Heute ist in Lancet eine Studie rausgekommen, die einen Überblick über die Langzeitfolgen von #Covid19 bei im Krankenhaus behandelten Erkrankten 12 Monate nach der Erkrankung gibt.

Die Bilanz ist gemischt. Ein Thread.
1/10
spektrum.de/news/langzeits…
Die Untersuchung erfasst Patientinnen und Patienten der ersten Welle in Wuhan. Das Durchschnittsalter ist 57 Jahre. Die gute Nachricht ist, dass schwere Langzeitfolgen selten sind, die schlechte, dass ein großer Teil auch nach einem Jahr merkliche Nachwirkungen hat.
2/10
Neben den in meinem Artikel oben zitierten Zahlen enthält der Artikel außerdem Daten über Patientinnen und Patienten, die invasiv beatmet und/oder intensivmedizinisch behandelt wurden. Die waren aber wenig und bunt gemischt. Deswegen hab ich sie rausgelassen.
3/10
Grob kann man bei denen sagen, dass sie häufiger auch nach 12 Monaten Erschöpfungssymptome, Atmungsprobleme und messbare Lungenfunktionsstörungen hatten als die milder erkrankten. Auf die genauen Zahlen würd ich da nichts geben.
4/10
Ein bisschen vorsichtig muss man auch sein, wenn man die Ergebnisse auf andere Settings und Altersgruppen übertragen will. Zum einen hat sich die Behandlung von #Covid19 seit diesen frühen Tagen deutlich verbessert, was auch solche Langzeitfolgen reduzieren dürfte.
5/10
Zum anderen sind bei einem Altersdurchschnitt nahe am Rentenalter unklar, was es wirklich heißt, dass ein Teil der Betroffenen jetzt weniger arbeitet als vor der Erkrankung. Und: in dem Alter sind gesundheitliche Abstriche nach schwerer Infektion nicht ungewöhnlich.
6/10
Das zweite ist eben auch n kleines Problem mit der nach Alter und Vorerkrankungen angepassten Kontrollgruppe: die war eben nicht mit ner schweren Infektion im Krankenhaus. Das macht einen Unterschied, gerade bei älteren Menschen.
7/10
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7622882/
Ein Punkt, an dem ich unsicher bin ist dass 33 Personen der ursprünglich genesenen Kohorte in den 6 Monaten nach der Infektion verstorben sind. Das scheint mir intuitiv mehr als statistisch erwartbar, zumal auch andere Studien ein höheres Sterberisiko nach Genesung zeigen.
8/10
Eiiigentlich sollten Leute, die ein paar Monate später an Folgen sterben, auch bei den Langzeitfolgen aufgeführt werden.🤷‍♂️Einige weitere Ausschlusskriterien machen das Bild vermutlich auch rosiger als es tatsächlich ist, z.B. dass Leute in Pflegeheimen draußen blieben.
9/10
Dafür gibt es jeweils gute Gründe (Demenz ist schlecht für Befragungen), aber es ist eben eine Verzerrung. Die Studie hat den einen oder anderen Bias (z.B. hat nur ein Teil der Leute Lungen-CTs bekommen), aber sie ist lesenswert - und frei verfügbar:
10/10
thelancet.com/journals/lance…

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16 Sep
Mal was Neues von #Ebola. Das Virus kann nach Jahren im Körper wieder aufwachen und Ausbrüche auslösen.

Außerdem evtl relevant für #Covid19. Es ist dabei nämlich völlig rätselhaft, wie und wo ein RNA-Virus so lange im Körper aktiv bleibt.
1/6
spektrum.de/news/latente-i…
Die Sache ist halt: Ins Genom wird der Kram nicht eingebaut, und die Virus-RNA kann nicht einfach jahrelang in Zellen rumliegen. Das heißt, um so lange im Körper zu bleiben, muss Ebola sich eigentlich weiterhin vermehren.
2/6
Eine plausible Hypothese ist, dass das in so genannten immunprivilegierten Geweben passiert. Das sind so Sachen wie Augen oder Gehirn, bei denen Entzündungen unterdrückt sind, weil sie irreparable Schäden verursachen können. Dadurch sind Viren da sicher.
3/6
Read 6 tweets
9 Sep
Wie #covid19 (vermutlich) impotent macht.

Sorry dass ich euch schon wieder damit behelligen muss, aber #Lümmelcovid ist dank Metal-Senior Bruce D. in den Medien, und so langsam sollte man das als reale Möglichkeit ernst nehmen.

Was steckt dahinter?
1/17
nme.com/news/music/iro…
Tatsächlich gibt es verschiedene Wege, auf denen Sars-CoV-2 die Erektion beeinträchtigen kann:
- Testosteronmangel
- Störung der Blutgerinnung
- Fehlregulation von Zellrezeptoren
- Infektion des Blutgefäßepithels
- psychische/sensorische Folgen der Krankheit
2/17
Bisher ist nicht klar, ob #Covid19 Erektionsstörungen wirklich häufiger macht. Das Problem ist, dass sexuelle Probleme allgemein schwer zu erforschen sind, weil Leute nicht gern drüber reden.
Die bisherige Studienlage hatte ich hier zusammengefasst:
3/17
scilogs.spektrum.de/fischblog/unfr…
Read 17 tweets
18 Aug
Jetzt, wo die Inzidenzen ja wieder deutlich steigen, eine Kurze Anmerkung zu zwei Dingen, die sich
durch #Delta vermutlich geändert haben.

Bisher war es bei #Covid19 ja so, dass die meisten Infizierten keine weiteren Leute angesteckt haben.
1/8
Das hat sich vermutlich geändert, weil Delta so viel ansteckender ist. Wir sehen zwar immer noch Superspreader-Ereignisse unter geeigneten Bedingungen, aber wohl auch viel mehr Einzelübertragungen und damit längere infektionsketten.
2/8
Außerdem stellt sich die Frage neu, welche Rolle Kontaktübertragung spielt, also infektiöser schleim auf Oberflächen. Bisher war diese Ansteckungsroute ja nebensächlich bis irrelevant. Bis heute gibt es da meines Wissens nur einzelne Verdachtsfälle.
3/8
Read 8 tweets
10 Aug
Ein paar unsortierte Gedanken zum #IPCC-Bericht und dem Ende der Welt.

Zuerst einmal lässt der aktuelle Stand der Klimaforschung kaum Zweifel daran, dass die Welt sich gerade zur Unkenntlichkeit verändert. Das ist nicht mehr umzukehren.
1/13
spektrum.de/kolumne/ipcc-k…
Die meisten dieser Veränderungen werden noch mindestens über Jahrzehnte weiter laufen. Unsere physische Umwelt wandelt sich, und wir wandeln uns mit. Vertraute Kategorien verschieben sich. Der Klimawandel ist also buchstäblich das Ende der Welt, wie wir sie kennen.
2/13
Aber andererseits gibt es eine Perspektive. Das Ende der Welt ist nicht das Ende der Menschheit, und auch im Klimawandel ist die Zukunft nicht geschrieben. Menschen haben sich immer an Veränderungen angepasst, und werden es weiterhin tun.
3/13
spektrum.de/news/apokalyps…
Read 13 tweets
21 Jul
Kurz zum Klimawandel und Wetterextremen wie zum Beispiel dem #HeatDome, "unserem" #Hochwasser und jenem in #Zhengzhou. All das ist viel extremer als die Klimaforschung für diesen Zeitpunkt angenommen hätte.
Kurz und lesenswert dazu:
1/9
motherjones.com/environment/20…
Bemerkenswert ist, dass die Klimaforschung einerseits sehr erfolgreich darin ist, den Anstieg der Temperatur durch mehr CO2 zu bestimmen, andererseits die Folgen quasi hier auf dem Boden teils dramatisch unterschätzt.
2/9
Woran das liegt, und an welchem Punkt wir beim Klimawandel derzeit sind, kann man sich dabei an einem einfachen Beispiel grob veranschaulichen.

Stellt euch einfach vor, wir fahren alle mit einem voll beladenen Kleinlaster mit 120 über die Autobahn.
3/9
Read 10 tweets
11 Jul
OK, kleiner #delta-Sonntagsrundumschlag mit n paar Anmerkungen zu den wieder steigenden Corona-Zahlen.
Punkt eins ist, dass man m.E. den Anstieg mit sehr moderaten und punktuellen Einschränkungen verhindern oder abmildern kann.
1/8
Das geht, weil schon ein Teil der Leute doppelt geimpft ist und die Ansteckungsgefahr um diese Jahreszeit gerade draußen sehr viel niedriger ist. Man muss es halt nur wollen und es hängt sehr stark am individuellen Verhalten.
2/8
Außerdem würd ich gern kurz ein kleines Missverständnis aufklären, was die Saisonalität angeht. Die Jahreszeit reduziert die Ansteckungsrate deutlich, aber nicht auf null und auch nicht in allen Situationen gleich.
3/8
Read 8 tweets

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