Die Reaktionen vieler deutscher Twitterer (vor allem von Links) auf die US Diskussion um Bidens Infrastruktur- und Sozialpaket zeigen eine mangelnde Unterscheidung von Politics und Policy.
Man hört da immer wieder Argumente wie “Das ist doch gar nicht so extrem links”; “Das ist doch eine sinnvolle Politik”. Wie können die moderaten Dems nur dagegen sein, die müssen doch korrupt sein?
“Das” bezieht sich hier auf das Sozialpaket, Build Back Better. Das ist Argumentation auf der Policy Ebene, die ich zT teile.
Was aber nicht gesehen wird, ist die Politicsebene, die von folgenden Tatsachen gekennzeichnet ist: 1) Das Infrastrukturpaket hat breite Unterstützung sowohl beim Wähler als auch im Kongress. Und vermutlich auch bei den Waehlerinnen der linken Squad Blockierer.
2) Das kann man vermutlich vom Sozialpaket nicht sagen. Dabei ist es auch völlig irrelevant, dass das Paket in den USA eine nationale Zustimmungsmehrheit in den Umfragen hätte (Linke in Deutschland: “die Maßnahmen sind so populär in Umfragen”.) Worauf es ankommt ist, ob es diese
breite Mehrheit dann im politischen System der USA gibt, und das ist offensichtlich nicht der Fall. Und diese Situation ist nun einmal so, das die Wähler von Manchin (West Virginia) und Sinema (Arizona) die nationale Politik bestimmen - at the margin.
Wenn man das ändern will, muss man Senatssitze in anderen Staaten gewinnen. Manchin und Sinema zu unterstellen, sie seien korrupt und entschieden gegen die Interessen Ihrer Wähler ist abenteuerlich (genau solche Argumente liest man von deutschen Linken).
Sie würden ja als erstes bestraft werden. Noch was: die USA sind keine Kanzlerdemokratie, in der es auf Partei-/Fraktionsdisziplin ankommt. Insofern sind auch Wahlversprechen von Präsidenten relativ bedeutungslos. In den USA versteht sich die Legislative als einen eigenständigen
und gleichberechtigten Teil der Regierung. Manchin und Sinema sind den Wählerinnen in ihren jeweiligen Staaten verpflichtet. Nicht dem Präsidenten oder ihrer Partei.
Was bleibt dann von dieser links-deutschen Kritik übrig: eine ziemlich billige nationale Überlegenheitsgeste! Das politische System in den USA schafft es nicht, Programme, die unseren politischen Präferenzen entsprechen, zu verabschieden (Policyebene), also ist es korrupt.
PS: im Lichte des Gesagten mag man somit Sinema und Manchin auf der Policyebene als Blockierer bezeichnen (aber man aeussert damit nur seine eigenen politischen Praeferenzen), die Blockierer auf der Politicsebene sind eindeutig die linken Demokraten.
PPS: natürlich ist Blockade auf der Politicsebene durchaus für eine gewisse Zeit OK, um eigene politische Ziele durchzusetzen. Insofern konnte man die Progressiven am Anfang sogar verstehen. Aber Manchin wusste halt, dass es ein politischer Bluff war und wenn der Bluff gecallt
wurde, muss man es dann irgendwann eingestehen, vor allem nach verlorengegangenen Wahlen. Wenn nicht, ist man nicht nur ein strategisch agierender Blockierer, sondern ein politischer Brandstifter in einem Umfeld mit mehr Trumpismus als Gefahr im Hintergrund.
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Interesting video (and I realize this is not a representative poll). According to these four moms: it was not the CRT debate or the DC Congress mess. It was two things that made them vote for Biden in 2020 and for Youngkin in the VA election now: cnn.com/videos/politic…
1) the Dems being in league with the teachers unions and school boards - which were and still are indeed tone-deaf towards the concerns of parents and the needs of students. I can
confirm that for Ann Arbor as well.
2) The arrogance and dismissive tone by Democratic politicians towards their concerns.
Erstaunliches ist passiert in den USA letzte Nacht. Es wurde - endlich - ein billionenschweres Infrastrukturpaket (1,2 Billionen Dollar) verabschiedet im Repräsentantenhaus (der Senat war schon lange fertig damit), was aber nur möglich war, weil 13 Republikaner dafür stimmten,
denn sechs sogenannte progressive Abgeordnete der Demokraten (darunter die scheinbar so populäre AOC) verweigerten ihre Stimmen. Ich hoffe deren WählerInnen werden es sich das nächste Mal genauer überlegen. Es war eine beispiellose politische Geiselnahme in Tateinheit mit
politischer Brandstiftung, die hier von den Linken erfolgte. Gott sei Dank hat die Mitte (und Bipartisanship, selten genug) am Ende gewonnen, denn in der Substanz sind diese Infrastrukturinvestitionen historisch und dringend nötig, und sie werden einen Unterschied machen.
dynamics of forecast errors. We use high-quality German firm survey data from @ifo_Institut to do this. Results: (1) firms in turbulent environments and on non-zero trends tend to be more uncertain, as are smaller firms. (2) Firms on positive growth trends and large firms are
less uncertain than they should be, given the forecast errors they make. (3) There is substantial subjective both cross-sectional and time-series heteroskedasticity in the data. (4) Firms with bad AND good experiences in the recent past are more uncertain, more so with bad
When it rains, it pours... am Montag hatte ich zunaechst ueber mein neues VAT Working Paper geschrieben, weil es Politikrelevanz hatte. Wie es aber die Zufaelligkeiten des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses so wollen, produziert man manchmal ueber lange Zeit gar kein Paper, und
dann kommen in einer Woche gleich zwei heraus. Hier ist uebrigens eine frei zugaengliche Version. Die Koautoren sind dieses Mal @CarstensenKai , Stefan Lautenbacher und Martin Schneider.
Wie wirkte die temporaere MWST Senkung im zweiten Halbjahr 2020, als Teil des WUMMS Pakets der damaligen Grossen Koalition? Antwort: sie stimulierte den Konsum in Deutschland um etwa 34 Milliarden Euro. Ein Thread:
Der Thread basiert auf dem heute veroeffentlichten NBER working paper "A Temporary VAT Cut as Unconventional Fiscal Policy":
Reinhoeren. Es geht dieses Mal um Einiges. Wir reden ueber Inflation und wo wir uns in den Teams persistent versus transitorisch positionieren. Wir reden auch ueber den Zusammenhang von Staatsverschuldung und Inflation, ...