Ich möchte das gerne aufgreifen, aber modifizieren.
Ich habe mit 17 Jahren meine erste DNA isoliert, später dann Biochemie mit Schwerpunkt Molekulare Medizin studiert. Bis zum Diplom habe ich die naturwissenschaftlichen Grundlagen bis zur Quantenphysik vertieft und in der
mündlichen Biophysikprüfung die Wellengleichung einer Evaneszenzwelle in der Nahfeldmikroskopie aus der Schrödingergleichung herleiten dürfen.
Seit dem habe ich 13 Jahre Berufserfahrung in der translationalen Forschung. Habe darin promoviert.
Ich kann PCR in allen
Varianten. DNA und RNA aufreinigen und Sequenzieren, Proteine aufreinigen und analysieren, all das global oder gezielt nach ganz spezifischen Modifikationen. Ich kann dir sagen, welche Gene in einer Zellen gerade an- oder ausgeschaltet und welche ganz stillgelegt sind. Ich kann
dir sagen an welcher Stelle deines Genoms gerade welche Proteine binden. Ich kann
Zellen „unsterblich“ machen und dann doch töten und dir dann sagen welche Tod die Zellen gestorben sind. Ich kann Gene in Zellen einbringen, umschreiben und kaputt machen. Ich kann Blut und
Knochenmark in seine einzelnen Zelltypen trennen. Ich kann mit Mäusen und Ratten arbeiten und weiß wie ich das möglichst ethisch plane und durchführe.
Ich kann 3D Tumore drucken, Gewebeschnitte färben & auswerten.
Ich weiß wie ich mit hochgiftigen Substanzen umgehe und hantiere
regelmäßig mit Dingen, die mich und andere töten können.
Ich habe mit Radioaktivität gearbeitet und ein Beta-strahlendes Therapeutikum unter Zeitdruck mit einer winzigen Nadel in die Blutgefäße eines befruchteten, lebenden, halb geöffneten Hühnereies gespritzt um die Anreicherung
der Substanz in einen künstlichen menschlichen Tumor auf der Chorioallatoischen Membran des Eies via Liganden-Rezeptor-Bindung danach per SPECT Bildgebung zu quantifizieren. Steril. Ich bin kein Statistikgeek, aber bei uns schon eher eine, die gefragt wird.
Ich unterrichte
Medizinstudierende in zellbiologischen Grundlagenfächern und betreute und begutachte Master- und Doktorarbeiten. Ich peer reviewe wissenschaftliche Publikationen.

All das, was im Ursprungstweet dazu gesagt wurde, dazu, wie ich es finde, wenn andere mir meinen Job erklären,
trifft zu.

Ich möchte es aber noch ergänzen für diejenigen, die meinen, ich wäre blöd genug, hier als aktive Wissenschaftlerin unter Klarnamen absichtlich falsche Dinge zu schreiben, weil ich damit irgendeine Agenda verfolge, bloß weil irgendjemand anderes, der seit Jahren
nicht mehr wissenschaftlich arbeitet oder aus einem völlig anderen Bereich kommt, etwas anderes geschrieben hat:
Niemand ist fehlerfrei, auch ich nicht und ich freue mich über sachliche Korrekturen ohne Zwischentöne.
In den meisten Fällen ist der Dissenz aber auf spezifische
Aspekte bezogen und die wissenschaftliche Debatte bewegt sich irgendwo in einem Graubereich um einen Punkt herum. Wir reden verdammt selten über klare, unumstößliche Aussagen.
Dass Debatten um Grautöne geführt werden, ist völlig normal, das ist Teil unseres Alltages. Es geht
dabei nicht um Diskreditierung o.ä.. Ich weiß das, weil ich seit 13 Jahren in diesem Beruf arbeite und kritisches Hinterfragen
einfach dazu gehört.

Also bitte, erspare mir dein Framing, dein Suchen nach versteckten Agendas oder dein jammern über wissenschaftliche
Majestätsbeleidigung.
Das sind politische Kategorien, die in der inhaltlichen Debatte keinen Stellenwert haben.
Ich schreibe hier stets nach besten Wissen und Gewissen.
Dass du mir Inkompetenz unterstellst, weil meine Schlüsse nicht das sind was du gerne hören möchtest (was
ich verstehe, wir alle klammern uns gerne an Strohhalme), zeugt am Ende nur davon, wie wenig du, trotz fleißiger Telegramm-/Twitter-Rechchere und dem ein oder anderen Abstractlesen von medizinischer Forschung verstehst.

Daher bitte akzeptiere, dass ich mir zumindest vorbehalte,
doch zu blocken, wenn du dich beim Vortragen von Halbwissen auch noch im Ton vergreifst.

Wir müssen nicht einer Meinung sein, aber Framing durch Leute, die nur meinen, verstanden zu haben, was ich sagen will, nervt langsam massiv.

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3 Nov
Warum #2G weder wissenschaftlich noch politisch zu halten ist und unbedingt überdacht gehört:

⛔️ Das Risiko, sich als Geimpfter zu infizieren, steigt nach einigen Monaten rapide an (thelancet.com/journals/lance…).
⛔️ Geimpfte erreichen ähnlich hohe Viruslasten wie Ungeimpfte Image
(bei kürzerer Dauer des Peaks) (thelancet.com/action/showPdf…) und sind im Schnitt (über alle Altersgruppen und Zeiträume nach Impfung) nach einer ersten Studie etwa 2/3 so ansteckend im Zellkultursystem wie Ungeimpfte (medrxiv.org/content/10.110…)
Bei Veranstaltungen sollte sich durch den Image
kurzen Peak statistisch eine kürzere ansteckende Periode ergeben und damit ingesamt bei hoher Impfquote die Wahrscheinlichkeit senken, dass jemand zum Zeitpunkt gerade ansteckend ist.

Die SAR (der Anteil angesteckter Kontakte) im Haushalt allerdings ist in einer aktuellen
Read 19 tweets
1 Nov
Ich denke, ich werde mich auch zur CovidImpfung meines Großen durchringen, wenn sie für U12 kommt.
Warum?
Ich habe immer dafür argumentiert dass wir den Kindern nicht ihre Beteiligungsrechte nehmen dürfen, dass es wichtig ist, dass sie so viel Normalität behalten wie möglich.
Diese Bundesregierung setzt aber seit Beginn der Pandemie auf möglich viel Normalität für ältere Menschen und hilft die Belastungen überproportional den Familien über.
In unserem engeren Umfeld sind (bis auf eine Person) alle geimpft, auf jeden Fall die älteren Kontaktpersonen.
Ich glaube, die Impfung wird für mein Kind keinen Mehrwert haben, aber ich weiß, dass sie ihm sehr wahrscheinlich auch nicht schaden wird. Er ist 11 und fällt damit fast in die Altersgruppe in der schon sehr viele Real Life Daten vorliegen.
Der einzige Grund ihn nicht zu impfen
Read 8 tweets
31 Oct
Wie gut schützt die #Impfung vor Ansteckung? Eine weitere Studie, vor 2 Tagen im Lancet veröffentlicht, gibt weitere Hinweise darauf, dass wir uns von der Idee der #Herdenimmunität verabschieden & Alternativstrategien finden müssen.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Studie ⬇️:
thelancet.com/journals/lanin…

Man hat COVID-19 Indexfälle (Alpha und Delta) und ihre Kontakte (>5 Jahre) via UK Nachverfolgungssystem ausgewählt und bis zu 20 Tage lang Abstriche gesammelt.

Für die Delta Variante untersuchte man 138 Indexfälle und 204 Haushaltskontakte
unter Einbeziehung des Impfstatus beider Gruppen.
Von den Indexfällen waren 50 voll, 25 teilweise und 63 nicht geimpft.
Es steckten sich bei geimpften Indexfällen etwa genauso viele Haushaltskontakte an (SAR 25%) wie bei Ungeimpften (23%).
Hierbei steckten sich die geimpften
Read 17 tweets
30 Oct
Disagree. Wir haben mittlerweile einige Publikatiken, die zeigen, dass der Infektions-(thelancet.com/journals/lance…) und Übertragungsschutz (medrxiv.org/content/10.110… & thelancet.com/journals/lanin… ) durch die #Impfung relativ schnell nachlässt. 2G ist überhaupt nicht sicher. 2G ist eine
paternalistische staatliche Erziehungsmassnahme, mit dem Ziel eine #Impfquote zu steigern, anstatt #Risikogruppe zu definieren, dort Impflücken aufzufüllen und zu boostern.

Was wirklich hilft, die Infektionszahlen und damit sekundär auch die schweren Erkrankungen zu reduzieren,
ist 1G: #TESTEN für alle (itwm.fraunhofer.de/de/presse-publ…)
Die Schnelltests hat sich Ihre Regierung leider von fragwürdigen BeraterInnen/Labormedizinlobbyisten madig machen lassen.
Aus meiner Sicht war das Abschaffen der Kostenübernahme für Tests einer der größten Fehler der Pandemie.
Read 4 tweets
29 Oct
Nein, Herr @Karl_Lauterbach - #LongCovid und kognitive Defizite sind kein Tabu - es gibt nur bisher wenig gute (zB. prospektive, kontrolliert erhobene) Studien dazu. Aber dennoch qualitativ deutlich hochwertigere, als die, die Sie hier zitieren.
ZB: thelancet.com/journals/eclin…. Es liegt also durchaus nah, dass kognitive Einschränkungen tatsächlich zu beobachten sind.
Die ungeklärte Frage: wie lange hält das an? Dazu haben wir keine langen Nachbeobachtungszeiträume. Wir wissen es daher einfach nicht. Das hat aber nichts
mit Tabu zu tun. Die Fachleute sind einfach vorsichtig mit voreiligen Schlüssen.

Bei der hier durch Sie zitieren, habe ich allerdings nach dem Material und Methodenteil aufgehört zu lesen.
Warum?
1️⃣ Rekrutierung u.a. im Facebook LongCovid Forum —> Selection bias? Image
Read 7 tweets
28 Oct
Eine aktuelle Studie aus Oxford, (medrxiv.org/content/10.110…) basierend auf Forschungsnetzwerk Daten vor allem aus den USA, wurde vor 10 Tagen als Preprint (noch nicht begutachtet, man kann Anhänge nicht einsehen) veröffentlicht.

Thread mit allgemeinverständlichen Erklärungen ⬇️
Die Studie untersucht etwa 10.000 Geimpfte
mit Durchbruchinfektionen gegen eine passende Kontrollgruppe und zeigt zunächst erwartbare Ergebnisse:

➡️ Covid Impfung reduziert effektiv das Risiko von schweren #COVID19 Verläufen (ITS, Tod, Beatmung etc.), zwei Impfungen schützen
besser als eine, Menschen >60 profitieren
weniger als Jüngere usw.

💡Erklärung der Grafik: Die Abbildung zeigt einen sogenannten Forestplot, der das relative Risiko für die Symptome/Ereignisse gegenüber der Kontrollgruppe als Punkt und den Vertrauensbereich des Ergebnisses
Read 19 tweets

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