Sebastian Susteck Profile picture
Literaturwissenschaft & -didaktik an der Ruhr-Universität Bochum; Taskforce Nachhaltigkeit d. RUB; Bildung & Deutschunterricht; Klima; @Ssusteck@ruhr.social

Jun 14, 2019, 20 tweets

Was trägt #Fachwissen zum schulischen Lehrerfolg bei? @shorstkotte @derwahremawa Wichtige Frage des #Studiums #Lehramt, aber sehr schwer (kurz) zu beantworten. Hier ein Versuch, der stark selektiv ist. Es lohnt zunächst ein Blick auf das Beispiel #Mathematik, und zwar /1

weil hier mit der bekannten #COACTIV-Studie die aussagekräftigsten empirischen Daten vorliegen. Gezeigt wird (a), dass der Lernerfolg von SuS von #fachdidaktischen Kompetenzen der LuL abhängt, z. B. Erklärkompetenzen; (b) das aber #fachwissenschaftliches Wissen notwendige /2

Bedingung von Lernerfolg und didaktischer Handlungsfähigkeit ist. COACTIV bietet neben Ergebnissen eine einflussreiche Modellierung relevanter Wissensfelder von (werdenden) LuL. Noch wichtiger: Es wird gefragt, was fachwiss. Wissen für das Lehramt heißt. /3

Problem im #Studium ist der Eindruck v. #Studierenden, wiss. Wissen erwerben zu müssen, das beruflich nichts nützt. COACTIV trennt vier Formen math. Wissens: (a) Alltagswissen, (b) unterrichtete Schulmathematik, (c) profundes Verständnis i. d. Schule unterrichteter Mathematik /4

(d) universitäres Forschungswissen zur Mathematik. Als #schulrelevant wird nun (c) angesetzt, also umfassendes Wissen zur Schulmathematik, das das Wissen (b) übertrifft, unter dem nur der konkret unterrichtete Stoff zu verstehen ist. Der Sinn der Fokussierung auf (c) ist m. E. /5

dass dieses Wissen unterrichtliche Flexibilität, Handlungs- & Planungskompetenz sichert, spontane Erklärungen ermöglicht & LuL in einer Position permanenten Überblicks platziert. Entspr. Erläuterungen für die Didaktik auch d. #Chemie bietet abl-lehrerverbaende.de/downloads/vort…. /6

Überträgt man dies nun auf das #Unterrichtsfach #Deutsch, sieht man, dass Beschwerden d. Studierenden Recht & Unrecht haben: Auch hier müsste ein Wissen analog zu (c) hochrelevant sein; keinesfalls reichen wohl (a) o. (b), ABER ein Studium nur von (d) ist auch problematisch. /7

Blickt man nun auf die emp. Forschung, kann man auf die Studie TEDS-LT für #Deutsch zurückgreifen. Einige wichtige Ergebnisse sind: Wenig kumulativer Wissensaufbau, keine Verbindung von Sprachwiss. & Litwiss. & oft v. a. Studium einer Seite, lit.wiss. Fehlen hist. Wissens /8

zu große Spezialisierung (im Sinne von (d)?) & im Vgl. zur Mathematik der Eindruck, eher wenig gefordert zu sein. Das sind Probleme des #Studiums, aber sie sind in der #Philologie bes. heikel, weil sie auch m. Strukturen der Wissenschaft zu tun haben. /9

Zu diesen Strukturen gibt es einen sehr schönen Aufsatz von Silke Jahr 2009 im Sammelband "Typen von Wissen". Sehr knapp: Naturwiss.-math. Wissen ist eher hierarchisch, geisteswiss. Wissen eher horizontal-netzförmig organisiert. Das stellt bes. Herausforderungen an LuL, die /10

umfangreiche Wissensbestände brauchen. Zugl. gibt es bes. starke Transfermöglichkiten. Dabei spielt exemplarisches #Lernen eine bes. Rolle. Zugespitzt: Es ist nicht entscheidend, ob ich #Goethe o. #Schiller gut kenne, aber einen muss ich kennen, um StuDr zu unterrichten. /11

Was tue ich also, um Studierenden den Sinn universitären Wissens f. d. Schule zu zeigen? Zunächst klarmachen, dass wir Wissen im Sinne von COACTIV-(c) benötigen. Um zu überlegen, worauf sich dies beziehen muss, hilft z. B. ein Blick auf die Themenfelder, die /12

Ursula Jünger 2016 in Frageform markiert hat (Bild). Dann versuche ich Verständnis f. d. bes. Struktur geisteswissenschaftlichen Wissens & die damit verbundenen Herausforderungen zu wecken. Schon aufgrund dieser Wissensstruktur ist reines #Rezeptlernen unmöglich. /13

Desweiteren kann man zur Erläuterung gut auf Texte der #Expertenforschung zugreifen. Was kennzeichnet Experten abstrakt: Bes. umfangreiche Begriffe, stark vernetzte Begriffe, dadurch Flexibilität. Z. B. zeigt der klass. Aufsatz von Iris Winkler 2007 /14

"Welches Wissen fördert das Verstehen literarischer Texte?" sehr schön, wie sich Textumgangskompetenzen von guten SuS und ausgebildeten Lit.wissenschaftlern unterscheiden, was man auch #Studierenden zeigen kann. Ich arbeite die Unterschiede, wenn ich Zeit habe, dann am /15

Bsp. des Konzept "#Novelle" aus. Zwei graphisches Darstellungen zeigen, was ein guter SuS am Ende der Sek I ungefähr über Novellen weiß & was ein gut informierte LuL wissen kann. Wozu das gut ist? Z. B., um Dinge zu erklären. Nehmen wir Goethes Novellen-Def. Was heißt hier /16

"Begebenheit"? Um das nachvollziehbar zu machen, muss man schon ein wenig Fachwissen haben. (Analog "offenes Ende" bei Kurzgeschichten: Die Def. im #Schulbuch reicht hier für echtes Verstehen oft doch nicht.) Übrigens weisen die zwei Graphiken auch auf das /17

Gewicht didakt. Wissens hin, denn wenn ich etwas erklären will, sollte ich doch eine ungefähre Vorstellung haben, was die SuS darüber wissen können. Wir kommen so in jedem Fall bei zwei Aussagen an. (1.) ist tatsächl. nicht jedes wiss. Wissen für werdende LuL gleich relevant. /18

(2.) sollte man für guten #Unterricht aber deutlich mehr wissen, als unmittelbar benötigt wird. Das alles ist nun stark lit.wiss.-lastig & betrifft zudem bes. deklaratives Wissen. Als Ansatz dafür, Verständnis für die Arbeit im #Studium zu wecken, hilft es aber vielleicht. /19

Ansonsten können wir auf aussagekräftige Daten für die #Geisteswissenschaften hoffen - durch die interessante Studie FALKO, die COACTIV repliziert & aus der es bereits erste Erkenntnisse gibt, die für Rückschlüsse aber wohl noch zu vertiefen sind.

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