➡️ erneut in den Ring geworfen wurde, ohne richtig erklärt zu werden. Was bei Zeitungsartikeln noch verständlich ist, deutet bei Politikwissenschaftler:innen auf eine schlechte akademische ➡️
➡️ Qualität hin. Bei mangelnder Spezifizierung stellt sich zudem die Frage nach dem Mehrwert einer somit im Beliebigen verbleibenden Aussage. Der Verdacht entsteht, dass es noch um einen ZUSATZEFFEKT gehen muss. ➡️
➡️ Doch zunächst eine naheligende Formalisierung: Bei einem StVK
➖️engagieren sich 2 Mächte A,B
➖️in einen Konflikt zw. Proxies X,Y
➖️mit dem Ziel den eigenen Einfluss gegenüber der anderen Macht zu erweitern oder ➡️
➡️ einer Einflusserweiterung entgegenzuwirken
➖️wobei eine direkte Konfrontation aufgrund eines unkontrollierbaren Eskalationspotentials und eines Potentials zur territorialen Ausdehung vermieden werden soll. ➡️
Wenn man diese Formalisierung dem Ukraine-Krieg gegenüberstellt, fallen sofort 2 Dinge auf. Zum einen gibt es auf einer Seite keinen Proxy, da B = Y = Russland ist. Das war zwar in ähnlicher ➡️
➡️ Weise z.B. in Afghanistan (1979 -89) der Fall, dem Kriegseintritt von B = Sowjetunion ging aber damals ein Konflikt von X =Mudschahedin und Y = DRA voraus. Somit war dies ein "eskalierter StVK". Im Ukraine-Krieg ➡️
➡️ ist B = Y = Russland hingegen der initiale Aggressor (das trifft auch im Vorfeld in Bezug auf die Fakerepubliken LPR / DPR zu). Damit geht eine narrative Widersprüchlichkeit einher: ➡️
➡️ Es fällt auf, dass die Stimmen, welche die These vom StVK forcieren, auch zu den Stimmen gehören, die penetrant vor Eskalationsspiralen warnen - wo doch StVKs nach Lehrbuch so angelegt sein sollten, ➡️
➡️ dass sie eine gewisse eskalationshindernde Stabilität aufweisen. Diese Widersprüchlichkeit ist zusammen mit der eingangs benannten Schwammigkeit ein weiteres Indiz dafür, dass es hier eher um narrative Zusatzeffekte geht. ➡️ #Ukraine
♦️THESE VOM "STELLVERTRETERKRIEG" 11/
➡️ Man braucht nicht lange nach solchen Effekten zu suchen. Idealtypisch kann man StvK gemäß ihrem "Missbrauchscharakter" unterscheiden:
➖️ohne Missbrauch: eine Partei X trägt einen Konflikt selbstbestimmt und in eigenem Interesse aus, ➡️
♦️THESE VOM "STELLVERTRETERKRIEG" 12/
➡️ und wird dabei von A unterstützt.
➖️mit Missbrauch: A treibt X in eigenem Interesse zu Handlungen, die die ursprüngliche Zielsetzung oder den ursprünglichen Risikoappetit von X übersteigen. ➡️
➡️ Die Variante "mit Missbrauch" scheint auf den ersten Blick natürlicher zu sein, weil sie unserem Alltagsverständnis von Stellvertretung entspricht. Eine Verkürzung der Definition auf diese ➡️
➡️ diese Variante führt jedoch zu konzeptionellem Realitätsverlust: typischerweise hatte der Konflikt X,Y lokale Ursachen und Agentizität, und die Unterstützung von A,B änderte Zwar den ➡️
➡️ den Kriegsverlauf, nicht aber die strategischen Ziele. Die Variante "mit Missbrauch" ist generell schwer nachweisbar und oftmals ein Vehikel für Verwissenschaftlichung von Verschwörungstheorien ➡️
➡️ Ausnahme ist natürlich der Fall, wo eine Macht A oder B direkt am Konflikt teilnimmt - aber dadurch wird der Charakter des StVKs grundsätzlich tangiert. ➡️
➡️ Mit obigem kann jetzt der eingangs benannte Zusatzeffekt ausgeschrieben werden:
➖️Ein Term wird narrativ lanciert, der nach "Wissenschaft" aussieht
➖️Der Term hat eine "schwache ➡️
➡️ Variante, die relativ harmlos ist, und eine "starke Variante", die letztendlich kaum empirisch bewiesen werden kann, und starken ideologischen / verschwörungstheoretischen ➡️
➡️ FALL 1: Im "legendären" Rededuell zwischen Hofreiter und Schwarzer vom Mai behauptet Schwarzer, die "wahren" Kriegsparteien seien USA & 🇷🇺. Das wurde sofort als "Verschwörungstheorie" ➡️
➡️ FALL 2: Vor kurzem hat Varwick die These vom StVK noch mal zu lancieren versucht. Bezeichnend war dabei, dass Varwick nur die "starke Version" kennt - eine Tatsache, die man beim ersten Lesen ➡️
➡️ schnell übersieht: "Ich verstehe unter StVK grundsätzlich einen Krieg, bei dem mindestens eine der Parteien eng verbunden ist mit einer Gruppierung außerhalb des Staates, in deren Interesse LETZTLICH der Krieg geführt wird. [...] ➡️
♦️THESE VOM "STELLVERTRETERKRIEG" 23/
➡️ Die Interessen der Ukraine sind in dieser Perspektive eher NACHRANGIG."
Dass die Begründund der "starken Variante" bei Varwick letztendlich "außerempirisch" und "zirkular" ist, soll hier nicht näher ➡️
➡️ erläutert werden. Spannender ist, dass seine These, die letztendlich mit der Aussage Schwarzers übereinstimmt, tatsächlich einigermassen argumentativ erläutert wurde: die Verpackung hat gewirkt. ENDE
Im Iran-Iran-Krieg in den 1980ern gab es eine vergleichbare Situation wie heute - weswegen auch die Annahme, die Trump-Administration hätte das Hormus-Problem übersehen, absurd ist. Ein Thread: 🧵1/8
♦️Im sogenannten Tankerkrieg, der Eskalationsphase des Iran-Irak-Kriegs von 1984 bis 1988, sperrte Iran die Strasse von Hormus nicht vollständig. Er setzte stattdessen auf Minen, Raketen, Schnellboote und Einschüchterung des Schiffsverkehrs vor allem in der Region.
♦️Iran, aber auch Irak Tanker, Handelsschiffe und Energieinfrastruktur an, um den Gegner wirtschaftlich zu schwächen und politischen Druck auf die Golfstaaten auszuüben. Der Seeverkehr wurde dadurch gefährlicher, kam aber nicht zum Erliegen.
♦️Es ist vielleicht mal gut, sich die Geschichte des Völkerrechts aus einer Vogelperspektive (mit Mut zur Lücke) anzuschauen, um seine Misere im Fall #Iran zu verstehen:
1. Völkerrechtliche Erwägungen sind älter als die europäische Erindung des territorialen ... 🧵1/15
♦️(National)staates. Damals war das unveräusserliche Recht auf Verteidigung schon ein zentrales Thema.
2. Nach dem Westfällischen Frieden nahm die Idee des territorial genau abgesteckten (National)staates so langsam an Fahrt auf. Auch hier wurde das unveräusserliche Recht auf
♦️Selbstverteidigung noch oft funktional gedacht: Du verteidigst dich gegen alles, was zu einem Angriff beiträgt.
3. Für den grossen Kolonialimperialismus brauchte man eine überstaatliche Ordnung, die Konflikte zwischen den imperialen Mächten unwahrscheinlich machte.
♦️Die US-basierte National Union for Democracy in Iran (NUFDI) mit Pahlavi an der Spitze entwirft unter dem Titel Iran Prosperity Project (IPP) einen Plan für den Übergang nach dem Fall der Islamischen Republik. 🧵
♦️In der ersten Emergency Phase (100-180 Tage nach Machtübernahme) priorisiert der Plan Versorgungssicherheit (Lebensmittel, Lieferketten, Transport, Strom/Wasser, Gesundheit, öffentliche Dienste) und die Sicherung institutionellen Wissens.
♦️Im Sicherheitsbereich werden schnelle Machtübernahme, Schutz kritischer Infrastruktur, Neutralisierung von IRGC/Basij-Strukturen, gestufte Vetting-/Entwaffnungsprozesse und der Aufbau ziviler Kontrolle über neue Sicherheitsorgane beschrieben.
Linke Dullies und ÖRR quasseln bzgl. Iran immer noch von "Wirtschaftsprotesten". Unbestritten hat wirtschaftliche Misere die Unruhen getriggert. Indessen gibt es seit der Islamischen Revolution 1979 einen Trackrecord von Anti-Regime-Revolten.
🧵1/15
♦️Dazu gehört die Grüne Bewegung (Jonbesh-e Sabz) von 2009: eine Protestwelle, die nach der iranischen Präsidentschaftswahl vom Juni 09 begann. Viele Menschen zweifelten das offiziell verkündete Ergebnis an und warfen den Behörden Wahlmanipulation vor.
♦️Der Wächterrat spielt eine wichtige Rolle bei der Zulassung von Kandidaten und bei der Kontrolle des Wahlprozesses. Dadurch werden Wahlen zum regimekritischen Konfliktfeld, wenn grosse Teile der Bevölkerung das Ergebnis als unglaubwürdig empfinden.
♦️Sowjetunion in der Rohstoff-Falle: "Goldene Zeit", Öl-Schock, und der Pfad zum Zerfall unter Breschnew 1970-1982; Analogien und Differenzen zu Putin.
🧵1/20
♦️Was wir heute als 'Russland' titulieren, entstand im Kern im 15.-18. Jh. durch die - teilweise mit viel Blut & lokalen Genoziden verbundene - Kolonisierung des Ostraumes, welchen die Goldene Horde nach ihrem Zerfall 'hinterlassen' hatte.
♦️Von Kernrussland ging es dann weiter zu dem, was später die 'Sowjetunion' in ihrem Post-WK-2-Zustand wurde. Sehr grob vereinfacht war die zweite Phase des imperialen Projekts dadurch geprägt, dass Expansionswille auf gefestigtere, (kulturell) wehrhaftere Identität stiess.