"Alle zeigen leichte Symptome, erkranken aber nicht schwer". tagesspiegel.de/wissen/erste-b…
Hätte ich bei einer Gruppe von dreifach geimpften "jungen Deutschen" auch nicht anders erwartet. Haben diese Leute erwartet, dass sie anstecken würden? Wie haben sie sich angesteckt? Haben sie sich allein oder zu sehr auf ihre Impfung verlassen?
Das sind die Fragen und der Hintergrund, warum ich mich in diesen beiden Threads für mich vielleicht ungewöhlich scharf zum Thema Omikron und Impfung geäußert haben. Was glaubt ihr wird passieren, wenn Omikron trotz Booster Deutschland überrollt?
Was wird das mit der Impfbereitschaft und der Glaubwürdigkeit der Autoritäten machen, wenn man den Leuten nicht rechtzeitig klar macht, dass praktisch niemand vor Ansteckung durch Omikron geschützt ist, auch geboosterte nicht?
Es geht nicht um 100% Schutz, sondern es geht immer um Schutzfaktoren, und ich finde es essentiell, dass die Leute ungefähr wissen, was welchen Schutzfaktor hat. Hier die Zahlen, die ich verwende:
Isolation: 100% Schutz, Faktor ∞
FFP2/3 Maske: 90-97%, Faktor 10-30
Alle mit FFP2/3 Maske: 97-99%, Faktor 30-100
Booster vs. Delta max: 95-98%, Faktor 20-50
Booster vs. Omicron max: 50%, Faktor 2
2 x Biontech vs. Delta nach 6 Mon: 47%, Faktor 2
2 x Astra vs. Delta nach 6 Mon: -20%, Faktor 0,8
2 x Biontech vs. Omicron nach 6 Mon: -20% Faktor 0,8
Draußen vs. Drinnen: 90%, Faktor 10
Im Graphen findet man die Werte für andere Kombinationen und Zeitabstände.
Sind euch die -20% aufgefallen? Nun, Geimpfte sind unvorsichtiger und haben daher statistisch eine höhere Infektionswahrscheinlichkeit als Ungeimpfte, wenn kein biologischer Schutz vor Ansteckung durch entsprechende Antigene mehr besteht.
Dem gilt es entgegen zu wirken, finde ich. Gut, nun wird immer betont, alles nicht so schlimm, so eine Infektion bei Geimpften, es gibt ja durch die T-Zellen und andere Mechanismen den Schutz vor schwerem Verlauf, der länger anhält.
Leider wird selten dazugesagt, wie hoch denn da der Schutzfaktor ist, denn es ist auch unterschiedlich in den Altersgruppen, und die Studien gehen auseinander, und bei jungen Leuten gibt es zu wenig schwere Fälle, dass man das sicher sagen kann, aber es ist ohnehin...
...in erster Linie eine Frage des Alters. Dieser Graphik kann man eigentlich (fast) alles entnehmen, was man zum Schutz vor Tod durch Impfung wissen muss: Die Fallsterberate bei 80+ (orange) hat sich nach Impfung von 22% vor einem Jahr auf 13% nicht ganz halbiert,...
... und ebenso haben wir eine Halbierung bei 60-69 Jahre (blau) von 5,6% auf 2,8%. Geimpft sind über 85% der 60+ Jährigen. Würde die Impfung zu 100% vor Tod schützen, müssten wir einen Rückgang auf ein fünftel sehen, aber wir sehen "nur" eine Halbierung.
Würde die Impfung zu 60% vor Tod schützen, würden wir einen Rückgang um 49% bei der Fallsterblichkeit bei 85% Impfquote erwarten, und das ist nahe an dem, was wir sehen. Eine etwas genauere Rechnung hat IGES mit RKI-Daten hier aufgemacht:
Hier habe ich das mal für 60+ nachgerechnet, und zwar Gesamtschutz als Faktor und Prozentwert (gelb), sowie den Schutz, der bleibt, wenn man sich Impfung infiziert hat (orange):
Der Gesamtschutz der Impfungen (gelb) ist beeindruckend gut, bis zu 90% bzw. Faktor 10 gegen schwere Verläufe und Tod. Grund genug, sich impfen zu lassen. Wenn man einmal infiziert ist, bleiben Faktor 2-3 bzw. 50-65% gegen schweren Verlauf übrig.
Bin ich zu streng, wenn ich das als ein klein bisschen manipulativ finde, dass unter dem Bild nur die Faktoren für den Gesamtschutz genannt werden? Gut, war bisher vielleicht nicht so relevant. Oder?
Zugleich wird seit längerem fast immer auf den Schutz vor "schwerem Verlauf" hingewiesen, wenn von Ansteckung trotz Impfung berichtet wird, aber selten dazu gesagt wird, wie hoch dieser lang anhaltende "Schwerer-Verlauf-Schutz" eigentlich ist.
Nun, Faktor 2-3, wie wir oben sehen können. Nehme ich jederzeit, aber üppig ist das nicht. Mehr Schwimmhilfe als Rettungsweste, wenn Masken Faktor 10-30 bringen, finde ich.
So richtig relevant kann das aber bei einer Variante wie Omikron werden, die, wie wir sehen, die aktuellen Impfungen praktisch aushebelt. Wir wissen nicht, welche Faktoren wir bei Omikron ansetzen müssen, aber es gibt Expertenstimmen und -berichte in beide Richtungen:
Einerseits, dass es wegen höherer Infektiosität kranker macht, was wohl Drosten vermutet, oder dass aufgrund einer Mutation, die auch in einem harmlosen Erkältungsvirus und im menschlichen Genom zu finden ist, die Omikron-Variante weniger krank macht.
Bis das klar ist, gehe ich einfach davon aus, dass es so krank macht wie Delta und auch der Schwere-Verlauf-Schutz der Impfstoffe gegen Omikron so gut ist wegen Delta. Warum das so sein sollte, erschliesst sich mir nicht unmittelbar, aber ich hörte, ...
...dass die T-Zellen wohl Omikron und Delta infizierte Zellen nicht auseinanderhalten.Der Punkt, auf den ich hinaus möchte ist, dass Omikron wenn einmal durch die gesamte Bevölkerung geht, geimpft oder ungeimpft, wir statt 400.000 Tote "nur" 200.000 Tote hätten, ...
...wenn alle geboostert werden. Und die Intensivstationen füllen sich 2 Wochen später, wenn Omikron auf eine geimpfte statt ungeimpfte Bevölkerung trifft. Nicht missverstehen. Ich will die Impfung nicht kleinreden, sie wirkt Wunder bei Delta, aber wenn Omikron kommt, ...
...bleibt Schutzfaktor 2-3 vor schwerem Verlauf oder Tod übrig, und es würden von den Ü60-Jährigen rund 1,5% sterben, das wären 300.000 Tote. Ich mach das hier ja nicht, um den Impfstoff madig zu machen, ohne wären es bis zu 1 Million, aber ...
...ich fürchte, es sinkt gerade erst sehr langsam ins Bewusstsein der Leute ein, was uns trotz Boostern bevorstehen kann. Natürlich würden wir das nicht so laufen lassen, aber es droht halt eine umso ungemütlichere erste Hälfte von 2022, je mehr wir uns aufs Boostern einbilden.

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8 Dec
Ok, während sich seriöse Wissenschaftler wie @CiesekSandra und @c_drosten darauf fokussieren, die Notwendigkeit des Boosterns herauszustellen und zu betonen, dass es nicht ganz so schlimm ist, wie es auf den ersten Blick aussieht, hatte ich keinen Nerv, irgend was zu beschönigen.
Das macht Pfizer auch hervorragend in dieser Pressemittteilung, die den Eindruck erweckt, dass die aktuellen Impfstoffe ganz toll schützen, wenn man 3 Dosen hat, und dass geboosterte 25 x besser vor Ansteckung durch Omicron geschützt sind. pfizer.com/news/press-rel…
Was jetzt nichts darüber aussagt, wie hoch der Schutz vor Ansteckung gegenüber Ungeimpften ist, aber Pfizer sagt, dass 3 Dosen vor Ansteckung mit Omicron so gut schützen wie 2 Dosen vor Delta. Das deckt sich in etwa mit den von @CiesekSandra präsentierten Daten, allerdings...
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8 Dec
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8 Dec
Sehr traurig und tragisch, das Ganze, aber alles andere als "unbegreiflich", wie im Artikel steht. Ich glaube nicht, dass der Vater irre oder geisteskrank war, jedenfalls nicht allgemein. Ja, es lag sicher eine akute, schwere geistige Störung vor, aber...
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7 Dec
@peterbschmidt @Pendolino70 Ja, ich habe das in der Schule auch nicht gelernt. Stell dir einfach vor, dass du mit derselben DNA dutzende Hunderassen "erzeugen" kannst, indem du einfach die "Config" aus Proteinen in der weiblichen Einzelle änderst und nur änderst, wie und welches Gen aktiv ist.
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Viele werden es nicht gerne hören, aber Impfgegnerschaft, oder spezifischer, die Angst vor mRNA-Impfungen und Vektorimpfungen dürfte nicht wesentlich irrationaler sein als die Angst vor genetisch modifizieren Organismen oder Atomkraft.
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