Noch ein kleiner Nachtrag zur Genese der von Rosefeldt gestern referierten Einteilung der ‚Metaphysik‘ in der Neuzeit (Quelle: HWPhil 5)

13. Jh. Johannes Duns Scotus: Abgrenzung der Metaphysik als Wissenschaft vom Seienden an sich von der Theologie, Nebenordnung von /1
Metaphysik (ens naturae: unabhängig vom Denken) und Logik (ens rationale: als Gedachtes)

14. Jh. William von Ockham: Vorordnung der (einheitlichen) Logik vor die (vielgestaltige) Metaphysik

16./17. Jh. Suárez: Einflussreiche Einteilung der Metaphysik in allgemeine /2
Seinswissenschaft und Wissenschaft von den Intelligenzen (Disputationes Metaphysicae 1597)

17. Jh. Deutsche Schulphilosophie: Stark beeinflusst durch Suárez – Christoph Scheibler: Metaphysik als Lehre vom Seienden als solchen – Lehre von Gott, den Engeln und den Seelen /3
(Opus Metaphysicum 1617) – Johannes Micraelius: Einteilung der Metaphysik in allgemeine (generalis) und besondere (specialis, wohl nach Benedikt Pereira 1562), Begriff der „Ontologie“ (Lexicon [!] Philosophicum 1653). Das wird der Schulbegriff der Metaphysik. /4
(Honorable Mention) Clemens Timpler: Metaphsik als Wissenschaft alles Denkbaren, inklusive Privationen, Meinungen, sinnvolle Sätze (Metaphysicae Systema 1608) – vgl. in diesem Zusammenhang v. a. den sog. ‚Neuen Realismus‘ (Gabriel et al.)

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11 Jun
Die Beiträge unter #IchbinHanna zeigen deutlich das Ergebnis einer Entwicklung, die in den 1960ern begann: Der Umbau der Universität.

Die geburtenstarken Jahrgänge begründeten Reformen, in denen die Universität zu einer Ausbildungsstätte für Fachkräfte umgebaut wurde. /1
Kaschiert als Modernisierungsmaßnahme wurde das Studium eng mit ökonomisch bestimmten Vorstellungen von einer Vielzahl von Fachkräften verknüpft, die den Aufschwung der letzten Jahrzehnte ausbauen sollten. Schon damals kombinierte man vollmundige Versprechen und rigide /2
Kontrollmaßnahmen, was u. a. zu den Studentenprotesten von Nanterre und bald in ganz Paris führte. Im Krisenjahrzehnt der 1970er endete die Hoffnung auf Aufschwung – und es begann die Regulierung der vielen „faulen Studenten“, die zu lange an der Universität zubrachten. /3
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8 Jun
1) Dass Rosefeldt glaubt, „wir“ müssten beim Erkennen „leisten, was Kant eine transzendentale Deduktion nennt“, lässt mich ernsthaft daran zweifeln, dass er sich mit Kants Philosophie beschäftigt...
2) Dass die ‚Easy Ontology‘ nach Eigenschaften von Begriffen wie „Ding“ und „Eigenschaft“ fragt, ohne auch nur einmal kurz selbstkritisch aufzublicken, ist tragisch.
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8 Jun
Die allermeisten sogenannten „ontologischen“ Fragen der Philosophie betreffen eigentlich Grund- und Grenzfragen, also Fragen der (Letzt-)Begründung, dem Ursprung, Prinzip usw. – Der Begriff „Ontologie“, der eigentlich aus der Neuzeit stammt, hat sich dabei zu einem Metonym für /1
alle Grund- und Grenzfragen entwickelt, auch als (säkulare) Alternative zur Frage nach dem – theologisch überdeterminierten – ‚Absoluten‘, um das sich die europäische philosophische Diskussion ca. 1650-1800 dreht. – Entsprechend herrscht in der Philosophie heute immer noch ein /2
großes Durcheinander, wenn von ‚Ontologie‘, ‚Metaphysik‘ oder ‚Transzendentalphilosophie‘ die Rede ist. Um dieses Durcheinander zu ordnen, versucht man oft, nach einem anderen neuzeitlichen Schema, dem von ‚Subjekt-Objekt‘ Unterscheidungen einzuführen: /3
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24 May
@MichaelEsders @0kommanichts Foucaults Bruch mit einer marxistisch orientierten Analyse fällt zeitlich ans Ende der 1950er. Das hat weniger mit ‚Ökonomie‘ als mit der Gemengelage des franz. Marxismus zu tun, der – wie bei Garaudy oder auch bei Sartre – Marxismus, Humanismus und Existenzphilosophie kreuzt.
@MichaelEsders @0kommanichts Das von Ihnen genannte Gespräch ist außerdem vom 4. März 1972, nicht von 1968 (Schriften 2, #106). Die Kritik, die beide dort ausformulieren, betrifft die Dialektik von Theorie und Praxis, die von vulgärmarxistischen Positionen stets vereinseitigt und „totalisiert“ wird.
@MichaelEsders @0kommanichts Deleuze wiederum war zwar immer links, aber nie Marxist wie z. B. Lyotard einer war. Ihn interessiert das Verlassen der geschichtsphilosophisch aufgeladenen Letztbegründungsfragen (vgl. seine Hegelkritik in DW) hin zu einer dezidiert konkreten, partikulären Analyse
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16 May
@JochenVenus @WolfgangEssbach Es geht um „Behavior“ im Kontext von Psychologie. Das, was dabei also fraglich ist, kann gerade nicht beobachtet werden. Und nein: Voraussetzungsvolle Gattungsbegriffe sind nicht „die Standardsituation“ und widersprechen auch „ungeklärt“. Im Gegenteil:
@JochenVenus @WolfgangEssbach Ontologische Voraussetzungen in Gattungsbegriffen, die zu empirischen Problemstellungen gehören, sind verantwortlich für das Verfehlen des empirischen Sachverhalts. Weswegen man sie in den real-empirischen Wissenschaften auch einklammert.
@JochenVenus @WolfgangEssbach Die Psychologie hat schließlich nur den Begriff, gar keinen Gegenstand, der sich aus einer logischen Operation ergibt, nicht nur aus einer voraussetzungsvollen Auslegung eines beobachtbaren Sachverhalts. Ihr Gegenstand *ist* dieser Begriff.
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13 May
@d_witte1 Das Argument ist klassisch wissenschaftstheoretisch: Statistik ist eine Anwendungswissenschaft, die abhängig ist von den Prämissen, die man voraussetzt. Insbesondere in den Human- und den Sozialwissenschaften sind diese Prämissen ontologisch voraussetzungsvoll und nicht selten
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@d_witte1 impliziten ontologischen Stufungen, die sich in Bruchlinien der Debatte ausdrücken (Individuum / Gesellschaft, Soziologie / Sozialpsychologie usw.). In der Psychologie sorgt v. a. die Reflexivität des Gegenstandes (Psyche, Geist usw.) für einen transzendentalen Schein.
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