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Thema: „Entwicklungshilfe“
Es folgt ein Thread mit vielen Fragen zur aktuellen @gfa_kampagne in deren Rahmen aktuell eine Gruppe junger Influencer*innen und Beauty-YouTuber*innen in und um Nairobi, Kenia unterwegs sind (nicht die erste derartige Aktion).
Wir befinden uns in der Vorweihnachtszeit und damit auch in der Spendenzeit. Die Herzen sind weit und bis Jahresende lassen sich noch Spendenquittungen für die Steuer des Jahres sichern. Was immer gut läuft sind Tiere und Kinder, und letztere besonders die aus „Afrika“.
Wer als Organisation mit der Zeit geht hat begriffen, dass Infuencer*innen mit ihren teilweise in die Millionen gehenden Followerzahlen tatsächlich Einfluss haben und versteht diese Kanäle für sich nutzbar zu machen.
1. Frage: Wieviel Geld haben die Influencer*innen für ihre Teilnahme an dieser Werbereise bekommen?
2. Frage: Wenn sie kein Geld bekommen haben, worin besteht der Benefit für die Influencer*innen?
Auf Instagram ist die Reise sowohl auf dem Kanal der Organisation als auch auf den jeweiligen Kanälen der Teilnehmer*innen zu verfolgen. Es besteht ein straffes Programm in dem Projekte vorgestellt und besucht werden, an denen die Organisation beteiligt ist.
Dh keine der Organisationen scheint allein aus Mitteln vom Kontinent selbst finanziert zu sein, sondern ist im Kontext der „Entwicklungshilfe“ zu begreifen. 3. Frage: Richtig? 4. Frage: Was genau haben die #17ziele damit zu tun? 5. Frage: Was hat Kenia davon?
Entwicklungshilfe an sich ist ein problematisches Thema und nicht ohne den neu-kolonialen Kontext in dem diese steht vollends zu begreifen. Zu kritisieren ist die Grundannahme, dass der afrikanische Kotinent als solches „unterentwickelt“ ist und Hilfe von zB Europa braucht.
Die Influencer*innen selbst berichten überrascht vom Fortschritt einer Stadt wie Nairobi. Offensichtlich kam es vor der Reise nicht zu einer umfassenden Information über die Begebenheiten in Kenia. Es gab kein grundlegendes Wissen über Sprache, Volksgruppen, Geschichte etc.
Damit entsprach ihr Wissensstand vermutlich dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die 6. Frage also: Welchen Sinn hat es, eine Gruppe uninformierter Menschen Hilfsprojekte bewerben zu lassen, deren Kontext sie nicht verstehen?
7. Frage: Oder geht es eher darum, stereotype Vorstellungen von „Afrika“ zu reproduzieren, um Spendengelder für Entwicklungshilfe zu generieren? Der Verdacht liegt nahe, denn bislang wurden die typischen Projekte vorgestellt. Schulen, Werkstätten, ein Massai-Internat
Stätten, die einen Bildungsbedarf suggerieren. Allerdings ohne Form, Sinn und Richtung spezifischer Bildungen zu hinterfragen. 8. Frage: Was genau wird in diesen Schulen von wem gelehrt?
9. Frage: Lernen die Kinder auch von den Kolonialen Verstrickungen, die ihnen bis heute wirkliche Teilhabe verunmöglichen?

Auffallend ist auch das dauernde Reden von „Slums“, einem Begriff der längst problematisierend diskutiert wird.
10. Frage: Inwiefern wird das Gespräch mit dem erfolgreichen Rapper @OCTOPIZZO dazu genutzt über Möglichkeiten des Engagements in eigenen Communities nachzudenken, statt ihn als „Emporkömmling“ zu feiern, denn er hat es aus den „Slums“ geschafft und hilft nun der Community?
Aktuell werden einzelne Teilnehmer*innen massiv kritisiert (persönliche Beleidigungen lehne ich entschieden ab und werte sie als unsachgemäße Angriffe und nicht als Kritik!). Auf Instagram leisten diverse Portale wertvolle Aufklärungsarbeit.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass Organisationen hinter allem stehen, die vordergründig das Ziel haben zu helfen, zugleich aber immer das Bild eines rückständigen, hilfsbedürftigen „Afrika“ aufrechterhalten und reproduzieren.
Dabei die eigene Rolle in dieser flachen Inszenierung einer tatsächlich sehr viel komplexeren Realität in den Hintergrund tritt #kolonialeamnesie
Das ist schlimm, weil:

1. Macht und Geld unter europäischer Kontrolle bleiben.
2. Lokale (Eigen-)Initativen kaum gefördert werden.
3. Die wirkliche Entwicklung „Afrikas“ zu einem eigenständigen Kontinent ohne Ausbeutung durch Europa erschwert wird.
4. Die wirkliche Verantwortung Europas verschleiert wird.

Unter dem Hashtag #MadeInKenya2019 könnten sich tatsächlich aktuelle Projekte aus Kenia präsentieren. Es gibt zahlreiche, die aber nicht in das Narrativ der „Entwicklung“ passen. 11. Frage: Richtig?
2017 gab es mit „Afrotech“ dazu in Dortmund eine tolle Ausstellung im @hmkv_de

Erstaunlich auch, dass die Influencer*innen, die sich mit Mode und Beaty befassen kein offenes Interesse an der wirklich spannenden florierenden Mode- und Kreativszene in Nairobi zu haben scheinen.
Letzte Frage: Wem nützt es, dass alle breit auf Instagram dokumentiert wird?
Zusatz: Aktuell sind weitere Influencer*innen auf dem Kontinent unterwegs. Eine wirbt für eine Non-Profit Eiscreme in Kooperation mit der @Welthungerhilfe, die andere hat gerade eine Schule gebaut (und dafür innerhalb von 2 Stunden 60.000 EUR von ihren Followern bekommen).
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