Gedankenexperiment:

Die begehrtesten Unis ersetzen morgen den umstrittenen Numerus Clausus durch aussagekräftige Aufnahmeverfahren.

Thread ⬇️ #TWLZ #Chancengerechtigkeit 1/15
Die Assessment-Center wurden sorgfältig von Wissenschaftler:innen geplant, deren Spezialgebiet Evaluation und valide Testungen sind.

Natürlich darf es kein Prüfungsverfahren sein, das v.a. testet, wie viel Prüfungsdruck jemand ertragen kann (#Referendariat...) 2/15
Getestet werden Kompetenzen (nicht das Herauskotzen auswendig gelernter Funfacts), die für den Studiengang relevant sind:

Einarbeitung in fremde Themenbereiche, Sorgfalt bei der Recherche, Teamfähigkeit, Textkompetenz, kritisches Urteilsvermögen, Diskussionskultur... 3/15
Über Tage sprechen Studierende in spe mit Professor:innen, knobeln mit Mitbewerber:innen an Aufgaben, präsentieren Ergebnisse oder verfassen kleine Essays/Paper...

Am Ende erhalten alle ein ausführliches Feedback-Gespräch und ggf. den ersehnten Studienplatz. 4/15
Plötzlich sind die Medien voller Skandal-Meldungen:

Die vielen 1,0-Absolvent:innen der (v.a. von sich selbst) gelobten Elite-Schule XY kommen kaum zurecht.

Ulla-Henriette (19), Abi-Note 3,8, studiert jetzt Kybernetik und Biochemie mit Stipendium.

Wie kann sowas sein?! 5/15
(Natürlich haben die Schulen und die bösen, faulen Lehrer:innen Schuld und überhaupt) 6/15
Die Unis freuen sich:
Die neuen Erstis sind für ihre Fächer geeignet und besonders engagiert, da sie sich sicher sind, „ihr Fach“ gefunden zu haben und außerdem stolz auf den Studienplatz.

In den Kultusministerien:
Krisensitzung am runden Tisch. 7/15
Mit dem Standard-Prinzip „mehr desselben“ („mehr Inhalte!“, „mehr Klausuren!“...) ist der neue Bildungsnotstand nicht zu lösen.

Wenn gedruckte Schulnoten keine unbezahlbare Mitgift mehr sind, müssen Schüler:innen tatsächlich gefördert werden... 8/15
Also, Runder Tisch:

Die Fakultäten führen aus, welche Kompetenzen für das Studium ihres Faches relevant ist.

Die Lehrer:innen geben zu verstehen, dass zur Förderung der meisten genannten Kompetzen längst Konzepte existieren. 9/15
Didaktiker:innen, Lehrer:innen, Fachleiter:innen etc. schließen sich wochenlang ein, um neue Lehrpläne, Prüfungsformate und v.a. Studentafeln zu basteln.

Die relevanten Kompetenzen (Quellen kritisch beurteilen, wissenschaftlich zitieren, logisch argumentieren... 10/15
respektvoll diskutieren, Arbeitsprozesse (gemeinsam) strukturieren, abgewiesene Produkte überarbeiten...) können natürlich in Schulen trainiert werden.

... bloß nicht, wenn man stattdessen handschriftliche Endlosaufsätze ohne Quellen schreibt oder Zahlenkolonnen paukt. 11/15
Die Kultusminister:innen gehen währenddessen Geld für die Transformation einwerben, Fortbilder:innen suchen und fliegen ggf. einmal in die Nachbarländer, in denen es ähnliche Aufnahmeprüfungen längst gibt und die ihr Schulsystem längst überarbeitet haben. 12/15
Das Ganze funktioniert faszinierend gut:

Gerade die Lobby von Eltern, die hohe Bildungsabschlüsse für ihre Bambini vorgesehen haben, machen der Politik kräftig Dampf.

Die Lehrer:innen freuen sich über flexibleres Arbeiten und bessere PISA-Ergebnisse. 13/15
Schüler:innen befassen sich zielgerichteter mit wissenschaftlich relevanten Themen, üben freier, selbststrukturierter; proben Prüfungen regelmäßiger im Team und an abstrakteren Problemen; üben mehr, sich selbst einzuschätzen und gut zu verkaufen...

Das ist der Schwerpunkt. 14/15
Bevor die Utopie jetzt zu weltfremd wird:

Die Abschaffung des Numerus Clausus, der an Sport, Englisch und Chemie mit-misst, ob man Französisch studieren sollte, ist überfällig.

Der Effekt auf das Schulsystem, das Möglichkeit zum realistischen Fördern braucht, wäre super! 15/15

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4 Mar
These:

Im #Twitterlehrerzimmer wird viel aneinander vorbeigeredet, weil Kolleg:innen aus völlig verschiedenen Perspektiven auf #Schule schauen.

Visionäre versus Pragmatiker

⬇️Thread 1/16
A: DIE VISIONÄRE

Perspektive: „Das Schulsystem“™️ habe sich selbst überlebt.

Man müsste es mit neuem Mindset, agil und out of the box völlig neu denken. Traditioneller Unterricht, oft objektiv messbar Zeitverschwendung, gehöre mit Projekten, Kollaboration... revolutioniert 2/16
Der Visionär brennt für die Kultur der Digitalität, implementiert die 4K, diskutiert Best Practice auf Clubhouse, vernetzt sich auf Barcamps und teilt aktiv Impulse und Materialien in bunter und mitreißender Form.

Sinnstiftendes, nachhaltiges Lernen ist ihnen wichtig. 3/16
Read 16 tweets
3 Mar
Was sollen eigentlich immer diese Fakenews auf Schul-Homepages, durch #Latein-Unterricht würden einem Spanisch/Französisch/Italienisch plötzlich in den Schoß fallen? 🤨

Das konnte (trotz mehrfacher Versuche) noch keine Studie belegen 🤷🏼‍♂️ #TWLZ
Noch schlimmer die Behauptung, man würde durch #Latein spürbar besser in Mathe, weil Latein ja viel logischer aufgebaut sei als andere Sprachen.

Das ist 1. falsch und 2. will ich die Studie sehen, die das valide nachweisen kann 🤨
Werbung für Schulfächer in allen Ehren, aber ich finde es unredlich, unbelegte Bauchgefühle als Fakten darzustellen.

Ich werbe ja auch nicht für Geschichte, indem ich den Schüler:innen erzähle, dadurch würden sie besser in Chemie und Religion 🤷🏼‍♂️
Read 4 tweets
9 Feb
DIE 10 GEBOTE DES DEUTSCHEN SCHULSYSTEMS 🙏🏻

– in Corona-Zeiten besonders wichtig!

Thread ⬇️ #TWLZ
I. Ich bin der STOFF, dein Lehrplan. Mich zu lehren ist deine führnehmste Pflicht.

Mich zu hinterfragen (zeitgemäß? wissenschaftlich überhaupt noch relevant? viel zu voll?) ist Sünde.
II. Du sollst dir kein korrektes Bildnis machen von des Lehrers Arbeitsalltag.

Sprich: „Er hat recht des Morgens und frei des Nachmittages“, so wie es deine Vorväter und deren Väter vor dir taten.
Read 12 tweets
16 Sep 20
Führt die Öffnung von Unterricht in die komplette Beliebigkeit?

Bedeutet zB digitales, asynchrones, individualisiertes, projektartiges, #zeitgemäßesLernen anstatt Frontalbelehrung einen Verlust von Struktur?

Ein #Thread ahd. meines aktuellen Unterrichts ⬇️ #TWLZ 1/23
I BEISPIEL

Bei meinem Q2 Deutsch-LK steht gerade Rhetorik/Redeanalyse auf dem Programm.

Zurzeit kein zentrales Thema fürs NRW-Abi, aber Reden kommen oft in der schriftlichen Prüfung dran.

Aufbau, Redekonstellation, -situation und -strategien sollte man analysieren können. 2/23
II KANON

Ich habe Sek2-Deutschbücher aus drei Jahrzehnten da. Die Rhetorik-Reihe ist grob immer dieselbe:

▫️eine antike Rede (zB Cicero)
▫️eine Nazi-Rede (zB die Sportpalastrede oder Hitler an die HJ)
▫️eine aktuelle Rede (zB von Weizsäcker oder Merkel) 3/23
Read 24 tweets
1 Aug 20
In #NRW rückt das neue Schuljahr näher.

Ein paar Gedanken dazu... 💭

⬇️#Thread #TWLZ 1/8
Mein aktueller Stand ist, dass wir in vollbesetzten Klassen heiteres Seuchen-Bingo spielen wollen.

Frau #Gebauer begründet das damit, dass wir nicht genug Lehrer*innen hätten, wenn wir #Covid_19 bei der Planung berücksichtigen würden... 😒 2/8
Der Gedankengang hinkt natürlich gewaltig:

A) Es ist zynisch, die Gesundheit der Schüler*innen und Lehrer*innen für simulierte Normalität zu riskieren.

B) Das Personal-Argument blendet das letzte Halbjahr aus: So viele Schulen haben doch so kluge Konzepte erarbeitet. 🤨 3/8
Read 8 tweets
5 May 20
Es wird massiv unterschätzt wie aufwändig es ist, #Schule|n gelungen zu digitalisieren.

„Kann die Schule nicht einfach XY anschaffen?!“
„Man kann von Lehrer*innen ja wohl erwarten, dass sie mit YZ arbeiten können!“

Nein.

Ein Thread ⬇️
#Twitterlehrerzimmer 1/25
Erst einmal: In Deutschland sind digitale Kompetenzen SEHR heterogen verteilt:

Etwa 30% alle iPhone-Nutzer*innen haben keine einzige App installiert. Sie wissen nicht wie das geht, wollen nicht, dass ihr Smartphone noch komplexer wird oder haben Angst etwas falsch zu machen 2/25
Da digitale Kompetenzen in der Lehrer*innenbildung meistens (!) randständig bis gar nicht vorkommen, sind sie unter Lehrer*innen SEHR verschieden ausgeprägt, da meistens eigeninitiativ und in Eigenregie erarbeitet.

In den Elternhäusern ist es genauso. 3/25
Read 26 tweets

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