- Verstummungseffekte (Silencing) von Hassrede sind "gut dokumentiert" und betreffen "überproportional" Frauen (87 f.)
- Die Rspr. des BVerfG wird auf aktuellem Stand präzise dargestellt (88-90). 2/
- Ist § 46 StGB mit den Verboten des Sonderrechts und der Standpunktdiskriminierung vereinbar? Dies wird geprüft, aber mit zustimmungswürdigen Erwägungen (nur Strafzumessung) verneint (91-93). 3/
Meinungsfreiheit wird besonders zu berücksichtigen sein (95) bei Bestrafung der
- Androhung (§ 126 StGB) nun auch: von gef. Körperverletzung und best. Taten gegen die sexuelle Selbstbest.
- Billigung (nun auch: künftiger) Straftaten (§ 140 StGB) 4/
- (Rechtsgut: der Beitrag stellt offenbar nicht auf öff. Friede ab; vgl. 97; dieser käme aber in Betracht; vgl. ausdr. Erw. von § 140 im Wunsiedel-Beschl.)
- Katalog des § 140 StGB sei aber zu weit gefasst ("Geld- oder Wertzeichenfälschungsdelikte": "unangemessen"). 5/
- Bedrohung (§ 241 StGB): nicht mehr nur mit Verbrechen, sondern mit rechtsw. Taten gg sexuelle Selbstbest., körp. Unv., pers. Freih. od. gg "Sache von bedeutendem Wert"
- Teils "zu weitgehend" (96 f.); Sachbeschädigung: abzul. ("systemfremd", kein höchstpers. Rechtsgut). 6/
- §§ 185 ff. StGB:
-- § 185: Strafrahmen bei öff. Beleidigung jetzt bis zu zwei Jahre (Gesetzesbegr.: soz. Medien) (97)
-- § 188 schließt jetzt ausdr. Kommunalpolitiker:innen ein (97 f.) 7/
- weitergehender Vorschlag des Bay. Staatsmin. d. Justiz von 2019 (Qualifikationstatb. für menschenverachtende Inhalte): Standpunktdiskriminierung (98 f.) 8/
- Vorschlag von Sven Großmann sei dagegen auf M.würdeverletzungen und damit auf Äußerungen beschränkt, die nicht dem Verbot der Standpunkt unterfielen (99) 9/
(- einerseits würde ich demgegenüber in der Tat [vgl. 99 Fn. 103] mit dem BVerfG annehmen, dass auch Menschenwürdeschutz nur durch allgemeine Gesetze erfolgen darf; vgl. BVerfGE 124, 300 [326 f.]...) 10/
(... andererseits heißt das aber nicht, dass Regelungen wie z.B. § 130 I StGB Standpunktdiskriminierung sein müssen; dies ist ja nicht schon jede Inhaltsanknüpfung.... und § 130 I Nr. 1 z.B. stellt ja - auch - allgemein auf "Teile der Bevölkerung" ab.) 11/
(Generell kann Hassrede denke ich abgewehrt werden, ohne dass dafür Sonderrecht nur gegen "rechts" geschaffen werden müsste..., s.a bpb.de/system/files/d…, S. 19, und in: Ridder/Breitbach/Deiseroth, Versammlungsrecht, 2020, §15 II VersG, Rn. 384ff., 464ff.) 12/
Fazit von Steinl/Schemmel (100): Die Reformen "sind ein wichtiges Signal", an einigen Stellen jedoch "zu weitgehend". Einige Tatbestände rückten "besonders nah an die Alltagskommunikation heran". 13/
Zu Recht betonen sie auch, dass es mit dem Strafrecht "nicht getan" sein kann: "Das Strafrecht allein ist kein geeignetes Mittel zur Lösung gesellschaftlicher Konflikte." 14/
Gefragt ist "eine ganzheitliche Strategie, die die Zivilgesellschaft stärkt und aktiviert, Meinungskonzerne in die Pflicht nimmt und die Strafverfolgungsbehörden" hinreichend ausstattet - und die "empirische Identifizierung besonders vulnerabler Personen" voranbringt. 15/15
(* oben 3/ muss es heißen: die Vereinbarkeit des § 46 StGB mit dem Sonderrechtsverbot wird - zustimmungswürdig - bejaht = dessen Sonderrechtscharakter verneint...)
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Ferreau zu BGH zu Facebook (auf Grundlage der Pressemitteilung): "Die Absicherung des freien Meinungsbildungsprozesses bleibt auch in der digitalen Welt eine objektivrechtliche Gewährleistungsaufgabe des Gesetzgebers." 1/4
Bei YouTube dürfte "die hohe Wirkmächtigkeit audiovisueller Inhalte zu berücksichtigen sein"; für den tatsächlichen Einfluss "eines Netzwerks wie Twitter", dass es "vor allem von Politikern, Journalisten, Aktivisten und Wissenschaftlern frequentiert" werde 2/
"Mit dem Versuch einer Rationalisierung der Sanktionierungspraxis der Netzwerkbetreiber ist der BGH nicht allein: Auch der (insoweit kompetente) Landesgesetzgeber hat inzwischen eine Regulierung von „Medienintermediären“ im Medienstaatsvertrag... etabliert" (§§ 93, 94 MStV). 3/
"A new report by three voting rights groups found that 24 laws have been passed in 14 states this year that will allow state legislatures to “politicize, criminalize and interfere in election administration.”" 2/
"[W]e also discuss the Republican Party’s minoritarian path to power, potential nightmare 2024 election scenarios, how voting rights became a culture war issue, whether the United States is becoming a “competitive authoritarianism” political system..." 3/
"Das Grundgesetz verpflichtet unter bestimmten Voraussetzungen zur Sicherung grundrechtsgeschützter Freiheit über die Zeit und zur verhältnismäßigen Verteilung von Freiheitschancen über die Generationen."
"Der tatsächliche Hintergrund des anthropogenen Klimawandels, seine Folgen und die Risiken werden in den [Berichten] des „Weltklimarats“ (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen ‒ Intergovernmental Panel on Climate Change <IPCC>) beschrieben." (Rn. 16) (@IPCC_CH) 2/
"Bis 2100 wird der globale mittlere Meeresspiegelanstieg nach Projektionen bei 1,5 °C globaler Erwärmung 26 bis 77 cm betragen. Bei einer Erwärmung um 2 °C werden es etwa 10 cm mehr sein..." 3/
In dem Fall würde ich keine Unverhältnismäßigkeit sehen. Aber der Punkt ist (unabhängig von rechts oder links) sicher ein wichtiger und grundrechtsdogmatisch spannender: Eingriffsverlagerung auf andere Gruppen als milderes, gleich geeignetes Mittel? 1/
Die VB sieht ja Beschränkungen des Arbeitslebens als insgesamt mildere Eingriffe (S. 23-25). Darüber kann man sicher im Einzelnen diskutieren.
Der Ansatz, hier auf die Gesamt-Freiheitsbelastung zu schauen, scheint mir aber grds. richtig oder jedenfalls gut verfechtbar? 2/
Das verlangt zwar schon bei der Prüfung, ob ein Mittel insgesamt milder ist, einen Vergleich (eine Abwägung) der Freiheitsbelastungen verschiedener Gruppen. Mit der Angemessenheitsprüfung identisch wird es dadurch aber, so scheint mir, nicht. 3/
@Chr_Rath mit (unterschiedlich nachvollziehbarer) Kritik an den Notbremse-Anträgen .
Das BVerfG, das "bisher nur in einer Handvoll Fällen ein Gesetz vorläufig außer Kraft gesetzt" hat, werde "[v]ermutlich" auch diese Eilanträge ablehnen. 1/5
"Damit sind die Bürger:innen nicht schutzlos gestellt. Verwaltungsgerichte können auch gegen ein Gesetz vorläufigen Rechtsschutz gewähren. Das hat Karlsruhe schon 2004 im Zuge der BSE-Rinderwahnsinn-Krise festgestellt." 2/
"Die Verfassungsbeschwerden wirken aber auch in der Sache nicht zwingend". Karlsruhe sei "kein Ersatzgesetzgeber und keine gute Fee für politische Wünsche". 3/