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Eisfreie Polkappen stellen erdgeschichtlich den Normalzustand dar und machen etwa 80 bis 90 Prozent der Erdgeschichte aus.
Vor 11.660 Jahren stiegen die Durchschnittstemperaturen auf Teilen der Nordhalbkugel innerhalb von nur 20 bis 40 Jahren um sechs Grad Celsius, in Grönland sogar bis zu 10 Grad.
In den letzten knapp 10.000 Jahren hob sich der Boden in Nordeuropa um mehr als 300 m, weil die auf ihnen lastenden Gletscher geschmolzen waren.
Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor knapp 12.000 Jahren stieg der Meeresspiegel durch Schmelzwasser bis heute um ca. 120m an.
Vor ca 8000 Jahren begann in Europa ein Klimaoptimum, das ca. 4000 Jahre andauerte, das so genannte Atlantikum.

Die europäischen Klimata aus dieser Zeit sind noch nicht genau erforscht, sicher scheint aber, dass sie erheblich anders waren als heute, zum Teil deutlich wärmer.
Zum Teil lagen die Temperaturen im Atlantikum um mehrere Grad Celsius über den vor Beginn der Industriellen Revolution in Europa gemessenen Werten, stellenweise jedoch auch deutlich unterhalb davon.
Bspw war es in Südosteuropa, an den Nordmeeren und im Osten Chinas mehr als 2 °C wärmer als heute. Die Baumgrenze lag in den Alpen um 200-300 m höher als heute, in Sibirien wuchsen Bäume bis 300 km nördlicher als heute, weil es wärmer war.
In anderen Weltgegenden war es kälter.
Im Klimaoptimum des Atlantikums bis vor ca 4000 Jahren flossen in der Sahara ganzjährig Flüsse, wo heute nur Wüste ist. Es gab dort Elefanten, Giraffen, Nashörner, Flusspferde. Menschen siedelten in der Sahara und weideten Vieh.
Die Wüste breitete sich in der Sahara erst in der auf das Atlantikum folgenden deutlich kühleren Periode aus, die ca 1600 Jahre andauerte, bis vor ca 3000 Jahren das römische Klimaoptimum folgte.
Im römischen Klimaoptimum wurde in Großbritannien Wein angebaut und Hannibal überquerte mit Elefanten die schneefreien Alpenpässe. Rekonstruktionen aus Baumringen zeigen in Europa in den Jahren 21–80 n. Chr. Sommertemperaturen, die deutlich über denen der Jahre 1971–2000 lagen.
Während des Niedergangs des Römischen Reichs und zu Beginn der Völkerwanderung wurde es in Europa wieder kälter, es gab Missernten und Dürreperioden, die zeitweise den Welthandel (Seidenstraße) zum Erliegen brachten.
Im Mittelalter folgte dann ein weiteres Klimaoptimum.
Im mittelalterlichen Klimaoptimum besiedelten die Wikinger Grönland, das seinen Namen nicht von Ungefähr trägt. Sie betrieben dort an der Südküste Ackerbau und Viehzucht, weigerten sich aber, von den Inuit deren Jagdtechniken zu lernen, weil sie sich kulturell überlegen wähnten.
Während dieser warmen Epoche im Mittelalter gab es weitaus stärkere Orkane, Sturmfluten („Extremwetterereignisse“) als heute. In Nordamerika plagten heftige Dürren die Indianer und Sturmfluten trennten zB anno 1362 die friesischen Insen vom Festland.
Zwischen 1550 und 1850 folgte erneut eine krasse Klimaveränderung: Die „kleine Eiszeit“. Die war regional unterschiedlich stark ausgeprägt, aber zumindest in der Zeit vom Ende des 16. Jh bis Ende 17. Jh gab es für 100 Jahre global deutlich niedrigere Temperaturen als heute.
In einigen Regionen Europas lagen die durchschnittlichen Jahrestemperaturen gut 2 Grad niedriger als heute. Die Winter waren kalt und lang, die Sommer kühl und regnerisch. Gletscher drangen bis in Alpendörfer vor und zermalmten Häuser.
Am schlimmsten war diese Kälteperiode in Europa 1692-1698. Manche Flüsse froren ganzjährig zu. 1816 gab es auch noch ein Jahr ohne Sommer auf der Nordhalbkugel wegen des Ausbruchs des Vulkans Tambora östl v Java. Es gab Missernten, Hungersnöte, die Pest u.a. Krankheiten wüteten.
Auf der Lagune von Venedig könnte man Schlittschuhlaufen. In die Zeit der „kleinen Eiszeit“ fallen Hexenverfolgung, viele Judenprogrome, Verfolgung der Täufer und anderer Minderheiten. Viele Kriege, vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Frz Revolution. Auswanderungswellen nach USA.
Island wurde von Packeis umschlossenen von der Außenwelt isoliert, die Wikingerkolonie auf Grönland verhungerte und erfor komplett.
Nachdem die Temperaturen in der zweiten Hälfte des 19. Jh in Europa wieder deutlich stiegen, startete die Industrielle Revolution durch und die Weltbevölkerung stieg stark an.
Forscher glauben, dass die gegenwärtige Zwischeneiszeit (mitsamt seiner Optima und Pessima) noch mindestens 30.000 Jahre anhalten wird, wir also erst ca 1/4 dieser weltweiten Wärmeperiode erlebt haben.
Ob der Mensch die natürlichen Klimaveränderungen beeinträchtigt, und wenn ja, auf welche Weise und wie stark, darüber gibt es viele Hypothesen. Wir wissen es noch nicht genau. Fest steht: Das Klima hat sich im Holozän immer verändert, und zwar sehr stark und oft sehr schnell.
Im Verlauf der letzten 2-3 Mio Jahre betrachtet ist es derzeit weder ungewöhnlich warm, noch verändert sich das Klima ungewöhnlich schnell. Es gibt weder ungewöhnlich viele oder ungewöhnlich starke Extremwetterereignisse.
Fest steht: Wir leben in einer vergleichsweise warmen Periode, die Ernten sind hervorragend, die Lebensbedingungen für den Menschen sind optimal. Dementsprechend ist der weltweite Wohlstand UND die weltweite Bevölkerungszahl auf einem vorläufigen Maximum.
Mit anderen Worten: Wir haben Glück in einer klimatisch begünstigten Zeit zu leben. Der Menschheit geht es so gut wie noch nie. Die Spezies Homo Sapiens war noch nie so erfolgreich wie heute. Von Zerstörung der Lebensgrundlagen oder „Planet unbewohnbar“ zu faseln, ist lächerlich.
Das heißt nicht, dass es keine Umweltprobleme gäbe. Es gibt viele akute Probleme vom Plastikmüll über Überfischung bis zum Schreddern von Vögeln, Insekten und Fledermäusen durch Windkraftanlagen. Leider überdeckt eine haltlose Klimahysterie den wirklich wichtigen Umweltschutz.
EOT.
Quellen: Ich habe nur allgemein zugängliche, allgemein anerkannte Fakten verwendet, die bei Wikipedia zu finden sind. Und zwar in den Artikeln
- Holozän
- Atlantikum
- Optimum der Römerzeit
- Pessimum der Völkerwanderungszeit
- mittelalterliche Klimaanomalie
- Kleine Eiszeit
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