In #Richelsdorf (Osthessen) wurden noch in den 1970er Jahren bei besonderen Anlässen verschlossene Glaskolben mit Kristallen und Gestein verschenkt. Im Ort gab es einen Gesangsverein, der vom Bergbau geprägt war, so wie das ganze Dorf. Der Bedarf an Kupfer steigt mit der
andauernden Elektrifizierung. Elektro hat einen "Preis". Wir publizieren in Serie _Ökoscifi_ von Matze Schmidt, Skizzen und erste Teile. Das eBook, oder eine erste Version davon wird auf oekoscifi.de ca. Oktober 2021 erscheinen.
Kupfer, besonders der früher verwendete Weißkupfer als Silberersatz hat einen hohen Anteil des Halbmetalls Arsen. Die Kupfer-Arsen-Legierung des Weißkupfers wurde um das Jahr 1770 in Suhl (Thüringen) entdeckt und wird seit etwa 150 Jahren nicht mehr hergestellt.
Die Mythen um das Silberne, um die Zwerge in den Wäldern und Bergen, haben Ihren Ursprung in gebückten Rücken und giftigen Stoffen. "Arsen fällt in größeren Mengen als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Kupfer, Blei, Cobalt und Gold an. Dies ist die
Hauptquelle für die kommerzielle Nutzung des Elements." (chemie.de) Und Arsen ist giftig, tödlich und in Richelsdorf auch 50 Jahre nach Ende des Bergbaus dort Altlast. Eine die vergesellschaftet oder um-privatisiert wurde.
Die Mineralien in den Glaskolben erinnern daran, dass "der Schatz" (u.a. Kupfer) seit dem 15. Jahrhundert, seit Feudalzeiten erschlossen und herausgeholt wurde. Anorganisches Arsen ist giftig und krebserregend. Die privatwirtschaftlichen Gewinne hatten in den Körpern der
Bergarbeiter eine stoffliche "Lagerstatt". Die Körper wurden als ganze zu Markt getragen. Bis heute ist Arsen in Richelsdorf eine Belastung, Grundstücke müssen saniert, Erde muss abgetragen werden. Das Land Hessen übernimmt diese Lasten aus privaten Gewinnen, die privaten
Grundstückbseitzer könnten die Kosten nicht tragen. Das Begleitelement in mineralischen Rohstoffen bleibt aber nicht nur im Mittelgbirge eine in Geld übersetzte materielle Konsequenz. "Elektrische Anlagen aller Art zeichnen sich durch einen hohen Kupferanteil aus. Und
für Wasserleitungen in Wohngebäuden gilt in weiten Teilen der Welt das Gleiche. Zwar wird Kupfer insgesamt noch nicht knapp. Wohl aber wird hochwertiges Kupfer knapp. Die Bergbauunternehmen müssen daher immer häufiger auch minderwertiges Kupfer abbauen. In
Südamerika, der kupferreichsten Region der Welt, gilt das inzwischen auch schon für Kupfer mit einem hohen Arsengehalt. Bergbaugesellschaften und Kupferkäufer sind damit gleichermaßen unzufrieden." (ingenieur.de/technik/fachbe…)
Die "grösste Tagebaumine für Kupfer ist in Chile, in Chuquicamata, einer Wüste." Wie soll "Responsible Copper" ohne Arsen entstehen? "Der Autobauer [BMW] kaufte" in 2017 "42 000 Tonnen des roten Metalls" aus Chile. "Das reicht für die Herstellung von knapp 1,7 Mio.
Autos. Im Schnitt benötigt jeder Pkw 25 Kilogramm Kupfer: für Stromkabel, die Spulen der zahlreichen Motoren und Legierungen und in der Batterie. Sollte BMW in sieben Jahren wie geplant 25
Elektroautomodelle anbieten, brauchten die Bayern 20 000 Tonnen Kupfer zusätzlich." (nzz.ch/wirtschaft/der…) Elektromobilität und #Kohleausstieg lassen schlussfolgern, einen Verschub der toxischen Probleme, eine
Steigerung der Produktionsmengen im Verhältnis zu Rohstoffmengen. Sind Haut-, Lungen- und Blasenkrebs seit dem Beginn der Kapitalisierung, seit dem 15. und 16. Jahrhundert "Kosten", die anfallen? Ein ausdifferenziertes Konzept von Kosten wäre zynisch, wäre eines, das Körper
und Arbeitszeit = Lebenszeit einberechnet, wäre kynisch <aufklärend>. Das Richelsdorfer Gebirge ist leer, ist es leer? Ausgeschöpfte Vorkommen, das zeigen Erdölfelder und "schmutzige" Kupferminen in Südamerika, mit sehr hohen Arsenanteilen im Kupfer, können bsi zum "peak"
weiter ausgeschöpft werden müssen, soll der Geld-Preis, nicht der körperliche und der Lebenszeitpreis, niedrig gehalten werden. Bis zum Peak Copper müssten Recyclingverfahren erfunden sein, wenn die elektrifizierte Weltgesellschaft (die globalen Nordstaaten, "der Westen",
die "entwickelten", die durch-industrialisierten Länder) durchgesetzt werden sein soll. Diese Zukunft, so könnte frau rechnen, ist in den thüringisch-hessischen Grenzregionen nun über 500 Jahre alt. Es ist eine Zukunft zuerst feudalen, dann kapitalitisch privaten Eigentums.
Matze Schmidt

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