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10 Apr, 18 tweets, 4 min read
Die Forderungen von Valentin Vogt, dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes, sind menschenverachtend, weil ihn das Leid Zigtausender nicht zu kümmern scheint. Sie sind auch dumm, weil sie Schaden verursachen auf praktisch allen Dimensionen. #VogtMussWeg 1/16
Vogt hat fundamentale Zusammenhänge nicht verstanden. Eine Übersicht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. 2/16
Vogt scheint nicht zu verstehen, dass wir nicht warten können, bis wir 30’000 tägliche Fälle haben, und die dann stabil halten. Ist die Pandemie dermassen ausser Kontrolle, werden Fallzahlen weiter steigen. 3/16
Zudem: Wäre es uns möglich, Fallzahlen gezielt bei 30’000 zu stabilisieren, weshalb stabilisieren wir sie denn nicht schon heute auf viel tieferem Niveau und ersparen uns zusätzliches Leid? Oder reduzieren erst Fälle und stabilisieren dann? 4/16
Vogt scheint nicht zu verstehen, dass Fallzahlen sich bei den Ungeimpften konzentrieren. Und es auch bei Menschen jünger als 60 zu schweren Verläufen, Langzeitfolgen und Tod kommt. Je höher die Fallzahlen, desto mehr sind betroffen. 5/16
Vogt scheint nicht zu verstehen, dass wir es nun mit einer neuen Virusvariante zu tun haben, die nicht nur ansteckender ist, sondern auch zu schwereren Verläufen führt. Auch bei Jüngeren, die zudem länger durchhalten und dadurch Spitalbetten länger belegen. 6/16
Wie die Entwicklung bei vollständiger Öffnung nach Impfung der Senioren aussehen könnte, habe ich hier illustriert - mit optimistischen Annahmen: 7/16

opakoebi.medium.com/was-geschieht-…
Vogt scheint nicht zu verstehen, welchen Einfluss Langzeitbeschwerden auf die Arbeitswelt haben werden. Durchseuchen wir die Bevölkerung, so werden zigtausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer monate- oder gar jahrelang beeinträchtigt sein oder vollständig ausfallen. 8/16
Das kann doch nicht im Interesse der Arbeitgeber sein. Als Ökonom sollte Vogt nicht nur die direkten Kosten, sondern auch die indirekten Auswirkungen verstehen. Wie werden fehlende Mitarbeiter ersetzt, wenn andere Firmen vor demselben Problem stehen? 9/16
Vogt scheint auch nicht zu verstehen, was die schon lange anhaltende Belastung der Spitäler und des Pflegepersonals bedeutet, insbesondere, wenn sie noch drastisch weiter zunimmt. Daran leidet nicht nur dieses Personal selbst, … 10/16
... sondern auch alle Patienten, die eine Behandlung benötigen. Unabhängig davon, worum es sich genau handelt, also weit über Corona-Betroffene hinaus. Auch die langfristige Gesundheitsversorgung ist gefährdet durch krankes Gesundheitspersonal und Kündigungen. 11/16
30’000 Fälle pro Tag machen die Schweiz zudem zum Höchstrisikoland. Das hat nicht nur ganz direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft (wir erinnern uns ans Verschwinden des WEF…), sondern schädigt auch unser internationales Ansehen nachhaltig. 12/16
Wie will man Kunden und Geschäftspartner von Schweizer Werten, Qualität und Zuverlässigkeit überzeugen, wenn wir unablässig Inkompetenz in diversen Bereichen zur Schau stellen und nicht mal die Gesundheit der eigenen Bevölkerung schützen können? 13/16
Ich möchte auch an die weisen Worte von @Karl_Lauterbach erinnern: 14/16

Die Verrohung des Diskurses und die Leichtfertigkeit, mit der gefordert wird, dass Hunderttausende krank gemacht werden, erschrecken mich. Das ist nur möglich, weil Corona-Opfer grösstenteils anonym bleiben. Wir blenden sie aus und die Medien helfen aktiv mit. 15/16
Bei vielen anderen Themen, die deutlich kleinere Opferzahlen fordern, wären wir völlig empört. Vermutlich, weil das Leid fassbarer ist. Bei Corona bleibt es verborgen. 16/16

opakoebi.medium.com/entschuldigung…
Nachtrag: Einige weisen darauf hin, dass bei 30’000 Fällen pro Tag Quarantänen von Kontaktpersonen das Land lahmlegen würden.

Das stimmt zwar in Theorie. In der Praxis fände Contact Tracing schlichtweg nicht mehr statt. Es scheitert ja schon bei viel tieferen Zahlen.
Zudem könnte ich mir vorstellen, dass Vogt sich für einen Verzicht auf Quarantänen einsetzen würde. Sollen gefälligst alle am Arbeitsplatz erscheinen, produktiv sein und die Durchseuchung vorantreiben.

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11 Apr
Sehr interessantes Gespräch mit @elvira_rosert.

Zwei Stunden, aber ich kann’s in voller Länge empfehlen. Funktioniert auch gut auf dem Kopfhörer, während man sich um den Haushalt kümmert. 1/5

Rosert glänzt nicht nur regelmässig mit köstlichen Tweets, sondern mir gefallen auch besonders ihre neuen Blickwinkel und die einleuchtenden Analogien. 2/5
z.B. die von Kontakt-Abstinenz vs. Kontakt-Aufklärung. Verbietet man alle Kontakte, so treffen sich Leute im Geheimen auf unsichere Art und Weise. Und so gibt’s mehr Ansteckungen - wie auch “abstinence only”-Sexualerziehung zu mehr Schwangerschaften führt. 3/5
Read 5 tweets
10 Apr
Gegner von NoCovid bezeichnen die Strategie häufig als realitätsfremdes Wunschdenken. Eines ihrer Hauptargumente würde sich in einem anderen Kontext so anhören: 1/6
"Verkehrsregeln bringen sowieso nichts. Wie willst Du denn verhindern, dass jemand bei Rot über die Ampel fährt? Siehst Du!?! Militär an jeder Kreuzung? Völliges Wunschdenken, das funktioniert nie!" 2/6
Weshalb funktionieren Verkehrsregeln? Weil wenn sich die überwiegende Mehrheit daran hält, einzelne Ausreisser das Gesamtsystem nicht in Gefahr bringen.

Und weil die Verkehrsteilnehmer schnell einsehen, dass es allen besser ergeht mit Regeln. 3/6
Read 6 tweets
8 Apr
Ein unglaublich langer Text (sogar für meine Verhältnisse), aber sehr empfehlenswert.

Es folgen ein paar Auszüge von kurzen Textstellen, die ich für besonders relevant halte. 1/17

mittellaendische.ch/2021/04/07/1-j…
"Die Politik müht sich immer noch mit Problemen ab, die schon seit April 2020 offenkundig sind, die sie aber immer noch nicht verstanden haben." 2/17
"Im Gegensatz zur Wissenschaft haben Politik, Medien und Teile der Gesellschaft in dieser Pandemie keine gute Figur gemacht." 3/17
Read 17 tweets
30 Mar
#srfclub von heute Abend geschaut, entsprechend Auftrag.

Wichtigste Erkenntnis: Das BAG hat ein massives Kulturproblem. Sie können nicht mit Fehlern umgehen, sondern tun ihr Bestes, sie unter den Teppich zu kehren. Das ist brandgefährlich in einer Pandemie. 1/43
Marques bemängelt, die Bundesverwaltung sei zu wenig transparent. Es werden einem Steine in den Weg gelegt, wenn man Zugang zu Dokumenten verlangt. Er wurde erst jeweils abgeblockt. Sogar eine Schlichtungssitzung sei nötig gewesen. 2/43
Dokumente wurden teilweise als Screenshots zur Verfügung gestellt, waren also nicht maschinenlesbar. Das zeigt ebenfalls Probleme mit Digitalisierung. 3/43
Read 43 tweets
27 Mar
Diese Sendung von Markus Lanz kann ich sehr empfehlen zum aktuellen Corona-Geschehen.

In der Schweiz fehlen uns leider Formate dieser Qualität. Ein paar Beobachtungen. 1/11

zdf.de/gesellschaft/m…
Da unterhalten sich Fachexperten. Nicht (nur) Politiker. Sie hören einander zu. Erklären, wo sie sich einig sind, und differenzieren klar, wo es unterschiedliche Ansichten gibt. Sie sitzen, bereit für einen konstruktiven Austausch. Sie stehen nicht, bereit zum Kampf. 2/11
Es geht nicht in erster Linie darum, Schuld zuzuweisen oder andern Wähler strittig zu machen. Sondern darum, Entwicklungen und Zusammenhänge zu verstehen. Und gemeinsam um Lösungen zu ringen. 3/11
Read 11 tweets
24 Mar
Lieber Bundesrat,

Bis Ende Juni sind ja alle geimpft und dann ist die Pandemie vorbei. Darauf freue ich mich.

Falls das dummerweise - aus welchen Gründen auch immer - nicht geschehen sollte, könnten wir dann #NoCovid ernsthaft in Betracht ziehen ab Juli? 1/12
Und könnten wir dafür vielleicht heute schon planen? Einfach mal durchdenken, wie das in der Schweiz klappen könnte. Nur für den Fall. Sozusagen als Versicherung. Die Investitionen dafür wären vergleichsweise minim. 2/12
Wir hätten denselben Ansatz z.B. mit der Testinfrastruktur wählen können. Und die schon im Sommer 2020 ausbauen. Nur für den Fall. Als Versicherung, könnte ja sein, dass wir sie später dringend benötigen. Investitionen hätten sich locker gelohnt. 3/12
Read 12 tweets

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