Ich hab mir zum allerersten Mal die Wikipedia-Seite von Heinz Faßmann angeschaut. Was hat er vor dem Einstieg in die Politik gemacht? An sich sehr spannend: Geographie, Geoinformatik und auch ein Schwerpunkt Migration scheint da dabei zu sein. de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Fa%…
Es gibt einen Vortrag von ihm auf YouTube: 2016 auf Einladung in Hong Kong, Titel: "Europe vs. The Refugees: What Next?" ... wie kommt man als Forscher zu Migration auf so ein Wording?
Er sagt in dem Vortrag: "Since 2016, the so called Balkan route is closed. Austria took over one of this initiative (sic!) to close this Balkan route." ... wie kommt er auf die Idee, als Forscher zu genau dem Thema den Kanzler-Spin ohne weitere Einordnung zu übernehmen?
Ah, daher weht der Wind. Faßmann war zu dem Zeitpunkt des Vortrags jedenfalls kein unabhängiger Experte mehr. Stichwort Conflicts of Interest.
Bei dem Vortrag wird er als "Migration Expert" vorgestellt, als "specialist in the issue of migrants". Dass er auch für die österreichische Regierung tätig ist, wird mit keinem Wort erwähnt.
In der Aufzeichnung sieht man nur ihn sprechen, leider sind da die Slides nicht dokumentiert. Ein paar findet man auf Twitter. "People have the feeling of being "over flooded" and a new "Völkerwanderung" starts" ... wie bitte?
Minute 13, jetzt wird's ein bissi abstrus. "We are ... or people are unsettled, have some concerns, that conflicts will be imported, a fear that the middle-east conflict will spill over to Europe."
Der Vortrag erinnert mich langsam arg an: Allerberger. Er hat dasselbe beim Primärversorgungs-Kongress letzten Herbst fabriziert: Ein lose Ansammlung von Anekdoten , die um den eigenen Bias kreisen, werden als "Forschung" präsentiert.
Minute 18: Heinz Faßmann zitiert jetzt Milton Friedman. Das ist natürlich eine Denkschule, die man sich unbedingt als Inspiration für einen Bildungsminister wünscht. (Not really, of course)
Der "unabhängige" Migrationsexperte Heinz Faßmann empfiehlt: "reduce attractiveness for asylum seekers by offering non-cash benefits, temporary asylum and a limitation of family reunification" fcchk.org/the-european-u…
Minute 19: Faßmann spricht jetzt von "cultural differences" und leakt, dass er für den damaligen Außenminister (Kurz of course) an einer Studie arbeitet. Die Studie sei noch nicht publiziert, weil er noch warten müsse, bis "our minister" eine Pressekonferenz dazu gemacht hat. 🤦
Einwurf: Es wird vermutlich dann diese später veröffentlichte Studie gewesen sein: oeaw.ac.at/isr/forschung/…
Das heisst: Der Migrationsexperte Fassmann war zu dem Zeitpunkt nicht nur Regierungsberater, das Aussenministerium unter Kurz hat wie es aussieht auch seine Forschung finanziert. Conflicts of Interests^2.
Weiter im Video, Faßmann leakt also seine Studie: "please look at the numbers, but immediately forget what you can read here" 🤦
Er zitiert jetzt eine Reihe von Umfragewerten zu Religion, Gleichberechtigung etc. und kommt dann zu dem Schluss: "So it's absolutely clear: Conservative and religious attitudes came back, and this is a challenge for our modern and secular society."
Der Einwurf sei mir erlaubt, wenn ich mir das oben nochmal durchlese: Bin nicht mehr sicher, ob jetzt die Studienteilnehmer OEVPler oder doch Flüchtlinge waren.
Faßmann kommt jetzt zum dritten Teil seines Vortrags: "Policy Response". Er scheint jetzt komplett die "Forscherrolle" fallen zu lassen und verlautbart eine Agenda.
"Migrationsforscher" Faßmann: "One thing is clear, we want to increase the control of the external borders of the European Union."
Faßmann: "A policy response for nation states is reducing the attractiveness of nation states" *grinst* "You can talk about a competition of unfriendliness, because the country that is the most friendly, will have to take over most of the refugee migrants."
Er verrennt sich immer wieder in Satzkonstruktionen, in denen er versucht, das als von irgendwem ersonnene mögliche im Raum stehende Konzepte zu beschreiben, die er nur dokumentiert. Aber die Ausrutscher zwischendurch mit "we" verraten hin halt.
Man sieht ja die Folien im Video nicht, Faßmann zeigt jetzt nur in deren Richtung, schmunzelnd: "And here you see our foreign minister, Mister Kurz, and the man beside you can recognize as well"
Nachdem der Migrationsexperte Faßmann also grad offensichtlich sich und Kurz auf einem Foto gezeigt hat fährt er fort: "A qualification gained in Afghanistan is not transferable to an Austrian labour market without any requalification."
Faßmann: "And we introduced something what we call value programs to explain to asylum seekers what is democratic, secular and liberal society."
Faßmann (der jetzige Bildungsminister, wir erinnern uns), etwas später im Video: "Who can evaluate, what does it mean, 1 billion Euro, I'm not possible to estimate it, but I can see what happened, if there are religious conflicts." (sic!)
Er meint weiter: Wenn jemand sich auf die EU als eine "Community of Values" berufe und von einer humanitären Verpflichtung zur Hilfe spreche ("to provide shelter"), dann sei das "left-wing" und trage zur Polarisierung in der Debette bei.
Faßmann schließt den Vortrag mit: "And there is hope. And with this hope I want to close."
Das mit der Hoffnung ist ja so eine Sache. Bin nicht sicher, ob unser Bildungsminister Nietzsches Interpretation der Büchse der Pandora kennt: "Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, ...
... doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert."
Das Video geht jetzt mit einer Q&A Session weiter, in der Fassmann davon erzählt, wie einseitig und positiv doch "die Medien" vor Silvester in Köln über Flüchtlinge berichtet haben. Damit lass ich es für heute, kann nimmer ...
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Der ORF sagt grade „Depressionsymptome bei jedem 2. Schüler“. Sind Schülerinnen mitgemeint? Clickbait: Du wirst nicht glauben, was ich beim Lesen der Studie rausgefunden habe! 1/x
Immerhin, im Artikel selbst wird gegendert. Der Teaser behauptet, mehr als die Hälfte zeigen depressive Symptomatik. Häufigkeit der Beschwerden sei jetzt 5-10x so hoch. 2/x science.orf.at/stories/320506…
Der Artikel stellt das so hin, leider ohne weitere Details, v.a. nix zu Sample o. Limitationen. Was mich stutzig macht: Die Studie wurde im Februar gemacht, als die Schulen zeitversetzt gerade wieder aufsperrten. Die Autoren erwähnen das so weit ich sehen kann aber nicht. 3/x
Die österreichischen Daten zu den Weltmeister-Tests sind sogar so unbrauchbar, dass z.B. u.a. @OurWorldInData sie in manchen Auswertungen und Charts bewusst ausblendet. ourworldindata.org/coronavirus-te…
So schaut das Weltmeisterland dann im europäischen Vergleich aus: Grau = keine/ungenügende Daten.
Oje, Anschober-#ZiB2-Interview nachgeschaut. Er spekuliert lieber über mutiertes ansteckenderes Virus (=Höhere-Gewalt-Framing) statt Entwicklung/Studien anderer Ländern anzuschauen: Lodernde exponentielle Entwicklung durch unentdeckten/ungetesteten Community-Spread via Schulen.
Das Problematische: Bei aller Anerkennung für das
offene Eingeständnis, die Situation bis vor kurzem so fatal falsch eingeschätzt zu haben, scheint Anschober nach wie vor schlecht beraten zu sein. #COVID19#COVID19at#CoronaVirusAT#zib2
Ich könnte jetzt schreiben von wem ich im österreichischen Journalismus bzgl. #COVID19 sehr enttäuscht bin, aber das könnt ihr euch eh denken, also machen wir es umgekehrt: Gibt es Leute, von denen ihr doch positiv überrascht seid? #CoronaVirusAT
Kurz framet die jetzige Situation als wäre eh klar gewesen, dass es so kommt und als sei es unvermeidbar gewesen weil es allen andern gleicht geht. #COVID19#COVID19at#CoronaVirusAT
Rhetorisch natürlich schlau: Höhere Gewalt, allen geht's gleich. Nur, es stimmt halt nichts davon. #COVID19#COVID19at#CoronaVirusAT
"Belag auf den Intensivstationen" Unwort dieser PK.
Franz „Meine persönliche Meinung“ Allerberger. Wie wär‘s mit aktuellen und internationalen Studien? #COVID19#COVID19at#CoronaVirusAT
Er liefert echt immer wieder die gleichen Sound Bites. Allerberger: „Schwangere haben überhaupt kein Problem“ — CDC: „Based on what we know at this time, pregnant people might be at an increased risk for severe illness from COVID-19 ...“ cdc.gov/coronavirus/20…
Er schafft es leider überhaupt nicht, Unsicherheiten zu kommunizieren. Hängen bleibt „Virus ist nicht so schlimm wie erwartet“ (jo eh wenn man eine 30% Sterblichkeitsvermutung von irgendwann gegenüberstellt).