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Silke Horstkotte @shorstkotte
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Ja: Reden wir über Bilder und ihre mehrstimmige Kommunikation, anläßlich des Storch-Fotos.
Das Foto ist zunächst einmal ein Porträt. Es zeigt die Porträtierte im Halbprofil, ein Buch lesend, vor einem Kunstwerk: so will sie gesehen werden. Eine Inszenierung, die wir aus vielen Porträts und Selbstporträts kennen.
Die locker stehende Pose sagt: ich habe Zeit, mich mit Kultur zu beschäftigen, verfüge über ökonomisches und kulturelles Kapital. Die Requisiten weisen mich als gebildet aus. Das alles ist klassische Porträtkunst.
Eine Brechung dieser Selbstinszenierung, wie seit der Moderne üblich, findet sich in dem Bild nicht. Die Porträtierte stellt sich emphatisch in eine Bildtradition, deren Problematik seit mindestens hundert Jahren bekannt ist (Ausweis von Macht; Konstruktionscharakter).
Die beiden Objekte im Bild kommunizieren neben Kultiviertheit und verfügbarer Freizeit eine klare Botschaft. Die Porträtierte liest ein islamophobes Buch und identifiziert sich so mit dessen Botschaft.
Das Bild im Bild hat (mindestens) zwei Verweisebenen: eine referentielle auf die dargestellte islamistische Gewalt, und eine interikonische auf das Titelbild des Mosebach-Buches (sowie, über das Titelbild, auch auf den Inhalt von "Die 21").
Vor allem über seine Referenz, also als Repräsentation eines faktischen Geschehens, fungiert das Bild im Bild als Bestätigung der These aus dem abgebildeten Buch: Der Islam ist eine tödliche Gefahr.
Für Betrachter*innen, die das Mosebach-Cover erkennen, sagt das Bild darüber hinaus: die Opfer des Islam sind christliche Märtyrer. Es reichert also die Sarrazin-These durch eine christliche Leidensgeschichte an.
Der Islam, impliziert das Bild im Bild, ist nicht (allein) schlecht für die Demokratie, sondern (vor allem) tödlich für Christen. Die Sarrazin-These wird also auf einen Kampf der Religionen zugespitzt.
Und, ja, @pilz_dirk hat recht: es geht dem Foto natürlich nicht um eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt von Buch und Bild-im-Bild bzw. mit Sarrazin und Mosebach, sondern nur darum, was beides über die Porträtierte sagt.
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