aus nur zu sagen, was aktuell das Problem ist.
Den Gegner als schlechte Alternative zu präsentieren muss bedacht vollzogen werden. Neben der Betonung seiner Probleme, Schwächen und negativen Konsequenzen muss man selbst eine Alternative bieten, indem man Lösungen in Form von greifbaren, weniger abstrakten Konzepten verspricht
Der Wahrheitsgehalt von Ideologien wird nicht untersucht; sie fühlen sich nur richtig an. Aus taktischer Sicht bedeutet das, schwer widerlegbare, relevante und reale Befunde so zu interpretieren, dass sie beim Ziel eine Bereitschaft zum emotionalen Investment auslösen.
Das haben die Grünen z.B. gekonnt gemacht: Reale Probleme wie die Abholzung des Regenwaldes, die Vermüllung der Meere oder der weltweite CO2-Ausstoß werden dafür genutzt, um seine Agenda durchzubringen. Es muss nicht zwangsläufig ganz korrekt sein, sondern sich schlüssig anfühlen
Rechte müssen also Anliegen finden, die sowohl die faktische Seite als auch die emotionale Komponente hinreichend abdecken. Dabei sollen diese für die breite Masse spürbar sein. Alle großen Ideologien bauen auf einen schicksalhaften Kampf gegen Großes sowie einer Art Ursünde auf.
Ein Problem der AfD beispielsweise ist immer noch die Neigung, es jedem Recht machen zu wollen. Selbst die Weltanschauungen, die die größtmögliche Barmherzigkeit predigen, kennen Delinquenten, Unbekehrbare & nicht zu Bekehrende. Sonst hätten die Regeln keine Daseinsberechtigung
und die jeweilige Gruppe keine Vergleichsgröße, durch die sie ihre Höherwertigkeit präsentieren kann. Realpolitik heißt nicht, dass nach einer Wahrheit oder Ähnliches gesucht wird, sondern dass abstrakte Konzepte und Ideale durch reale Handlungen und Maßnahmen verwirklicht werden
Politik ist in erster Linie über wen, danach erst über was. Nicht umsonst wird in diesen Belangen personifiziert. Daher die Frage: Wen holt man ins Boot und wie bzw. womit soll das geschehen? Migration ist ein relevantes Thema, doch der prognostizierte Bevölkerungsaustausch fühlt
sich für die anzusprechende Masse weder schlüssig an noch umfasst er eine Ursünde oder weckt zumindest das Bedürfnis nach emotionalem Investment. Für den eingesessenen Mittelschichtler oder den prekären Arbeiter stellt der Erhalt des deutschen Volkes aktuell keine Priorität dar.

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