Dieses Video wirkt eigentlich nett, nachvollziehbar und sympathisch - ist aber wissenschaftsfeindlich und faktenverzerrend. Genau diese Mischung ist besonders gefährlich. Sehen wir uns das mal an.
Es beginnt mit der Feststellung, dass Querdenker nicht notwendigerweise Nazis sind. Ja, das ist wahr. Aber natürlich impliziert das sofort einen Vorwurf an die Gegenseite: "Die werfen uns unfairerweise vor, Nazis zu sein, also sind ihre anderen Argumente wohl auch unfair."
Dann kommt das Kernargument: Die Impfung schützt nicht perfekt vor Ansteckung und Weitergabe des Virus, sondern nur vor schwerem Verlauf. Also schützt man dadurch nur sich selbst, nicht die anderen. Daher ist es meine Sache, ob ich mich impfen lasse.
Impfen ist also nur Selbstschutz, kein Akt der Solidarität. Klingt bestechend logisch. Und deswegen kommt das Video wohl gut an: Es fühlt sich an, als hätte man hier einen logischen Fehler der Impf-Freunde aufgedeckt. In Wahrheit liegt genau hier der große Irrtum der Impfgegner.
Ja, es gibt Impfdurchbrüche - also Infektionen bei Geimpften. Aber die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist geringer, wenn man geimpft ist. Es gibt nicht nur 100% oder 0%. "Schützt nur vor schwerem Verlauf" ist falsch. Die Impfung senkt die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe.
"Wenn die Impfung nicht perfekt wirkt, dann ist sie sinnlos" ist kein Argument. Ich sage auch nicht: Meine Wohnungstür schützt nicht perfekt vor Einbruch. Also baue ich gleich gar keine Tür ein!
Nein, das ist ein übler Trick: "Recht gut" ist viel besser als "gar nicht".
Gerade wenn die Impfung eine Ansteckung nicht perfekt verhindert sondern nur unwahrscheinlicher macht, ist es erst recht wichtig, dass sich besonders viele Leute impfen lassen.
Erinnern wir uns: Was ist das Ziel aller Corona-Maßnahmen? 1) Wir müssen erreichen, dass 1 infizierte Person im Schnitt weniger als 1 weitere Person ansteckt. 2) Wir müssen verhindern, dass die Krankenhäuser überlastet werden.
Für beides hilft die Impfung.
Nur mit der Impfung können wir die Ansteckungsrate nach unten drücken. Und nur mit der Impfung können wir erreichen, dass im Herbst die Intensivstationen nicht wieder überlastet werden. Und an diesem Punkt sieht man, dass auch Selbstschutz mit Solidarität zu tun hat.
Keiner der Impfgegner würde es wohl mit Freude akzeptieren, nach hinten gereiht zu werden, wenn man in den Krankenhäusern entscheiden muss, wer nun die verfügbaren Intensivbetten erhält. Spätestens an diesem Punkt kann man sich nicht mehr auf "Eigenverantwortung" ausreden.
Wir alle wollen wieder bedenkenlos ins Kino, ins Konzert und ins Café. Und nach allem was wir wissen, funktioniert das eben nur mit hoher Impfquote. Daher ist Impfverweigerung sehr wohl unsolidarisch.
Ja, in erster Linie schützt man sich durch Impfen selbst. Aber es ist eben komplizierter als das. Eine Pandemie ist von Natur aus ein Problem der Gemeinschaft. Daher kommen wir hier nur raus, wenn wir das auch gemeinsam lösen. Das ist keine Sozialromantik, sondern Fakt.
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Der Politikerbuch-Debatte würde es guttun, wenn man anerkennen würde, dass ein gutes Buch zu schreiben ziemlich schwierige, aufwändige Arbeit ist. Nein, das schüttelt man nicht neben einem Spitzenpolitikjob so nebenbei mal aus dem Ärmel. Niemand soll tun als sei das möglich.
Manche Leute schreiben nach Ende der Politikkarriere gute Bücher. Das ist toll. Wenn man aktiv in der Politik steht, kann man vielleicht lieblos seine Gedanken hinklatschen, klar passieren dann Fehler. Wozu das dann überhaupt? Lieblos hingeklatschte Bücher gibt es schon zu viele.
Und natürlich kann man die eigenen Gedanken von einem Profi zusammenfassen lassen. Das ist wohl eine gute Idee. Bruce Willis macht seine Stunts auch nichts selber. Aber dann schreibt bitte den Ghostwriter aufs Cover und spielt nicht falsche Tatsachen vor!
Nein, die COVID-Impfung macht NICHT unfruchtbar! Offenbar ist dieses Gerücht noch immer ein Grund für junge Frauen, die Impfung zu meiden. Es ist verständlich, dass so ein Gedanke Angst macht. Aber da ist nichts dran. Es gibt KEINEN Grund zur Sorge. Lasst euch impfen! (Thread)
Es gibt keine Hinweise, dass es für Geimpfte schwieriger gewesen sein soll, schwanger zu werden. Tierversuche zeigten keine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit. Es gibt nicht einmal einen plausiblen Mechanismus, der auch nur theoretisch verminderte Fruchtbarkeit nahelegen könnte.
Man weiß auch, woher das Gerücht kommt: Nicht von echten Beobachtungen, sondern aus einer ganz anderen Ecke. Es wurde behauptet, das Spike-Protein, das nach der Impfung produziert wird, sei einem Protein ähnlich, das für die Plazenta wichtig ist.
"Klimaschutz darf nicht Verzicht bedeuten!" - Das ist ein furchtbares politisches Framing, dem gleich mehrere Fehler gleichzeitig zugrunde liegen. Wer so etwas sagt, kann in der Klimadiskussion nicht mehr ernst genommen werden. Ein Rant.
Zunächst: Tatsächlich wäre es naiv zu glauben, wir könnten das Klima retten, indem wir einfach ein bisschen verzichten. Genau wie man soziale Ungleichheit nicht mit Almosen für Bettler beseitigt, entkommen wir der Klimakrise nicht durch braven Verzicht. Es geht um Systemwechsel.
Angenommen, wir würden unser System weiterlaufen lassen, aber auf ein Drittel unseres Konsums verzichten. Das wäre eine radikale Einschränkung, die unsere Lebensqualität massiv verringern würde. Es wäre die schlimmste Wirtschaftskatastrophe, die es jemals gab.
Für so etwas habe ich nur noch Abscheu übrig: Nein, natürlich gibt es keinen Grund zur Sorge. Aber solche Revolverblatt-Überschriften stürzen psychisch labile Leute in Panik und erzeugen dadurch echten Schaden. Das ist moralisch um nichts besser als Körperverletzung.
Im Untertitel steht tatsächlich: "Experten sind sich sicher: Schon 2022 wird er einschlagen." Im selben Artikel steht dann aber später: "2009JF1 fliegt wahrscheinlich an der Erde vorbei"
Wie kann man das schreiben, ohne zu erkennen, dass man hier einen dummen Fehler macht?
Es wird sogar erklärt: Höchstwahrscheinlich verfehlt der Asteroid die Erde - "Es sei denn, er würde von seinem Kurs abweichen." Aha. Ok. Und wenn der Großglockner morgen plötzlich aus grünem Käse besteht, wird ganz Österreich seltsam riechen. Was soll das?
Ich freue mich: Österreich verabschiedet Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. Bis 2030 soll das Land nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen nutzen. Kosten: 1 Milliarde Euro pro Jahr.
Darunter kann man sich schwer etwas vorstellen. Ist das viel? Nein, nicht wirklich. (Thread)
Die Dekarbonisierung der Stromerzeugung ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Das für 1 Milliarde Euro pro Jahr hinzubekommen, ist ein Schnäppchen. Das sind ca. 30 Cent pro Person pro Tag - nicht völlig egal, aber gut verkraftbar.
Versuchen wir, durch Vergleiche ein Gefühl für Größenordnungen zu bekommen: In der Pandemie hat Österreich über 30 Milliarden ausgegeben, der Gesamtschaden war ein Mehrfaches davon. Die Agenda Austria rechnet mit insgesamt 175 Milliarden Euro.
Lasst uns über Plagiate reden! Ja, sie sind ein Problem. Aber wenn jetzt behauptet wird, Annalena #Baerbock habe ihr Buch abgeschrieben, ist das lächerlich. Und es schadet der Wissenschaft, weil es echtes Fehlverhalten trivialisiert. (Thread)
Wer Abschlussarbeiten an der Universität einfach aus dem Internet zusammenkopiert, soll bestraft werden. Wer sich einen akademischen Titel verdienen will, muss sich an Regeln halten. Sonst entwertet man die Leistung all jener, die dafür tatsächlich hart gearbeitet haben.
In den letzten Jahren gerieten wiederholt PolitikerInnen unter Druck, die sich Abschlussarbeiten dreist zusammengeschummelt hatten. Es ist gut, wenn das nicht als Kavaliersdelikt gesehen wird. Man muss ja keinen Uni-Titel haben, um Politik zu machen. Aber man muss ehrlich sein.