#Liebe, Beziehung, Bindung, Berührung, Verbundensein
Warum man, Mensch, "Gott" nicht lieben kann und warum "Gott" keine(n) Menschen liebt:
Ein "Gott", ein sogen. metaphysisches Prinzip, menschliches Konstrukt also - weshalb Gott, Götter von jeher anthropomorph dargestellt,
attributiert, charakterisiert sind - kann nicht (Menschen, "seine Schöpfung", was auch immer) lieben und nicht geliebt werden, da Liebe, das Lieben, nicht nur eine mentale, intellektuelle, rationale Haltung oder ein Gefühl, eine Empfindung intensiver Zuneigung, sondern vor allem
eine Aktivität, aktives menschliches Tun, Agieren in bestimmter Weise ist:
 
Aktives Lieben bedeutet, sich einem oder mehreren anderen - geliebten - Lebewesen im Diesseits, im Hier und Jetzt, während des eigenen, persönlichen leiblichen Existierens, Lebens, in bestimmter,
bewusster Weise zuzuwenden, zu verhalten. Hierzu sei abermals auf Erich Fromms Definition von Liebe, d.h. nicht nur Geliebtwerden (-wollen), sondern aktivem Lieben, verwiesen, siehe in "Die Kunst des Liebens" von ihm erläutert.
In Kurzfassung:
Aktives Lieben drückt sich aus in, durch bedürfnisorientierte, nicht-paternalistische Fürsorge, Achtung, Freiheit, Verantwortung, Erkenntnis - Verbundensein.
 
Erich Fromm:
"Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Affekt. Sie ist etwas, das man in sich selbst entwickelt,
nicht etwas, dem man verfällt.
Ganz allgemein kann man den aktiven Charakter der Liebe so beschreiben, dass man sagt, sie ist in erster Linie ein Geben und nicht ein Empfangen."
Einem phantasierten, halluzinierten, konstruierten, abstrakten, leiblosen "Gott", einer bloßen Ideen, einem Konstrukt gegenüber kann ein Mensch nicht fürsorglich, verantwortlich, gebend agieren - verbunden sein. Es fehlt hierfür die für Beziehung, für Bindung, Liebe
entscheidende, unabdingbare Grundvoraussetzung: das gerade leiblich existierende (oder einmal existiert habende), persönlich gekannte, erlebte Gegenüber - der Andere, das Du - mit dem man real, tatsächlich interagiert hat, mit dem man konfrontiert, von dem man herausgefordert,
dem man gegenübergestellt war bzw. ist, gegenüber dem man sich während eigener Lebenszeit - als jeweils soziale, leibliche, bedürftige, verletzliche Wesen, Menschen - persönlich verhält.
Hierzu sei insbesondere auf Emmanuel Lévinas verwiesen.
Eben dies macht Beziehung aus. Keine Beziehung, keine Bindung ohne immer wieder auch mögliche, erfahrene leibliche Nähe, Sozialkontakt, Austausch, Erfahrung, Interaktion und: (nicht-sexuelle) Berührung.
Solche Beziehung, Bindung, Berührung ist für alle Menschen lebenslang unentbehrlich, eben weil Menschen soziale Wesen sind. Sie brauchen solche wohltuende Berührung, Halt, Gehaltensein, Nähe, Beziehung, Bindung, Verbundensein für ihr physisches und psychisches Wohlbefinden,
für Entwicklung, Persönlichkeitsreifung, Selbstreflexion, (Selbst-) Erkenntnis, für Lernen, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Resilienz und ganz besonders auch für Genesung und Heilung.
 
Gerade wenn und weil Menschen solche stabile Bindung, wohltuende, tragende Beziehung und
Berührung, Gehalten-, Getragensein nicht, insbesondere nicht in der prägenden Phase ihrer Kindheit, oder nur unzureichend erfahren haben - tatsächlich geliebt zu werden von den Hauptbezugspersonen (zumeist den Eltern) - sind sie selbst häufig nicht liebesfähig,
nicht beziehungsfähig, suchen dann ersatzweise, kompensatorisch Trost, Halt, Zuflucht, Ausweg bei "Gott", in Glaube, Aberglaube, Esoterik oder auch Drogen, Sucht.
 
Um sich ihr Ungeliebtsein sowie ihre eigene Liebesunfähigkeit nicht eingestehen, sich damit - zwecks Bewältigung,
Heilung - nicht auseinandersetzen zu müssen, da dies mit Schmerz, Leid verbunden, überdies zumeist ein langwieriger Erkenntnis- und Reifungsprozess wäre, und weil sie oft auch autoritär geprägt sind, überhöhen solche Menschen das "Geistige", Rationale, Intellektuelle,
werten alles Leibliche, Physische, Sinnliche, Emotionale, gerade auch Genussvolle als schlecht, verdorben, schmutzig, primitiv, schwach, falsch, teuflisch ab - siehe Kirche, Religion, Patriarchat.
Einen "Gott" - der mir nur so, nur das (vermeintlich) "antwortet, zeigt, spiegelt, offenbart", das sich in nur meiner persönlichen, subjektiven Vorstellung über ihn befindet (oft auch: das mir über "Gott" erzählt, beigebracht, indoktriniert wurde) - kann ich mir nach meinen
ureigenen Wünschen (auch Ängsten ...) denken, formen, vorstellen, gestalten und vermeintlich "erleben, erfahren". Alles abstrakt, alles nur in Subjekthaftigkeit, Selbstbezogenheit, Egozentrismus, Eskapismus gebettet. Bequem, angenehm, selbstschonend -
auch dann, wenn es Zweifel(n) gibt.
Denn mir fehlt hierbei die Herausforderung, das unmittelbare, konkrete Angesprochen-, Herausgefordert-, Gefragt-, Gemeintsein durch ein leibhaftiges, leibliches, lebendiges, sinnlich wahrnehmbares, erfahrbares, existierendes Gegenüber -
ein Lebewesen, demgegenüber ich mich verhalte und das sich zu mir verhält, demgegenüber ich v e r a n t w o r t l i ch bin - in meinem Tun, Verhalten.
 
Mit einem abstrakten, erdachten, konstruierten "Gott" gibt es keinen echten, tatsächlichen Dialog - es kann stets nur
der Monolog mit sich selbst sein und bleiben. Man bleibt völlig auf sich selbst zurückgeworfen, in sich selbst verhaftet - es gibt gerade kein Überschreiten, Transzendieren (weder des Ego noch des Selbst, ohnehin nicht der Leiblichkeit, Bedürftigkeit), schon gar kein Reifen.
Es ist selbstschonender Selbstbetrug - Selbstflucht, Weltflucht, das Verweigern von Beziehung und Verantwortung, von aktivem Sich-Zuwenden zum und Einlassen auf den anderen: andere Lebewesen - im Hier und Jetzt.
[...]
…listi-dichtet-belichtet.over-blog.com/2018/04/uber-e…
Erich Fromm - aus "Die Kunst des Liebens" zitiert:

"Liebe ist die tätige Sorge für das Leben und das Wachstum dessen, was wir lieben. Wo diese tätige Sorge fehlt, ist auch keine Liebe vorhanden."

"Impotenz ist die Unfähigkeit, Liebe zu erzeugen."
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Dec 14
Liebe. Beziehung. Sozialkontakte: real, nicht virtuell. Leiblich. Nähe, Wärme, Berührung.
D a s ermöglicht, stärkt, fördert physische wie psychische Gesundheit, Abwehrkraft, Genesung und Heilung.
Nicht: Abstand, Trennung, #socialdistancing.
#Corona Maßnahmen, Regierungen
Bindung - Beziehung - Berührung - Verbundensein - Heilung
…listi-dichtet-belichtet.over-blog.com/2015/06/in-tre…
Übrigens:
Solche für jeden Menschen lebenslang wichtige, unentbehrliche, heilende Bindung, Beziehung, leibliche Nähe, Wärme, Berührung, Halt, Gehaltensein, Verbundensein gibt, gewährt, schenkt kein (halluzinierter, phantasierter) "Gott", auch keine Droge und kein Buch.
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