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Ein paar Gedanken zur #Bundesheer Debatte in #Österreich.

Laut Medienberichten wird die militärische Landesverteidigung auf ein Minimum reduziert (Schwerpunkt Infanterie), das Militär auf Cyberdefence u. Katastrophenschutz ausgerichtet.

orf.at/stories/317082…

#thread 👇
1/n
Mit Ausnahme von Cyberdefence wird hier institutionalisiert was de-facto schon lange der Fall ist: Das #Bundesheer "kann nicht" mil. Landesverteidigung.

1.) Im jetzigen Rahmen sind effektive konventionelle Operationen und der Kampf der verbundenen Waffen nicht möglich.
In der Geschichte des Bundesheeres war solch ein Einsatz aber auch nie möglich aus mehreren Gründen, aber ich nenne nur einen:

Fehlende Luftabwehr (z.b., Langstrecken Boden-Luft-Raketen) und Lufstreitkräfte die z.b. Bereitstellungsräume von Panzerreserven schützen würden.
Man nehme nur das Konzept der Raumverteidigung aus den 1970er/80er Jahren. Jede "Schlüsselzone" u. "Gegenangriff" (siehe Bild) wäre wegen fehlender Luftabwehr vom Warschauer Pakt sofort zerschlagen worden. truppendienst.com/themen/beitrae…
De-facto hätte nur der infanteristische Jagdkampf nach Muster der finnischen Tiefenverteidigung funktioniert. Hierzu fehlten aber bodengestützte Lenkwaffen gegen Panzerverbände. Also auch im Kalten Krieg war effektive Landesverteidigung unmöglich.

Siehe: jstor.org/stable/2538420…
Zur Doktrin des Kampfes der der verbundenen Waffen sei auch gesagt, dass dieses Konzept teilweise obsolet ist und durch "Multi-Domain Operations (MDO)" (Multi-Dimensionale Operationen) langsam abgelöst werden wird. Hintergrund zu MDO. rusi.org/sites/default/…
Kampf der der verbundenen Waffen ohne Cyberspace Operationen, gepaart mit KI als Führungsunterstützung, sowie semi-autonomen unbemannten Kapazitäten wird in den nächsten 20 Jahren schwer möglich sein. Hier gibt es aber Defizite bei allen europäischen Streitkräften. #Bundesheer
Grundsätzlich muß man sich die Frage stellen ob sich ein "bündnisfreies" Land wie Österreich grundsätzlich (selbst mit ausreichend Ressourcen) effektiv militärisch verteidigen lässt. In Wirklichkeit ist die Antwort ein klares Nein. Das sieht sofort jeder militärischer Planner.
Im "Ernstfall" HOFFT daher das "neutrale" Österreich auf Bündnistreue anderer europäischer Staaten (so wie Ö. im Kalten Krieg.) Konkrete mil. Pläne gibt es dazu natürlich nicht, aber man hofft das z.b. Luftsicherung durch andere Staaten im Ernstfall bereitgestellt wird.
Deshalb wird auch bei Übungen mechanisierter Verbände im Rahmen der territorialen Verteidigung oft "Luftüberlegenheit" (durch "Verbündete" bereitgestellt) angenommen. Grundsätzlich wird aber der Kampf der verbundenen Waffen sowieso gar nicht mehr geübt.
Genug davon. Nun zur Cyberdefence: Kein Land kann effektive Cyberdefence ohne mil. Nachrichtendienste mit guter Fernmelde- und Elektronische Aufklärung durchführen. Auch sogenannte offensive Cyber Kapazitäten gehören hier dazu. Das dauert lang und ist teuer.
Mit anderen Worten, ohne langfristige Investitionen in diesem Bereich (hier geht es um hunderte von Millionen sogar Milliarden) gepaart mit Doktrinentwicklung geht hier gar nichts. Cyber Defence≠IT Sicherheit. Cyber ist der Grundbaustein jeder zukünftigen Landesverteidigung.
Daher muss jede neue Reform die Stärkung, bzw. Aufbau von Fernmelde- und Elektronische Aufklärung (z.b. die
Gewinnung von Erkenntnissen im elektromagnetischen Spektrum--wichtig für "Active Defence") beinhalten. Davon wurde aber heute nicht berichtet. #Bundesheer
Auch davon genug.

Ein paar allgemeine Punkte.

1.) Wirtschaftliche Effizienz (das eigentliche Ziel aller Reformen) ≠ militärische Effektivität. McKinsey zur Prozessoptimierung ist falsch. Im militärischen Wettbewerb gelten andere Regeln als in der Wirtschaft.
. @ELuttwak hat dieses Prinzip schon in den 1980er Jahren gut zusammengefasst. Siehe:

tandfonline.com/doi/abs/10.108…
2.) Paradoxerweise macht gerade die Abrüstung schwerer Waffensysteme deren Einsatz und einen „konventionellen“ Schlagabtausch in den 2020er-Jahren wahrscheinlicher.
diepresse.com/5763698/warum-… #Bundesheer
Bertha von Suttner beschrieb diese Paradoxe Logik schon 1891: „Ein ewiges Vorbereiten auf das, was durch die Vorbereitung vermieden werden soll, zugleich ein Vermeiden dessen, was durch die Vermeidung vorbereitet wird.“ Das gilt auch heute noch.
Letztendlich sollte die Kernaufgabe jedes europäischen Heeres die konventionelle Abschreckung sein.

kleinezeitung.at/politik/innenp…
Das #Bundesheer soll die Erhaltung des Friedens gewährleisten, indem es potenzielle Aggressoren auf dem Land, in der Luft und im Cyberspace durch die Aussicht auf immensen Schaden davor abschreckt, Österreich in jeglicher Form anzugreifen.
Alle anderen Aufgaben wie etwa Katastrophenschutz und Assistenzeinsätze sind sekundär.
Addendum: Neuer Schwerpunkt Drohnenabwehr
ist auch genauer zu hinterfragen. Was will man da anschaffen? Jamming, Laser, eigene UAVs, Abfangraketen? Kostest alles Geld...
Übrigens, wenn Drohnenschwarmabwehr dastehen würde hätte ich vielleicht weniger bedenken.
4 Fragen die ich hätte:

1) Wurde der Generalstab eingebunden oder informiert?
2) Warum wurde "Unser Heer 2030" ignoriert?
3) Was ist genau mit Drohnenabwehr gemeint?
4) Wird das Portfolio der Nachrichtendienste erweitert auf Grund von Cyber Defence Schwerpunkt? #Bundesheer
Meine Meinung zu CyberDefence in @kleinezeitung: „Hier müss­ten 100 Mil­l. oder sogar ei­ni­ge Mil­li­ar­den in­ves­tiert und eine [neue] Dok­trin ent­wi­ckelt wer­den. Das muss alles gut durch­dacht wer­den." #Bundesheer
Und eine rhetorische Frage zu Cyber und #Bundesheer im Artikel: "Die Frage ist, ob Ös­ter­reich be­reit ist, geg­ne­ri­sche Netz­wer­ke aktiv aus­zu­schal­ten.“ (oder die Fähigkeit hat dies zu tun, ohne "persistent engagement" Kapazität/Doktrin.
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