Als Argument gegen staatliche Eingriffe zur Eindämmung des Infektionsgeschehens („Lockdown“) werden als „Gegengewicht“ oft Depressionen, Suizide(-versuche) und Gewalt gegen Frauen und Kinder in Privathaushalten aufgeführt.
Ein paar Fakten und persönliche Gedanken dazu. (Thread)
Mentale Gesundheit ist ein hohes Gut, das mMn in unserer Gesellschaft und bei Public Health Care sowieso schon zu kurz kommt, bisher zu kurz kam und wenig thematisiert wurde - ein schon lange bestehendes Problem, das in der Krise noch verstärkt wird.
Depressionen sind keine schlechten Launen, die man nur mit ein wenig positive lifestyle, Konzerten oder Aktivität in den Griff bekommt, sondern eine ernsthafte Erkrankung. Wer den Begriff leichtfertig benutzt, tut den Betroffenen mMn unrecht.
Niemand will depressive Erkrankungen, Suizide o. häusliche Gewalt fördern. Wenn Anzahl dieser zunimmt, wird wohl kaum jemand sagen: so what? Diese Zahlen gehören (auch) in den Fokus. Hinter jeder Zahl steckt ein menschliches Schicksal, das Aufmerksamkeit und Solidarität verdient.
Marlene Lufen, Moderatorin/Journalistin SAT1, hat Zahlen recherchiert und diese auf ihrem Instagram Kanal veröffentlicht, mit denen sie dazu anregen möchte, darüber nachzudenken, diese gegen den Infektionsschutz abzuwägen. Es folgen Beispiele:
23% mehr Fälle von Gewalt an Kindern in der Gewaltambulanz der Charité im ersten Halbjahr 2020
„Nummer gegen Kummer“ Online-Beratung hatte Zuwachs von 31% zum Vorjahr.
„Hilfetelefon Gewalt gg. Frauen“ verzeichnet seit 04/2020 einen sprunghaften Anstieg an Beratungen von 15-20%.
#MarleneLufen: „Immer wenn im TV irgendjemand sagt <Wir müssen uns noch ein wenig zusammen reissen, lockdown durchhalten>, hat irgendein Kind zu Hause die Faust vom Vater im Gesicht, wird irgendwo eine Frau geschlagen, überlegt ein Jugendlicher, ob er sich von der Brücke stürzt.“
Ich kann garnicht in Worte fassen, wie sehr mich diese Aussage entsetzt. Frau Lufen (aber auch Maßnahmengegner) instrumentalisiert hier mMn tragische psychologische Erkrankungen, was ich maximal befremdlich und irritierend finde. Denn: was ist denn die logische Konsequenz?
Die Aussage suggeriert mMn, ein Entscheidungsträger (Politiker) oder Maßnahmenbefürwörter wie entweder Wissenschaftler oder Bürger, seien regelrecht verantwortlich für o.g. tragische Ereignisse. Das ist nicht nur sachlich falsch, ich empfinde es auch als eine bodenlose Frechheit.
Wir heben die Kontaktbeschränkungen auf und dann ist der suizidgefährdete Jugendliche nicht mehr suizidgefährdet? Der gewaltbereite Mann zu Hause ist nicht mehr gewaltbereit ggü. Frau und Kindern? Depressive sind geheilt von Depressionen?
Den Betroffenen ist doch nicht geholfen, wenn Diskotheken, Kinos oder Shoppingmalls öffnen, oder? Wie wäre es also mit mehr Hilfe für diese Menschen durch jeden von uns? Angebote, Briefe, Gespräche, Telefonate, Unterbringung in Frauenhäuser/andere sichere Einrichtungen o.ä.?
Wenn wir wieder in unserem Hamsterrad sind, interessiert sich wohl kaum jemand mehr dafür - ich behaupte: die wenigsten. So wie es gefühlt bisher auch war. Für alle heißt es dann wohl: Back to business as usual. The show must go on.
Wer soll überhaupt entscheiden und messen, ob jemandes mentale Gesundheit „wichtiger“ ist als die körperliche Unversehrtheit von jemand anderem? Wieviele Longcovid-Erkrankte sind akzeptabel, um weniger Hilferufe bei „Nummer gegen Kummer“ zu verzeichnen?
Wie „verrechnet“ man überhaupt positive Nebeneffekte der Pandemie (und/oder Maßnahmen) mit den negativen?
„Väter waren bereit, sich angesichts veränderter beruflicher Situationen deutlich mehr um die Kinder zu kümmern.“ dji.de/fileadmin/user…
D konnte 2020 seine CO2-Emissionen um 80 Millionen Tonnen verringern - und übertrifft damit seine Klimaziele. tagesschau.de/inland/corona-…
Um das klar zu stellen: ich persönlich möchte nicht 1t CO2eq gg. Anzahl C19-Toter, oder 10 gestärkte Vater-Kind-Beziehungen gg. 1 gewalttätige Tat, oder 1 Verkehrstoten gg 2 suizidgefährdete Jugendliche abwägen. Genau das implizieren mMn aber oftmals solche „Forderungen“.
Tatsächlich zeigen im Übrigen manche Daten zu Suiziden etwas anderes:
In Frankfurt im Vrgl. zum Vorjahreszeitraum Rückgang der absoluten Zahl der Suizide um 30 Prozent“ aerzteblatt.de/nachrichten/11…
Wer öffentlich Abwägungen fordert, soll mMn Verantwortung übernehmen und konkrete Aussagen treffen, wessen und wieviel körperliche und/oder mentale Gesundheit gegeneinander abgewogen werden soll und nicht lediglich „zum Nachdenken anregen“ und damit irritieren und sabotieren.
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Ich schätze, Glückwünsche sind angebracht. Prof. #Streeck|s Buch <Hotspot> ist heute -am Tag der Veröffentlichung- Bestseller #1 bei Amazon.
Hier ein paar Zitate aus der Leseprobe:
„Sachbuch“ erschienen 01.02.2021 und laut Piper-Verlag:
<„Hotspot“ bietet einen spannenden Einblick in die aktuelle Forschung und liefert zugleich neueste Erkenntnisse zu Sars-CoV-2 und dem Pandemiegeschehen.>
„1. Kapitel - Ein neues Virus
21. Januar 2020, am Nachmittag. Ich eilte den Venusberg hinunter, um den Zug nach Brüssel noch zu bekommen. Gerade einmal ein paar Monate war es her, dass ich meine neue Stelle […]“
<Hotspot>, H. Streeck
"Nun scheinen einige Virologen permanent in der Öffentlichkeit zu stehen, Interviews zu geben und die Bundesregierung zu beraten. Andere erleben dagegen Hochs und Tiefs in ihrer Präsenz. Einer der letzteren Sorte ist Hendrik #Streeck"
Ähmmm... really?
„Ich hatte am Donnerstag vor diesem Termin ein Telefonat mit einem Ministerpräsidenten, der mich oder den Epidemiologen Klaus Stöhr in die Beratung holen wollte, und habe mir den entsprechenden Montag frei gehalten“, so #Streeck.
Warum diese öffentliche Diskussion mMn kontraproduktiv ist, mindestens aber eine Nebelkerze und ein Pseudo-Alternativ-Pandemie-Strategie-Vorschlag ist.
Thread, gern RT + DruKo
Fakt 1 - Schutz vulnerabler Gruppen/Einrichtungen wurde seit Pandemiebeginn berücksichtigt
Fakt 2 - Infektionsgeschehen bremsen u. Fallzahlen niedrig halten steht nicht im Widerspruch zum Schutz vuln. G/E
Fakt 3 - Je höher die FZ, desto höher die Infektionswahrscheinlichkeit
Öffentliche Kritik und konkrete Verbesserungsvorschläge sollten mMn gezielt Verantwortliche ansprechen.
Medienwirksame aber schwammige Äußerungen mit Formulierungen wie „Wir müssen…“ oder „Es wurde versäumt…“ ist mMn sinnfreies bzw. leeres Profilierungsgerede.
Prof. S. #Homburg gab ein Interview 11/2020 - einem Propaganda-Portal, welches Teil eines schiitischen-islamistischen Netzwerks sein soll mit dem Ziel der Verbreitung der Ideologie des iranischen Mullah-Regimes und das Schüren von Hass auf den Staat Israel.
Anbei Zitate daraus:
Es handelt sich um das zweite Interview bereits. Das erste erfolgte im Jahr 2012.
„Der niedersächsische Verfassungsschutz bestätigt gegenüber Panorama 3, bei dem Portal "Muslim-Markt" handele es sich um "ein bundesweit bedeutsames schiitisches Internetportal", dieses sei "dem schiitischen Islamismus zuzurechnen".
Dankbarkeit für und Lob an die deutsche Hochschullandschaft, Forschungsperformance, ärztliche Versorgung und Wissenstransfer ist angebracht - trotz oder vielleicht gerade wegen "pandemiebedingten Titelmissbrauchs" diverser Profes. und Dres.
Ich habe in Deutschland studiert, arbeite in d. freien Wirtschaft mit Akademikern aus der ganzen Welt zusammen. Meine Hochschulabschlüsse und Qualifikation wurden bisher in jedem Land hoch angesehen. Ich bin dankbar, einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsweg genossen zu haben.
Mir fallen während d. Pandemie besonders Akademiker auf. Akademiker, d. sich von Wissenschaft entfernen, Unsinn verbreiten, ihre Kompetenzen überschätzen.
Menschen, d. hohes Ansehen in d. Gesellschaft genießen, nutzen ihre Titel aus, profilieren sich, desinformieren, irritieren