Vor ner Weile hatte ich meine Vermutung aufgeschrieben, warum die #covid19-Zahlen bei uns ausgerechnet ab Anfang Oktober plötzlich viel stärker gestiegen sind.

Jetzt ist die Kurve wieder nach unten abgebogen, und zwar zu früh für einen Lockdown-Effekt. Warum? Ein Thread.
Zuerst mal ein Disclaimer: Das ist alles ziemlich spekulativ und auch nur zum Teil durch Daten und Beobachtungen gedeckt. Für Diskussionen über bestimmte Maßnahmen oder Vorhersagen zukünftiger Entwicklungen ist das nicht geeignet.
Meine These zum Anstieg war, dass die Fallzahlen empfindlich auf eine Verhaltensänderung reagiert haben, als es Mitte September kühler wurde. Hintergrund war meine Vermutung, dass die Zahl der Kontakte im Sommer wieder aufs Normale angestiegen war.
scilogs.spektrum.de/fischblog/waru…
Ich vermute hinter der Stagnation der Fallzahlen den gleichen Mechanismus.
Also, dass genau das passiert ist, was ich am Schluss schon als einfache Lösung vorgeschlagen hatte. Viele Leute haben einen Schreck gekriegt und sich bei den privaten Kontakten wieder eingeschränkt.
Dahinter stecken zwei Annahmen meinerseits, die man nicht teilen muss.
Punkt 1: Ein großer Teil der Bevölkerung denkt mit bzw verhält sich passend zur wahrgenommenen Gefährdung.
Punkt 2: Ansteckungen im "öffentlichen Raum" spielen eine geringere Rolle als private.
Ich denke nicht, dass das Plateau bei den Zahlen ein Artefakt der Überlastung der Labore ist. Dazu ist der Rückstau bei den Proben IMO nicht groß genug. In diesem Link wird eine Zahl von 60.000 unbearbeiteten Proben Anfang der Woche genannt.
alm-ev.de/gemeinsame-ums…
Ich ziehe aus dem bisherigen Verlauf 3 vorsichtige Schlüsse (wieder Disclaimer: Das ist alles Spekulation)
1) Die bisherigen Maßnahmen im öffentlichen Raum wirken
2) Die Effekte des Lockdowns werden geringer sein als erwartet
3) Wie es weiter geht, hängt vor allem an uns privat
Der erste Punkt ist natürlich im Dezember besonders spannend. Was passiert beim Weihnachtsshopping? Auch da gilt Punkt 3. Ich persönlich werde vermutlich überwiegend liefern lassen. 😅
Leider wird sich all das nicht streng überprüfen lassen. Und eine Prognose, wie es weitergeht, trau ich mich auch nicht.
Meine These ist aber nach wie vor: Ihr habt viel selbst in der Hand, und mit etwas Umsicht ist #Covid19 in den Griff zu kriegen.

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5 Nov
OK, ein paar Gedanken zu der Geschichte rund um #coronavirus-Varianten mit neuen #Mutationen in Dänemark.
Zuerst einmal sind die Einschätzungen der Gefahr durch die Mutationen rein theoretische Überlegungen. Die tatsächlichen Auswirkungen solcher Veränderungen zu bestimmen, ist in der Praxis schwierig und zeitraubend. Ich denke, die Dänen handeln hier vor allem aus Vorsicht.
Das tun sie aber zu Recht, denn allein dass sich das Virus in Tierbeständen verbreitet, ist ein Problem. Zumal es, anders als in einer vergleichbaren Situation mit infizierten Nerzen im Mai, nachgewiesene Übertragungen zurück zum Menschen gibt.
spektrum.de/news/welche-ro…
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12 Oct
Weil jetzt wieder so ne Meldung rumgeht, dass das #Coronavirus auf Oberflächen Wochen und Monate überleben kann: Solche Laborstudien haben für die reale Ansteckungsgefahr keine Aussagekraft.
Die bloße Präsenz des Virus ist bestenfalls die erste Stufe eines komplexen Ereignisses.
Die Viren müssen noch von der Oberfläche auf die Hand und von der Hand auf die Schleimhäute kommen. Wie gut das funktioniert, ist unklar und natürlich auch wichtig. Außerdem könnte es einen Unterschied machen ob die Viren sanft landen oder mechanisch reingerieben werden.
Das sieht natürlich anders aus, wenn ihr die Haltestangen in der U-Bahn ableckt. Unter diesen Umständen könnte die Überlebensdauer der Viren auf Oberflächen eine etwas höhere Relevanz haben. Deswegen rate ich vom Ablecken der Oberflächen in öffentlichen Räumen grundsätzlich ab.
Read 6 tweets
30 Sep
OK, ein Thread über #hodencovid:

Die Möglichkeit, dass #covid19 negative Folgen für die männliche Fruchtbarkeit haben könnte, beruht auf dem ACE2-Rezeptor, der bei mehreren Zelltypen der Hoden auftritt. Den nutzt #sars-cov-2, um Zellen zu infizieren.
medrxiv.org/content/medrxi…
Unter anderem betrifft das die Vorläuferzellen von Spermien und Unterstützerzellen, die bei der Entstehung der Spermien helfen. Laut diesem Paper erzeugen Zellen im Hoden sogar mehr ACE2 als die meisten anderen Gewebetypen.
link.springer.com/article/10.100…
Außerdem weiß man ja aus der Lunge, dass #covid19 Gewebeschäden verursacht, die über die reine Zellzerstörung durch die Virusinfektion hinausgehen.

Das alles sind natürlich erstmal nur Indizien für eine mögliche Auswirkung auf die Fruchtbarkeit.
Read 7 tweets
25 Aug
Das ist insofern ganz spannend, dass es einen in der Forschung überraschend häufigen Effekt zeigt. Manchmal halten sich falsche Annahmen über eigentlich sehr einfach überprüfbare Dinge sehr lange.
Das betrifft oft Aspekte, die für alle Beteiligten knapp außerhalb des eigentlichen Forschungsschwerpunktes liegen. Wie hier eben die Bandscheiben. Deswegen machen alle plausible, für ihre Forschung funktionierende Annahmen, ohne wirklich genau hinzugucken.
Und dann landet die plausible, funktionierende Annahme über einen Nebenaspekt in irgendwelchen Nebensätzen im Lehrbuch. Wer dann eine gegenteilige Beobachtung macht - siehe den Bandscheibenvorfall in Artikel - weiß dann oft schlicht nichts von diesem Lehrbuch wissen.
Read 4 tweets
1 Aug
Hab mir grad die neue Studie über die mehr als 200 infizierten Kinder in einem Feriencamp in den USA angeguckt.
Auf jeden Fall beunruhigend, allerdings muss man das auch nicht überinterpretieren

cdc.gov/mmwr/volumes/6…
Was die da gemacht haben, klingt eher nach "ma gucken, wie viele Kids wir infiziert kriegen, wenn wir es WIRKLICH drauf anlegen". 🙄

Btw, das Sommercamp-Thema gab es vorher schon in Israel, wenn ich mich recht erinnere. Find's jetzt aber nicht.
"...variety of indoor and outdoor activities, including daily vigorous singing and cheering"

Dass sie das ausdrücklich benennen, hat schon Gründe. 🤷‍♂️

"Measures not implemented were cloth masks for campers and opening windows and doors for increased ventilation in buildings."
Read 5 tweets
24 Jul
Ich hab den Eindruck, dass die Aerosol-Geschichte vielleicht noch ein bisschen zusätzliche Einordnung braucht.
Deswegen kurz ein paar Anmerkungen, was dabei die entscheidenden Punkte sind.
spektrum.de/news/aerosole-…
Ganz wichtig: Man darf sich das nicht so vorstellen, dass da ein Aerosoltropfen rumfliegt, man wird "getroffen" und dann ist man infiziert. Tatsächlich entstehen Aerosole mit Viren bei allen Atemwegserregern, und vermutlich kriegen wir immer mal wieder im Alltag Corona-Aerosol ab
Es sieht nämlich so aus, dass man recht viele Viren aufnehmen muss, um sich anzustecken. wenn es zu wenige sind, werden sie vom Immunsystem aufgewischt. Die Frage ist also: Kann ein Aerosol in gegebenen Entfernung so viele Viren "bereitstellen", dass man sich ansteckt?
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